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Das läuft ab Donnerstag in Göttingens Kinos

Ab 6. April: Von Tiger Girl bis Schlümpfe Das läuft ab Donnerstag in Göttingens Kinos

Geschichten aus dem Berliner Drogenmilieu, blaue Wichte auf Tour, und rasante Action stehen diese Woche auf dem Programm. Das sind die Kinostarts der Woche in Göttingen.

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Klopfen mit Holz: Vanilla (Maria-Victoria Dragus, links) und Tiger (Ella Rumpf) zweckentfremden ein Sportgerät.

Quelle: Constantin

Tiger Girl

FSK 16, Cinemaxx Göttingen

Drei betrunkene, aufdringliche Typen lungern an einer Berliner UBahn-Station herum, einer hält einen Baseballschläger in der Hand. Eine junge Frau taucht auf, mutterseelenallein. Maggie (Maria-Victoria Dragus) will sich unauffällig davonmachen. Aber die Männer haben sie schon erspäht.
Maggie soll ihr Opfer sein heute nacht. Dem Kinozuschauer zieht sich der Magen zusammen. Man weiß, wie so etwas enden kann. Nein, weiß man nicht, jedenfalls nicht in Jakob Lass’ wildem Film „Tiger Girl“. Denn da taucht auch schon die Titelheldin wie aus dem Nichts auf, tritt und boxt, bis die drei zu Boden sacken. So etwas kennt man sonst nur aus Superheldenfilmen. Und Maggie? Hat versuchsweise auch mal den Baseballschläger ausprobiert, der vor ihre Füße gerollt war. Dann läuft sie lächelnd hinter ihrer Retterin Tiger (Ella Rumpf) her, die auf einem Parkplatz mit ein paar Drogenjungs in einem schrottreifen Lastwagen haust.
Bis eben war Maggie noch eine, die sich herumdirigieren lassen hat. Vom Polizeiausbilder in der Aufnahmeprüfung, die sie beim Bockspringen verpatzte, von der Tussi im Angeber-Geländewagen, die ihr die Parklücke wegschnappte, von dem Polizeianwärter (mit bestandener Prüfung), der sie als leichte Beute in der Bar aufgabelte. Immer hat sie höflich zurückgelächelt, egal wie mit ihr umgesprungen wurde. Aber damit ist jetzt Schluss. Von nun an heißt Maggie „Vanilla Killer“, wie Tiger sagt. Von nun an nimmt sich Vanilla, was sie vom Leben will. Von nun an lässt sie ihre Wut raus.
Selten hat ein Regisseur den Akt einer weiblichen Selbstermächtigung so schwungvoll und so selbstverständlich durchgezogen. Hier wird nicht groß psychologisiert. Hier passiert’s einfach.
Bereits Lass’ gefeiertes „Love Steaks“-Experiment über eine unkonventionelle Liebe zwischen zwei Hotelangestellten wirkte wie eine Energieschub fürs deutsche Kino, jetzt legt er nach. Er hat ein eigenes „Fogma“-Regelwerk ersonnen, das nicht zufällig (wenn auch mit ironischem Unterton) nach dem dänischen „Dogma“ klingt, das Lars von Trier in den Neunzigern berühmt machte. So wie bei dem Dänen soll auch bei Lass das Reglement vor allem Freiheit beim Filmemachen garantieren und vor falschen Kompromissen schützen. Hier soll nichts weichgespült und abgewogen werden. Hier werden die üblichen dramaturgischen Leitplanken des Filmemachens abgebaut. Lass und sein eingeschworenes „Fogma“-Team beanspruchen sogar für sich, ein eigenes Genre erfunden zu haben: den „Martial Arthouse Film“.
So eine Revoluzzerhaltung kann ganz schnell zur Attitüde werden, auch von Trier war davor nicht gefeit. Momentan aber scheint Lass eher dem System seine Bedingungen aufzuerlegen als umgekehrt: „Tiger Girl“ entstand – anders als „Love Steaks“ – mit Filmfördergeld, der Film wurde bei der diesjährigen Berlinale gefeiert, und die mächtige Constantin gibt Rückendeckung. Trotzdem hatte Jakob Lass die letzte Entscheidungsgewalt.
Vanillas neues Freiheitsgefühl hat Folgen. Die beiden maßen sich ganz machohaft jene Autorität an, die sie gleichzeitig verachten. Sie „kontrollieren“ Parkbesucher und männliche Passanten auch gern mal bis auf die nackte Haut, wenn diese einen knackigen Hintern haben. Was als Köpenickiade beginnt, nimmt schon sehr bald üble Züge an. Die Gewalt eskaliert. Und daran ist Vanilla schuld, die anders als Tiger auch nur mal so aus reinem Frust zuhaut. Es fällt nicht schwer, in ihr eine Unzufriedene zu sehen, die sich nun an der Gesellschaft rächt. So eine Abrechnung lässt sich ebenso mit einem Wahlkreuz bei einer rechten Partei wie mit einem Prügel erledigen. Eine politische Dimension hat dieser furiose Film also auch.
Zugleich ist „Tiger Girl“ aber ein Beleg dafür, dass das vielfach verkrustete deutsche Kino durchlässiger ist, als man gemeinhin glaubt – so wie es auch Sebastian Schipper mit dem in nur einer Einstellung gedrehten Bankräuber-Film „Victoria“ (2015) und jüngst Maren Ade mit ihrer Vater-Tochter-Tragikomödie „Toni Erdmann“ bewiesen haben.

Von Stefan Stosch

Die Schlümpfe - das verlorene Dorf

FSK 0, Cinemaxx Göttingen, Schiller Lichtspiele Hann. Münden, Feilenfabrik Duderstadt

Früher steckten die blauen Wichtel in Ferreros Überraschungseiern, noch früher erzählten sie dem bärtigen Vader Abraham singend, dass sie aus Schlumpfhausen kämen, und noch viel früher (1958!) waren sie Sidekicks in der lustigen Comicreihe „Johann und Pfiffikus“. Inzwischen sind sie Kinostars geworden. Der dritte Film läuft an. Weibliche Schlümpfe in einer geheimen Schlumpfsiedlung müssen vor Zauberer Gargamel bewahrt werden – Christoph Maria Herbst lässt die dünnen Stimmchen all der Youtuber im Synchroteam vergessen. sche

Free Fire

FSK 16, Cinemaxx Göttingen

Massachusetts, 1978: In einer abgeschiedenen Lagerhalle in der Nähe von Boston soll ein großer Waffendeal über die Bühne gehen: Justine (Brie Larson) ist auf besonders heiße Ware spezialisiert und fungiert als Mittelsfrau zwischen den irischen Gangstern Chris (Cillian Murphy) und Frank (Michael Smiley) sowie den zwielichtigen Geschäftsmännern Ord (Armie Hammer) und Vernon (Sharlto Copley). Unter größter Anspannung nimmt die Transaktion ihren Lauf. Doch dann kommt es zu einem Missverständnis. Alle Beteiligten fürchten, übervorteilt zu werden und einer von ihnen kann den Finger am Abzug nicht ruhig halten. Er eröffnet das Feuer - und damit beginnt eine epische Schießerei, bei der die Kisten voller Waffen, die bis eben noch Ware waren, natürlich gleich zum Einsatz kommen und Allianzen und Zweckbündnisse ebenso schnell eingegangen wie wieder zunichte gemacht werden.

