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Besondere Kinder und mehr

Die Kinostarts ab Donnerstag, 6. Oktober Besondere Kinder und mehr

Trickfilme für Erwachsene, Spielfilme für Kinder und allerlei Dramatisches: Die Kinostarts ab Donnerstag, 6. Oktober, sind so vielfältig wie die Regisseure. Nur der neue Film von Tim Burton, "Die Insel der besonderen Kinder", enttäuscht.

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Ahoi-Brause und verschwundene Bälle

Ein unbeschwerter Moment auf der Insel: Held Jake (Asa Butterfield) und seine beste Freundin Emma (Ella Purnell), die stets wegzufliegen droht.

Quelle: dpa

Ein Herz für Außenseiter:  „Die Insel der besonderen Kinder“

Von Martin Schwickert

Etwas Besonderes zu sein – das ist nicht nur, aber vor allem für Jugendliche ein wichtiges Gefühl. Während die Pubertät den Körper umgestaltet und die Hormone bislang unbekannte Gefühle zutage fördern, wird auch die eigene Identität neu definiert. Dabei ist die Sehnsucht dazuzugehören – zu einer Clique, zur Klassengemeinschaft, zur Gesellschaft, und letztlich zur Welt – genauso groß wie das Bedürfnis nach unbedingter Abgrenzung vom Mainstream, zu dem, was vermeintlich alle machen.

Der Wunsch also, in seiner merkwürdigen und bemerkenswerten Einzigartigkeit erkannt und geschätzt zu werden, ist eine treibende Kraft im Jugenddasein. Diese Erkenntnis haben sich in den vergangenen Kinojahren zahllose Jugendbuch-Verfilmungen und Comic-Adaptionen erfolgreich zunutze gemacht. Kaum eine junge Hauptfigur, die nicht eine besondere Gabe hat oder auf irgendeine Weise auserwählt erscheint. Harry Potter überlebt als Einziger den Todesfluch des dunklen Magiers Voldemort und qualifiziert sich dadurch als begnadeter Zauberlehrling, der gegen den Finsterling ins Feld zieht. Peter Parker mutiert durch einen Spinnenbiss vom schüchternen Schüler zum omnipotenten Spider-Man. Als „Unbestimmte“, die nicht in die gesellschaftlich vorgeschriebenen Kategorisierungen passt, wird die junge Tris in der Science-Fiction-Filmserie „Die Bestimmung“ zur Kämpferin gegen ein postapokalyptisches Kastensystem.
Den Spagat zwischen Individualismus und Kollektivität schafft schließlich die Reihe „X-Men“ um den jungen Professor Charles Xavier (James McAvoy), in der illustre Mutanten ihre jeweiligen besonderen Fähigkeiten gemeinsam im Kampf gegen Ausgrenzung bündeln. Mit seinem neuen Film „Die Insel der besonderen Kinder“ nach dem gleichnamigen Fantasyroman von Ransom Riggs springt nun Tim Burton auf diesen Zug auf. Fairerweise muss man hier darauf verweisen, dass Burton in den mehr als vierzig Jahren seines filmischen Schaffens stets ein Herz für Außenseiter hatte. In Filmen wie „Edward mit den Scherenhänden“, „Ed Wood“ oder zuletzt „Frankenweenie“ stellte er Exzentriker und Nonkonformisten ins Zentrum.

Burton ist damit als Regisseur für diesen Stoff sicherlich ideal besetzt, aber leider kann die Geschichte mit den kreativen Standards des Filmemachers nicht mithalten. Als Mischung zwischen „Harry Potter“ und „X-Men“ präsentiert sich die Story um den jungen Jake (Asa Butterfield), der nach dem Tod seines geliebten Großvaters (Terence Stamp) von Florida nach Wales zu jenem Kinderheim reist, in dem der Opa seine ungewöhnlichen Jugendjahre verbrachte. Dessen lebendige Geschichten von wundersamen Mitschülern mit besonderen Fähigkeiten klingen dem Enkel noch im Ohr, als er vor der Ruine des Heimes steht, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Aber es dauert nicht lange, da findet Jake den Weg in eine Zeitschleife, in der das Heim und ihre sonderbaren Bewohner weiter existieren. Jeden Tag, wenn der deutsche Bomber am Himmel erscheint, dreht die Heimleiterin Miss Peregrine (wunderbar verschroben: Eva Green) ihre Uhr zurück, verhindert das Unglück und sorgt dafür, dass ihre Schützlinge in Sicherheit immer ein und denselben Tag verleben.
So könnte es weitergehen, wenn nicht der böse Barron (Samuel L. Jackson) hinter den Zeitschleifenbewohnern her wäre. Der Verzehr von deren Augäpfeln soll ihm und seinen Monsterfreunden ewiges Leben schenken. Im hübsch schaurigen Burton-Stil liegen denn auch die augenlosen Leichen am Wegesrand. Man erinnert sich bei diesem schlimmen Anblick an Paul Berrys morbiden Gothic-Trickfilm „Der Sandmann“ von 1991, in dem ein kleiner Junge nicht schlafen gehen will und im Bettchen vom vogelartigen Sandmann um seine Augen bestohlen wird, die dieser im Sandmannnest an seine Jungen verfüttert.  E. T. A. Hoffmann lässt in beiden Fällen grüßen.
In vielen Details des Films erkennt man die skurrile Gestaltungsfreude des exzentrischen Filmemachers Burton wieder: der rostige, veralgte Passagierdampfer, der vom Meeresgrund hervorgeholt wird, die Skelette, die wiederbelebt als Kamikaze-Soldaten gegen die Bösewichte ankämpfen, die gesichtslosen Monster, die handgefertigt und eben nicht zusammengepixelt wirken.

