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Die DDR im Blick der Stasi

Literaturherbst Die DDR im Blick der Stasi

Berichte der DDR-Staatssicherheit aus dem Jahr 1956 verdeutlichen, wie angespannt nach der Abkehr von Machthaber Stalin in der Sowjetunion auch die Lage im Arbeiter- und Bauernstaat war. Beim Literaturherbst stellte Dr. Henrik Bispinck seine Erkenntnisse vor.

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v.l.: Daniela Münkel,  Dr. Roland Bispinck , Dr. Jan Bisky, Roland Jahn. Andrea Strube liest Passagen aus dem Buch "Die DDR im Blick der Stasi 1956".

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 führte der Sozialistischen Einheitspartei (SED) vor Augen, dass die Regierungskreise um den Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht keine Ahnung von der Stimmung im Volk hatten. Und somit erhielt das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) den Auftrag, "möglichst authentisch zu berichten", so Prof. Daniela Münkel. Bis 1989 wurden die geheimen Berichte an die SED-Führung verfasst, hatten die Lage in Industrie, Verkehr und Landwirtschaft, die Versorgung der Bevölkerung und Ereignisse von besonderer Bedeutung zum Inhalt.

Buch

Daniela Münkel (Hg.): "Die DDR im Blick der Stasi 1956. Die geheimen Berichte an die SED-Führung". Vandenhoeck & Ruprecht, 275 Seiten, 30 Euro.

1956 verunsicherte die Entscheidung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) zur Entstalinisierung die Bürger und Regierung der DDR. Die Bürger, so Historikerin Münkel, hatten verschiedenste Unmutsgründe, die Vorgänge in der Sowjetunion versprachen auch in der DDR die Abkehr vom Stalinismus. Der Unmut über Ulbricht wuchs, als das nicht der Fall war. "Weiß unsere Regierung, wie unbeliebt Ulbricht ist?", wird ein Arbeiter zitiert. Und die Protesthaltung wird in Betrieben,Hochschulen und Parteiabteilungen festgestellt. Nicht nur die "Unzufriedenheit der Intelligenz" führt zu Protesten, dazu kommen Massendemonstrationen in Polen und Ungarn.

Wissenschaftlich aufbereitet ist der von Bispinck bearbeitete Band dennoch eine spannende Lektüre, die Wortlaut mit Kommentierung verbindet. Bei der Buchvorstellung las DT-Schauspielerin aus den Berichten, rezitierte Volkes Stimme und das Deutsch der DDR-Bürokraten.

"Die Leute sind kleinlauter geworden"

Moderator Jens Bisky stellte fest,  die Äußerungen "sind viel frecher und kecker als die der DDR-Bürger der Siebzigerjahre." Auch das sei charakteristisch für das Jahr 1956 erklärte Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Unterlagen der Staatssicherheit. In dem Jahr sei der "Knast in Bautzen" für Regimekritiker entstanden. "Die Leute sind kleinlauter geworden, weil andere einfach verschwunden sind."

Auch war 1956 die Teilung mit einer unüberwindbaren Grenze unvorstellbar. Viele Menschen verließen die DDR. Auch das hatte die Staatssicherheit (Stasi) im Blick. Ihre geheimen Berichte aus dem Jahr des Mauerbaus liegen bereits vor. Acht Bände sind veröffentlicht. Pro Jahr ist ein Band in Planung, um die Jahre von 1953 bis 1989 zu dokumentieren, erklärte Herausgeberin Münkel. Das gesamte Projekt unter ddr-im-blick.de.

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