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Die Göttinger Pianistin Julia Bartha mit Werken von Allen Shawn

Ideale Botschafterin Die Göttinger Pianistin Julia Bartha mit Werken von Allen Shawn

Eine deutsche Pianistin ist fasziniert von der Musik eines ihr unbekannten US-amerikanischen Komponisten. Sie schreibt ihm einen Brief, er antwortet. Später telefonieren sie miteinander, skypen, schließlich lernen sie sich persönlich kennen. Hörbares Zeugnis dieser interkontinentalen musikalischen Beziehung ist die neue CD, in der die Göttinger Pianistin Julia Bartha Klavierwerke von Allen Shawn vorstellt.

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Mit beeindruckender Ausdrucksfülle: die Pianistin Julia Bartha.

Quelle: Beck

Göttingen. Shawn, Jahrgang 1948, begann schon als Zehnjähriger zu komponieren. Zu seinen Kompositionslehrern gehörten Leon Kirchner und Nadia Boulanger.

Heute unterrichtet er als Professor für Komposition am Bennington College im US-Staat Vermont.

Shawn ist kein radikaler Avantgardist, aber ein faszinierender Ausdruckskünstler, wie diese CD in ihren vielfältigen Facetten deutlich macht. Mal perlen raffinierte, glasklare Melodien, etwa im dritten der „Five Preludes“ aus dem Jahr 1994, mal ist sein Ton verführerisch jazznah, wie die „Four Jazz Preludes“ aus dem Jahr 1980 zeigen.

Wobei Shawn nicht etwa bloß unterhält, sondern durchaus auch widerspenstig-sperrige Passagen untermischt, die beim Versuch, sich bequem im Takt zu wiegen, Widerstand leisten. Eher meditativ gehalten sind die drei „Recollections“, die Shawn 1998 für Daniel Eppstein schrieb.

Musik ist ungeheuer abwechslungsreich

Eine ausgewachsene Klaviersonate gehört zum Programm der CD. Shawn hat sie, wie im informativen Booklet nachzulesen ist, 2009 heimlich für Bartha komponiert. Zur Uraufführung dieser Sonate fuhr die Pianistin im Herbst 2010 an das Bennington College und lernte dabei Shawn erstmals persönlich kennen.

Sehr spannend und gestaltenreich ist diese Sonate, sie hat trickreiche rhythmische Passagen, gut dosierte Ostinati, einen traumhaft zarten, überirdische Ruhe ausstrahlenden langsamen Satz und ein munteres, stellenweise perpetuum-mobile-artiges Finale. Fünf weitere kürzere Stücke komplettieren den Einblick in Shawns Klaviermusik.

Über ihre eigenen Eindrücke der Musik Shawns hat Bartha kürzlich in einem Interview gesagt: „Seine Musik fasziniert mich wegen ihrer stilistischen Vielfalt und der vielfältigen Klangfarben. Die Musik ist ungeheuer abwechslungsreich und folgt keinem starren Schema: immer wenn man glaubt, ah, so macht er das, dann geht es genau anders weiter. Seine Musik kann melancholisch sein, manchmal aggressiv, teilweise ist sie jazzig. Es gibt keine Muster, denen er folgt.“

Dem ist nichts hinzuzufügen – außer der Feststellung, dass Bartha diese Musik mit perfekter Technik, feinsten Abstufungen in der Dynamik und mit einer beeindruckenden Ausdrucksfülle gestaltet. Sie ist eine ideale Botschafterin der Musik Shawns, der ihr im Booklet „tiefes Verständnis“ und eine „gefühlsmäßige Übereinstimmung“ attestiert. Tatsächlich: Das hört man.

Von Michael Schäfer

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