Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Die Buschtrommel mit „Schonungslos“ im Göttinger Apex

Kabarett Die Buschtrommel mit „Schonungslos“ im Göttinger Apex

Neun Programme haben sie dafür durchforstet: Am Sonnabend hat das Kabarett-Duo „Die Buschtrommel“ im gut gefüllten Göttinger Apex sein Programm „Schonungslos“ präsentiert. Ein Abend mit Höhepunkten aus über 20 Jahren politischen Kabaretts.

Voriger Artikel
Acht Göttinger Bands bei der Oldienight
Nächster Artikel
Jazz-Bassist Jonas Hellborg in der Alten Brauerei in Northeim

Die Buschtrommel: Andreas Breiing (links) und Ludger Wilhelm.

Quelle: EF

Göttingen. „Die Volkswagen stinken zum Himmel. Das Sommermärchen 2006 ist durch Korruption erkauft. Und der letzte deutsche Kaiser stürzt bald vom Thron.“ Andreas Breiing und Ludger Wilhelm verschaffen zunächst einmal einen Überblick.

 

Ob Einbrüche in Ein-Euro-Shops, die Bildungsmisere oder Entwicklungen an der Rentenfront. „Da draußen tobt der Unsinn“, stellen die Kabarettisten fest. Gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich liegt vieles im Argen. Aber am Schlimmsten stehe es um die deutsche Politik. „Bei all den Skandalen in der deutschen Politik wünschen sich sogar schon Atheisten den Zorn Gottes.“

 

Das münsteranisch-sauerländische Duo tritt bereits seit 1991 zusammen auf. Und in seinem Rückblick, bei dem man auch alten Bekannten und mitunter fast vergessenen Missständen und Ereignissen wieder begegnet, darf das rustikale Rentner-Duo nicht fehlen. Mit einfältigem Gesichtsausdruck, Fliegerkappe, Hut und Stock beweisen Breiing und Wilhelm Mut zur Hässlichkeit und zu klaren Worten. Das Gesundheitswesen liege so darnieder, dass schon Röntgenbilder von Kassenpatienten retuschiert würden und arbeitslose „Schlecker-Frauen“ am OP-Tisch stehen. Die renitenten Rentner fordern lautstark den „Sterbe-Streik“.

 

Das Programm baut sich aus Szenen auf, in denen Breiing und Wilhelm in unterschiedlichen Figuren mal solo und mal gemeinsam auftreten, um sich die Bälle routiniert zuzuwerfen. Als tumber Willi Prollschewski im „Sateng“-Trainingsanzug lässt sich Wilhelm mit einem Kreditangebot „für 'n total beschränkten Kundenkreis“ übers Ohr hauen. Breiing reanimiert CDU-Politiker Ronald Pofalla in einer irrwitzigen Choreografie als „Mann ohne Rückgrat“ und in seiner Parodie als SPD-Parteichef Sigmar Gabriel schmettert er mit viel Emphase den „Mutti-Blues“.

 

Mal werden Redewendungen verdreht, mal Originalzitate aus Zeitungen zum Besten gegeben. Mit euphemistischen Worthülsen glänzt ein Bewerber auf dem Weg zum Regierungssprecher. Bei seinem Hohelied auf „Bier als deutsches Kulturgut“ kippt Breiing – zum großen Vergnügen des Publikums – ein Bier nach dem anderen in sich hinein.

 

Die Buschtrommler werfen sich routiniert die Bälle zu und bieten einen abwechslungsreichen Abend. Fundiert recherchiert, witzig, kritisch und pointiert unterhalten die Münsteraner. Wegen der Terroranschläge in Paris am Tag zuvor, haben sie ihr Programm kurzfristig umgebaut, erklären beide nach ihrem gelungenen Auftritt. Vom Publikum gibt es viel Applaus.

 

Von Karola Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff