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Die Geschichte des Vogler-Quartetts: „Eine Welt auf 16 Saiten“

Verdammt harte Arbeit Die Geschichte des Vogler-Quartetts: „Eine Welt auf 16 Saiten“

Etwa 35 Prozent aller in einem Jahr geschlossenen Ehen werden derzeit im Laufe von 25 Jahren geschieden. Die vier Herren des Berliner Vogler-Quartetts sind schon seit weit mehr als 25 Jahren zusammengeblieben.

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Berufsalltag von Berufsmusikern: das Vogler-Quartett.

Quelle: Kern

Einbeck/Berlin. Jetzt hat Frank Schneider ein Buch über diese haltbare Beziehung geschrieben.

„Eine Welt auf 16 Saiten“ heißt das Porträt dieses Streich­quartetts. Es ist in vier Teile gegliedert: eine Chronik, ein Abschnitt über Profil und Programm, ein Abschnitt „Alltag und Abend“ und zum Abschluss vier Selbstporträts der Musiker. Das ergibt eine Fülle von Blickwinkeln.

Schneider ist als langjähriger Intendant des Berliner Konzerthauses ein Beobachter, der sich im Musikleben genau auskennt – und zum Glück kein distanzloser Bewunderer. Was das Buch besonders authentisch macht: Schneider stellt nur Fragen, die Musiker antworten detailliert und präzise.

Alle vier stammen aus Familien, in denen Musik eine große Rolle spielt, wie sie in ihren Selbstbiographien erzählen. Cellist Stephan Forck und Bratscher Stefan Fehlandt kommen aus protestantischen Pfarrhäusern mit enger Beziehung zur Musik. Mutter und Vater des Geigers Frank Reinecke waren Lehrer an der Musikschule in Görlitz, der Vater des Geigers Tim Vogler war Violinist an der Komischen Oper Berlin.

Gegründet hat sich das Quartett 1985 an der Musikhochschule Hanns Eisler in Ostberlin. Seine Karriere startete 1986 mit dem Sieg bei einem Quartettwettbewerb in Evian in Frankreich. Da spielten die jungen DDR-Musiker der Jahrgänge 1964 bis 1966 gerade ein Jahr zusammen, waren zum ersten Mal im Westen.

Heute konzertieren sie weltweit, haben unter anderem eine feste Konzertreihe am Konzerthaus Berlin, organisieren Kammermusiktage in Homburg und im irischen Sligo, treten auf den Nordhessischen Kindermusiktagen auf, geben Meisterkurse und lehren an ihrer alten Hochschule sowie in Leipzig, Stuttgart und Dublin.

Der Leser lernt, dass Musikmachen verdammt harte Arbeit sein kann. Für die Einstudierung eines klassischen Quartetts veranschlagt Primarius Tim Vogler „mindestens drei Monate“ und fügt hinzu: „Um es richtig ausreifen zu lassen, brauchen wir aber deutlich länger.“ Einblicke dieser Art in den Berufsalltag von Musikern machen die Lektüre besonders spannend.

Frank Schneider: Eine Welt auf sechzehn Saiten. Gespräche mit dem Vogler Quartett. Beren­berg Verlag Berlin, 380 Seiten, 25 Euro.

Beim 24. Göttinger Literaturherbst stellen am Freitag, 16. Oktober, die Musiker des Vogler Quartetts dieses Buch im Gespräch mit Raliza Nikolov vor, umrahmt mit ausgewählten Kompositionen. Beginn ist um 19 Uhr im Einbecker Alten Rathaus, Marktplatz 6.

Von Michael Schäfer

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