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Das läuft in Göttingens Kinos

Die Filmstarts der Woche Das läuft in Göttingens Kinos

Von "Toni Erdmann" bis "Big Friendly Giant": Ab Donnerstag starten wieder tolle Filme in Göttigens Kinos. Wir haben für Euch eine Zusammenfassung aller Produktionen.

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„Der Scherzkeks allein ist nicht abendfüllend“: Peter Simonischek (rechts) mit Hadewych Minis in „Toni Erdmann“.

Quelle: dpa

„Ach, wenn sich Liebe doch lernen ließe“

Peter Simonischek über den Film „Toni Erdmann“, das Fangewese – und sein schon jetzt berühmtes Partygebiss:

Herr Simonischek, Sie wollten früher mal Zahntechniker werden, bevor Sie dann Schauspieler wurden. Nun schieben Sie sich als Kinofigur Toni Erdmann wiederholt ein falsches Gebiss in den Mund: Haben Sie das mit besonderer Hingabe getan?

Sie werden lachen: Meine Ausbildung hatte einen gewissen Einfluss. Als ich Schauspielschüler war und Zahntechniker zugleich, habe ich für meine ganze Klasse solche Party-Gebisse hergestellt – mit Goldkronen, Scherben oder was auch immer obendrauf. Später habe ich mir mit meiner ersten Frau lustige Nachmittage gemacht. Zum Beispiel sind wir verkleidet zum Schuhekaufen gegangen, und ich habe den Trottel gespielt.

Haben Sie den Trottel durchgehalten?

Aber ja. Ich wollte es meiner Frau ja möglichst schwer machen. Sie wusste, dass ich die schicken, dunkelbraunen Halbschuhe wollte, aber ich bin trotzdem zu den karierten Hausschlappen gegangen und habe mächtig genölt.

Dann waren Sie prädestiniert für diesen Toni Erdmann, der sich verkleidet, um Zugang zu seiner karrierebesessenen Tochter zu bekommen.

Zumindest hatte ich eine Ahnung davon, wie das ist, wenn einen der Teufel reitet.

Sie haben selbst drei Kinder, drei Söhne: War das hilfreich für Ihre Rolle?

Bestimmt, aber so ein Vater-Tochter-Verhältnis ist noch etwas Spezielles. Maren Ade, die Regisseurin, hat mir sehr geholfen – ihr Vater ist übrigens auch ganz kurz als Lehrer Herr Dudinger zu sehen. Wie ein Oktopus habe ich mich an Marens Vater bei den Dreharbeiten rangehängt: Wie schaut er? Wie geht er? Wie lächelt er?

Glauben Sie, dass das heutige Twitter-Publikum die nötige Geduld für knapp drei Kinostunden hat?

Man sollte diesen Film nicht auf dem Laptop gucken und dreimal zwischendurch zum Telefonieren und dann auch noch zum Kühlschrank gehen. Es braucht schon Aufmerksamkeit. Im Kino wirkt er so richtig. Ich habe ihn zusammen mit Sandra Hüller gesehen. Ihr Gesicht in Großaufnahme, also das von Ines, der Tochter, dieses Staunen über die Ungeheuerlichkeiten, die der Vater sich hat einfallen lassen, das ist das Wichtigste. Der Scherzkeks allein, also ich, der ist nicht abendfüllend.

Sandra Hüller und Sie kommen beide vom Theater: War das bedeutsam?

Ja, ich habe Sandra schon lange bewundert. Sie ist so jung und schon so lange gut. Ich vergleiche sie gerne mit einem Musiker: Es gibt alte, gestandene Geiger, Pianisten, Klarinettisten. Und dann kommt ein junger Kollege, stellt sich vorne hin und ist von der Muse nicht nur einmal, sondern drei Mal geküsst worden. So eine ist Sandra. Ich kenne keine zweite so junge Schauspielerin, bei der das Zwerchfell und das Hirn so gut zusammen funktionieren.

Was lässt sich von einem Vater wie Toni Erdmann lernen?

Ach, wenn sich Liebesfähigkeit doch lernen ließe! Das wäre toll. Das nämlich kann man von dieser Kunstfigur lernen: Hinter all diesen Kühnheiten, die er sich mit Perücke und Zähnen erlaubt, steckt ein liebender Vater. Seine treibende Kraft ist die Liebe zur Tochter – und auch der Humor. Mit diesen beiden Überlebensstrategien kann Ihnen auf diesem Planeten nicht viel passieren. Jeder weiß das, aber man vergisst es immer wieder.
 Interview: Stefan Stosch

„Toni Erdmann“, Regie: Maren Ade, 162 Minuten, FSK 0, Cinemaxx.

Ein Riese frühstückt bei der Queen

Was sollte ein Kind niemals tun, wenn es in Ruhe schlafen möchte? Es sollte keinesfalls das warme Bett verlassen und bloß nicht ans Fenster gehen. Sonst könnte es sein, dass eine gewaltige Hand durchs Fenster greift und das Kind ins Land der Riesen verschleppt. Denn einen solchen hat Sophie (Ruby Barnhill) in schattenreicher Nacht erspäht, und der überdimensionale Geselle will nicht riskieren, dass sie  anderen von seiner Existenz erzählt.

So beginnt für das Waisenkind Sophie das Abenteuer in Steven Spielbergs „BFG“, was abgekürzt für „Big Friendly Giant“ steht. Die gleichnamige Vorlage (auf Deutsch: „Sophiechen und der Riese“) lieferte Roald Dahl, der im September 100 geworden wäre. Zu befürchten hat Sophie titelgemäß nichts von diesem freundlichen Riesen, wohl aber von dessen menschenfressenden Kumpanen.

Es verwundert nicht, dass sich Spielberg des Romans von Dahl angenommen hat. Hier hat er alle Zutaten, die viele seiner Filme ausmachen. Gewissermaßen legt er eine Neuversion von „E. T.“ auf. Zwei Außenseiter schließen Freundschaft, und nur einer davon ist ein Mensch. Doch auch wenn der Stoff bestens ins Beuteschema des US-Großmeisters zu passen scheint, wird man nur bedingt glücklich damit. Vielleicht ist das Terrain dem Regisseur zu vertraut.
Die Geschichte ist kaum gelungen. Sie kommt allzu simpel daher und entwickelt zunächst keinen Charme. Irgendwann hat man sich auch an den wunderlichen Dingen in BFGs Höhle sattgesehen. Sein Job ist es, den Menschen ihre Träume zu bringen. Klingt aufregend, ist es aber nur bedingt.

Von Stefan Stosch
 
 „BFG – Big Friendly Giant“, Regie: Steven Spielberg, 115 Minuten, FSK 0, Cinemaxx. 

Wenn es dem Captain zu langweilig wird

Als Regisseur J. J.Abrams 2009 das Ruder der U.S.S. Enterprise übernahm, gelang ihm das Kunststück, die eingeschworenen Fans mit Vertrautem zu bedienen und mit den Werkzeugen des modernen Hightech-Kinos in neue Publikumsgalaxien vorzustoßen. Trotz dieses Erfolges verabschiedete er sich als Regisseur und wechselte ins „Star Wars“-Lager. Nun klettert Regisseur Justin Lin an Bord des Raumschiffes. Und da überrascht die fast meditative Ruhe, mit der „Star Trek Beyond“ zunächst einschwebt.

966 Tage sind James T. Kirk (Chris Pine) und seine Crew im Weltraum unterwegs, und der diplomatische Entdeckeralltag ist zur langweiligen Routine geworden. Einem Hilferuf folgend begeben sich Kirk und Co. zum Planeten Altamid, wo sie in einen Hinterhalt geraten. Ein Schwarm von Tausenden Miniaturraumschiffen fällt im Kamikaze-Modus über die Enterprise her und zerlegt das ikonische Gefährt nach allen Regeln der Zerstörungskunst. Die Crew landet in Rettungskapseln verstreut auf dem Planeten. Hier regiert Krall (unter der Reptilienmaske soll sich Idris Elba befinden) – ein Bösewicht, wie er schon in vielen Drehbüchern stand. Ein Mineral, das sich an Bord der Enterprise befand, dient ihm als Schlüssel für eine Waffe mit unermesslicher Zerstörungskraft, die er auf die Planeten der Föderation lenken will.

Von Martin Schwickert

„Star Trek Beyond“, Regie: Justin Lin, 122 Minuten, FSK 12, Cinemaxx.

Weiches Herz mit hartem Panzer

Eine bezahlbare Wohnung in Paris ist wie ein Sechser im Lotto. Constance ist aus dem Häuschen, als sie im Netz das Angebot entdeckt, eine Altbauwohnung mit einem älteren Mann zu teilen. Doch kaum steht sie vor der Tür, schlägt er ihr die vor der Nase zu und drückt ihr die Hausordnung in sieben Kapiteln in die Hand. Der frühere Buchhalter empfindet Menschen als Nervensägen, vor allem seinen Sohn Paul – und Paul war es, der die Anzeige ohne Henris Wissen geschaltet hatte. Jemand sollte ein Auge auf die Gesundheit und den Pillenkonsum des Vaters haben.

Die Studentin bietet Henri Paroli, macht es sich im Wohnzimmer gemütlich und spielt verbotenerweise auf dem Klavier seiner verstorbenen Frau. Bald schlägt Monsieur Henri seiner Mitbewohnerin einen Deal vor: Schafft Constance es, seinen Sohn so zu verwirren, dass er die gehasste Schwiegertochter verlässt, erlässt er ihr für ein halbes Jahr die Miete. 

Natürlich pocht unter dem harten Panzer des Misanthropen ein gutes Herz. Er sorgt auch dafür, dass das Mädchen den Traum von einer Karriere als Pianistin nicht aufgibt. Regisseur Ivan Calbérac setzt auf die bewährte Kombination aus Komik und Tiefe, mixt in seinem eigenen, nun für die Leinwand adaptierten Theaterstück Tragik und Humor zu einem Potpourri der guten Laune, bei dem man am Ende alle mag – den mürrischen Griesgram, den unter seiner Fuchtel stehenden Sohn, sogar dessen spießige Gattin und erst recht die junge Frau.

Von Margret Köhler

„Frühstück bei Monsieur Henri“, Regie: Ivan Calbérac, 99 Minuten, FSK 0, Lumiere.

Attentäterin im Zwiespalt

Die Geschichte des Films „Assassin“ spielt im China des neunten Jahrhunderts. Es ist die Zeit der Tang-Dynastie. Nach 13 Jahren kehrt Nie Yinniang in ihre Heimat zurück. Als junges Mädchen wurde sie fortgeschickt, von einer Nonne aufgezogen und in Kampfkünsten geschult. Sie wurde zur Attentäterin ausgebildet und soll nun einen Auftrag ausführen: Ausgerechnet den Mann töten, den sie liebt. Regie führte Hou Hsiao-Hsien, eine Ikone des asiatischen Arthouse-Kinos. Bei den Festspielen in Cannes wurde er im Jahr 2015 für diesen Film mit dem Regiepreis ausgezeichnet.

Lumiere

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