Nichts zu verschenken

FSK 0, Cinemaxx Göttingen

Gegen den Pfennigfuchser aus „Nichts zu verschenken“ hat der „Geizige“ von Molière die Spendierhosen an, dabei ist François Gautier auf den ersten Blick nett. Aber wenn es ums Geld geht, heckt der Violinist am Konservatorium immer neue Sparpläne aus. Warum Licht, wenn draußen die Straßenlampe brennt, und warum einkaufen, wenn man sich am Geburtstagsbüfett eines Kollegen vollfuttern kann, ohne einen Cent für das Geschenk zu zahlen.
Aus heiterem Himmel steht seine 16-jährige Tochter (Noémie Schmidt) vor der Tür, von deren Existenz er nichts ahnte, will bei ihm einziehen. Und die neue Cellistin signalisiert persönliches Interesse. Das bringt ihn auf die verrückte Idee, die Schöne zum Essen einzuladen. Ein Desaster, lässt ihn doch der Preis für Krustentiere und Champagner in Panik verfallen. Dany Boon, seit „Willkommen bei den Sch’tis“ Publikumsliebling, spielt sein komisches Talent aus. Wenn Pannen und Peinlichkeiten überhandnehmen, rettet er die nicht immer fein gestrickte Komödie vor dem Absturz. mkö

Fast & Furious 8

FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Feilenfabrik Duderstadt

Können Dom (Vin Diesel) und seine Freunde, die er Familie nennt, endlich ein normales Leben haben? Nach dem Rückzug von Brian und Mia hat er sich mit Letty (Michelle Rodriguez) in die Flitterwochen verabschiedet und die restliche Crew ist von allen Vergehen aus der Vergangenheit freigesprochen worden. Doch dann taucht die mysteriöse Cyber-Terroristin Cipher (Charlize Theron) auf, verführt Dom und macht ihn zu ihrem Partner bei einer Reihe von Verbrechen. Mr. Nobody (Kurt Russell) bittet die Gang um Letty, Roman (Tyrese Gibson), Tej (Ludacris) und Co., zu helfen. Gemeinsam mit Hobbs (Dwayne Johnson), der wegen Doms Verrat im Knast sitzt, und Todfeind Deckard Shaw (Jason Statham) müssen sie bei einer Jagd rund um den Globus eine Anarchistin stoppen, die Chaos in die Welt bringen will. Und wichtiger: Sie müssen den Mann nach Hause holen, der sie zu einer Familie machte…

Die andere Seite der Hoffnung

FSK 6, Lumière Göttingen

Der junge Syrer Khaled (Sherwan Haji) immigriert als blinder Passagier in die finnische Hauptstadt Helsinki. Dort beantragt er Asyl, ist aber skeptisch, was die Erfolgsaussichten des Antrags angeht. Als sein Asylgesuch wie erwartet abgelehnt wird, reist Khaled jedoch nicht in seine kriegsgebeutelte Heimat zurück, sondern bleibt ganz einfach illegal in Finnland. Eines Tages trifft er so auf den ehemaligen fliegenden Händler Wikström (Sakari Kuosmanen), der kürzlich sein Geschäft aufgegeben und seine Frau verlassen hat und nun Besitzer eines Restaurants ist. Wikström stellt Khaled als Putzkraft und Tellerwäscher an, besorgt ihm gefälschte Aufenthaltspapiere und für eine Weile scheint alles gut zu sein. Doch schon bald droht die harte Realität den beiden Männern einen Strich durch die Rechnung zu machen…

Die Taschendiebin

FSK 16, Lumière Göttingen

Korea in den 1930er Jahren, während der Besatzung durch die japanischen Invasoren: Die junge Sookee (Kim Tae-Ri) ist eine gerissene Taschendiebin, die sich von der reichen japanischen Erbin Hideko (Kim Min-Hee) als Dienstmädchen einstellen lässt. Sookee zieht auf das abgelegene Anwesen, auf dem Hideko völlig zurückgezogen mit ihrem Onkel Kouzuki (Jin-Woong Cho) lebt. Was Hideko allerdings nicht weiß: Sookees Anstellung als Dienerin ist Teil eines perfiden Plans, den sie zusammen mit einem Heiratsschwindler (Jung-Woo Ha), der sich als Graf Fujiwara ausgibt, ausgeheckt hat. Der falsche Graf und das Dienstmädchen planen, die junge Erbin um ihr gesamtes Vermögen zu erleichtern. Und zunächst läuft alles wie am Schnürchen – bis ganz unerwartet Sookee und Hideko echte Gefühle füreinander entwickeln…
Adaption des Kriminalromans "Solange du lügst" (Originaltitel: "Fingersmith") von Sarah Waters.

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Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Fotografie-Ausstellung „In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers