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Die Göttinger Luise Rist hat ihren ersten Roman vorgelegt

„Erlebt, gehört, ausgedacht“ Die Göttinger Luise Rist hat ihren ersten Roman vorgelegt

Luise Rist war Dramaturgin am Deutschen Theater und arbeitete viel mit dem damaligen Intendanten Mark Zurmühle zusammen. Sie schrieb Stücke und gehört zu den Theatermacher Boat People Projekt. Jetzt hat sie ihren ersten Roman vorgelegt: „Rosenwinkel“. Und sie sagt: „Ich habe das Romanschreiben beim Schreiben gelernt.“

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Eine Morgengrauen-Schreiberin: Luise Rist.

Quelle: Heller

Göttingen. Rist erzählt die Geschichte von Frida. Die junge Frau hat gerade ihr Abitur bestanden. Die besten Freundinnen sind erstmal im Ausland, doch Frida weiß nicht, in welche Richtung ihr Leben laufen soll.

Dann begegnet sie Anita. Die ist ein wenig jünger als Frida und sehr ungewöhnlich. Anita lebt mit ihren Eltern im „Rosenwinkel“, einer Straße in einer Gegend, die „nicht ganz ohne ist“, wie Fridas Mutter meint. Anita und ihre zahlreichen Verwandten sind Roma. Frida lernt die Familie kennen, die aus Bosnien stammt, der Vater ursprünglich aus dem Kosovo.

Sie taucht ein in dieses ihr fremde Leben – bis ihre neuen Freunde abgeschoben werden. Frida reist ihnen hinterher.

Sie habe kein Buch über Roma geschrieben, sagt Rist, sondern „über eine junge Frau, die ein Mädchen kennenlernt, das zufällig Roma ist“. Und: „Ich hatte den Stoff schon lange im Kopf.“

Ausgangspunkt für das Buch war die Frage der jungen, in  Göttinger geborenen Regisseurin Julia Fischer, ob sie nicht ein Drehbuch schreiben wolle, erzählt Rist. Das Projekt kam nicht zustande, doch der Roman. „Die Familie, die für mich die Inspiration war, lebt noch in Göttingen, in Duldung“, sagt die 45-Jährige. Doch jetzt droht die Abschiebung – nach 17 Jahren in Deutschland.

Rist war bereits als Autorin beteiligt an dem Stück „Rosenwinkel“, das die Akteure von Boat People Projekt mit Roma aus Südniedersachsen 2012 auf die Bühne gebracht haben. Seitdem kennt sie die Roma-Familie. Heute sagt sie: „Das sind inzwischen schon Freunde geworden.“

Die Geschichte in ihrem Roman allerdings ist fiktiv – „erlebt, gehört, ausgedacht“, sagt Rist. „Als ich den Plot im Kopf hatte, habe ich viele Menschen in Göttingen mit Bosnien-Erfahrungen getroffen.“

Schon lange habe sie Prosa schreiben wollen, berichtet Rist. Doch während ihrer Zeit beim Theater sei dafür kein Platz gewesen. Und sie weiß inzwischen: „Als Buchautor musst du deinen Rhythmus finden.“ Sie sei ein Morgengrauen-Schreiber, doch es könne passieren, „dass du von acht bis eins da sitzt, und am Ende ist nichts auf dem Papier“. Doch mit der Zeit habe sie immer ein bisschen mehr gemerkt, dass es voran geht.

Am Ende dann war sei sie wie befreit gewesen: „Eine Geschichte ist schon mal erzählt.“ Jetzt soll das Schriftstellerleben aber auch weitergehen. „Ich will unbedingt wieder ein Buch schreiben. Ich habe schon zwei Stoffe im Kopf.“ Und worum werden sich die Geschichten drehen? „Die eine hat mit Flucht zu tun. Die andere gar nicht“, lässt sie sich entlocken. Ihren ersten Roman sieht sie übrigens als „ein ganz inniges Plädoyer für die archaische Welt der Roma“.

Luise Rist: „Rosenwinkel“, cbt-Verlag, 352 Seiten, 9,99 Euro.

Rist stellt ihr Buch am Freitag, 2. Oktober, um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Calvör, Jüdenstraße 23 in Göttingen, vor. Bei Festival Göttinger Literaturherbst liest sie daraus am Dienstag, 13. Oktober, um 7.50 Uhr in der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, Schulweg 22 in Göttingen, am selben Tag um 11.30 Uhr im Eichsfeld-Gymnasium, Auf der Klappe 39 in Duderstadt.

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