Aber die sichtbare Liebe zum Detail kann hier die fehlende Originalität der Geschichte nicht wettmachen. Zu deutlich wird in dem Drehbuch von Jane Goldman („X-Men: Erste Entscheidung“, „Kingsman“), dass hier die Versatzstücke aus erfolgreichen Young-Adult-Adaptionen recycelt werden. Das merkt man vor allen den jungen Protagonisten an, die in der Luft schweben, Pflanzen in Sekundenschnelle heranwachsen lassen oder mit einem zweiten Gebiss am Hinterkopf essen können, aber darüber hinaus kaum charakterisiert werden.

Besonders blass bleibt  der junge Held, der in die Fantasywelt hineintaucht, ohne wirkliche Konflikte ausleben zu müssen. Der Plot bewegt sich trotz verschlungener Zeitschleifenlogik im konventionellen Gut-gegen-Böse-Modus hin zum vorhersehbaren Showdown. Das alles hat man mindestens schon einmal und über weite Strecken auch deutlich besser gesehen. Und das ist nun wahrlich ein Satz, den man in einer Tim-Burton-Filmkritik zuvor noch nie schreiben musste.
„Die Insel der besonderen Kinder“,  Regie: Tim Burton,  127 Minuten, FSK 12
Tim Burton, Edward und das Kindliche

Ein ewiges Kind ist er, und vermag die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen. Selbst Tim Burtons düstersten Filmen merkt man das an.
Als er seinen ersten Kurzfilm drehte, war der 1958 geborene Tim Burton selbst noch ein Kind. „The Island of Doctor Agor“ war 1971 eine eigenwillige Version von H. G. Wells Science-Fiction-Geschichte des Kreaturenschöpfers Dr. Moreau. Der Held seines ersten Spielfilms „Pee Wees irre Abenteuer“ (1985) war ein optimistischer, Kind gebliebener Mann, der inmitten von viel Spielzeug in einem Feuerwehrhaus lebte und dem sein geliebtes Fahrrad (von der Optik her ein Schwinn-Rad aus den Vierzigerjahren) abhandenkommt. Bei Disney hatte Burton zuvor an den Trickfilmen „Cap und Capper“ (1981) und „Taran und der Zauberkessel“ (1985) gearbeitet und seinen Kurzfilm „Vincent“ durchgesetzt, die Geschichte eines Jungen, der sein wollte wie der Gruselschauspieler Vincent Price. In „Edward mit den Scherenhänden“ (1990) spielte Price selbst mit. Johnny Depp (Foto)war die kindlich-unschuldige Titelfigur in diesem Märchen, das bis heute Burtons Liebling unter seinen eigenen Werken ist.

Ein reiner Kinderfilm war 2005 Burtons Remake von „Charlie und die Schokoladenfabrik“ nach einem Kinderbuchklassiker von Roald Dahl. Alle Schokolade und alle Riesenlutscher im Film waren echt. Traurig bei all dem bunten Bombast: Es war der letzte Film der Produktionsfirma von Brad Pitt und Jennifer Aniston vor deren Scheidung.

                               

Zurück zwischen Albbäumen: In „Blair Witch“

Von Matthias Halbig

Heather, Josh und Mikey verliefen sich im Wald. Und sind unvergessen: Wie sie erst spotten über das Böse von Burkittsville (vormals Blair), an das sie nicht glauben, über das sie aber einen Film drehen wollen. Wie dann das erste unwohle Wörtchen „sonderbar“ fällt. Wie sie einander beruhigen wollen, dass im tollen Amerika echter Spuk unmöglich sei, oder? Und wie dann Süden plötzlich nicht mehr Süden ist, weil sie gestrandet sind in einer Art Kammer, die nur noch wie die Welt aussieht, in einem unsichtbaren Netz, in dessen Zentrum die furchtbarste aller Spinnen auf sie wartet.

Daniel Myricks und Eduardo Sánchez’ „Blair Witch Project“ war 1999 nicht nur irgendein Hexenwerk, der Schrecken kroch auf den Zuschauer zu, drang in ihn ein und setzte sich mit seiner leisen Pointe in ihm fest. Ein unangenehmer, feiner Horror, der 1999 das Found-Footage-Kino begründete – Filme, die das vermeintliche Rohmaterial angeblich verschwundener Filmemacher öffentlich machen.

Adam Wingards „Blair Witch“ schlich sich lange unter dem Tarnnamen „The Woods“ an uns heran, bis seine Maske als „Blair Witch Project“-Sequel  spät gelüftet wurde. Heathers jüngerer Bruder James (James Allen McCune) macht sich darin mit der Filmstudentin Lisa (Callie Hernandez) und zwei Freunden 17 Jahre später auf die Suche nach seiner  Schwester, die er in einem Spukhausvideo im Internet erkannt zu haben glaubt. Sie ziehen mit zwei jungen Fremdenführern an jenen Ort, an dem unheimliche Zweigmännchen in den Bäumen baumeln und Stimmen in der Nacht gehört werden, wo nur Schweigen sein dürfte, allenfalls der Ruf von Käuzchen und Konsorten. Bald ist da nur noch der Wille zur Flucht, aber kein Waldweg mehr. Kein Ausweg.

Déjà-vu? Und wie! Eine ausreichend große, klassische Horrorfilmgruppe, deren Teilnehmer viel zu gut aussehen, um wahr zu sein, ist da mit Kopfkameras und einer Drohne im Gepäck bereit zum Dezimiertwerden. Nur funktioniert im Genre des Greulichen das ewigselbe ja Gott sei Dank verlässlich gut, wenn man sich nur darauf versteht, eine glaubwürdige Atmosphäre der Verunsicherung zu erzeugen. Regisseur Wingard („You’re Next“) schafft das: Er lässt seine Truppe der Todgeweihten plausibel verzweifeln und ihre  Panik, Klaustrophobie und Verlorenheit im Zuschauer widerhallen. Alle Gewissheiten sind bald perdu: Die Zeit bläht und faltet sich, es wird nicht mehr Tag, Orte verändern ihr Aussehen. Der Wald lebt, überhaupt scheint der ganze Wald die Hexe zu sein, das Spukhaus des ersten Films, das Recherchen zufolge gar nicht existieren dürfte, kommt einem vor wie ihr hungriger Schlund. In der zweiten Hälfte bricht ein Orchesterwerk des Terrors los – es plärrt, schnattert, kreischt, dass alle Ohren zu Nasen werden wollen.

In „Blair Witch Project“ hatte man vor lauter Bäumen die Hexe nicht gesehen. Was man nun in „Blair Witch“ alles sieht, soll hier verschwiegen bleiben, angeblich hat die alte böse Frau jenes katholischen US-Staats Maryland Mittel und Wege, sich spoilernder Schreiberlinge zu erwehren. Nur so viel: Mag der erste Film auch unerreicht bleiben, so ist Wingards weniger subtiler Nachfolger doch ein solider, zuzeiten exquisiter Angstmacher. In einem Moment springt man  aus dem Sitz, um im nächsten dahinter abtauchen zu wollen. Und in der Nacht nach dem Kinobesuch geht es einem wie einst der armen Heather. Man will die Augen weder offen halten noch schließen. Überhaupt kriegt man seinen Pyjama nicht über die Gänsehaut.  
„Blair Witch“, Regie: Adam Wingard,  89 Minuten, FSK 16

Leben, lieben und Abschied nehmen:  Das Drama „Jonathan“

Von Jörg Brandes
Die Filme „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ machten Jannis Niewöhner zum Teenie-Schwarm. Der Jungstar  beherrscht aber auch realitätsnähere Rollen als die des Zeitreisenden Gideon in den Fantasy-Farbenspielen. Sein Jonathan hat in Piotr J. Lewandowskis gleichnamigem Film ernste Probleme.

Aufopferungsvoll kümmert sich der junge Mann  um seinen an Krebs dahinsiechenden Vater Burghardt (André Hennicke). Doch dieser lässt kaum Nähe zu, weicht auch Jonathans Fragen nach dem Tod der Mutter beharrlich aus. Zudem hat er ein angespanntes Verhältnis zu seiner Schwester Martha (Barbara Auer), mit der sein Sohn den familiären Hof bewirtschaftet. Entlastung bei der Krankenpflege bekommt Jonathan durch die Hospiz-erfahrene Anka (Julia Koschitz), die ihn auch mal auf andere Gedanken bringt. Burghardts plötzlich auftauchenden alten Freund Ron (Thomas Sarbacher) sieht Jonathan hingegen als Eindringling.

Mutig packt der Regisseur schwere Themen in seinem Kinodebüt an. Es handelt vom Sterben und – was der Zuschauer mit Rons Ankunft alsbald ahnt– von unterdrückter Homosexualität. Letztere ist auch der Schlüssel zu einem Familiengeheimnis, dessen Lüftung hier nicht als Coup erscheint. Dem Regisseur geht es mehr um seine Charaktere.

Die verfahrene Situation, in der sich das Familientrio vor Ankas und Rons Auftauchen befindet, mag Lewandowski etwas zu ausführlich schildern. Aber das ist vergessen, sobald der schwierige Prozess des Abschiednehmens beginnt, aus dem Jonathan gestärkt hervorgeht. Überzeugend stellen sich die Darsteller ihren  Rollen. Der ausführlichen Sexszene zwischen Thomas Sarbacher und dem an Schläuchen hängenden André Hennicke auf dem Krankenbett hätte es allerdings gar nicht bedurft.  
„Jonathan“, Regie: Piotr J. Lewandowski,  99 Minuten, FSK 12

Helden unterm Küchenmesser: „Sausage Party“

Von Ernst Corinth

Endlich mal ein Animationsfilm nur für Große: In „Sausage Party“ geht es um Sex. Und um ein Gemetzel, das sich täglich in den Küchen der Welt abspielt. Opfer sind Lebensmittel, hier beseelte Wesen, die sprechen und (feuchte) Träume haben. In Supermärkten warten sie  auf Käufer, die sie für Götter halten. Von ihnen erhoffen sie sich ein gutes Leben.

Eine lustige Schnapsidee: Im Mittelpunkt des von Greg Tiernan und Conrad Vernon inszenierten Films steht das  ungewöhnlichste Liebespaar der Kinogeschichte: das Würstchen Frank und seine Liebste, das Brötchen Brenda (Katrin Fröhlich). Als sie eines Tages gemeinsam gekauft werden, glauben sie an eine glorreiche Zukunft. Doch in Käufers Küche angekommen, erfahren sie die schreckliche Wahrheit. Aber wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Und das trifft eben auch auf Würstchen zu. Würstchen wie du und ich.
„Sausage Party – Es geht um die Wurst“, Regie: Conrad Vernon, Greg Tiernan,  89 Minuten, FSK 16

Ein Moment ändert alles: Asil Özges „Auf einmal“

Von claudia Palma

Nach der Party das Grauen: In der Wohnung des Bankers Karsten liegt eine junge Frau reglos auf dem Teppich. Die Clique ist schon weg, Karstens Freundin Laura (Julia Jentsch) auf Geschäftsreise. Statt einen Krankenwagen zu rufen, läuft er zu einer Klinik in der Nähe. Sie ist zu, Zeit vergeht, dann erst wählt er den Notruf. Warum er so gehandelt hat, weiß er später nicht. Freunde, Eltern, Arbeitskollegen sind indes verunsichert.Ist Karsten so ahnungslos, wie er tut?

Asil Özges Psychothriller „Auf einmal“ zeigt, wie sich Misstrauen breitmacht. Laura zieht aus, der Witwer der Verstorbenen reicht Klage ein und der Bankchef verbannt den Verdächtigen in ein Kellerbüro. Auch der Zuschauer ist unsicher, fühlt zwar mit dem Mann, erlebt ihn aber immer noch als zu selbstgefällig. Sebastian Hülk spielt das fabelhaft: introvertiert, undurchschaubar. Und auch bei der Wahl des Drehorts hat die Regisseurin aus Istanbul in ihrem ersten deutschsprachigen Spielfilm alles richtig gemacht. Die Kleinstadt Altena im Sauerland, eingezwängt in einem engen Tal, ist ein idealer Schauplatz. Kameramann Emre Erkmen findet klaustrophobische Bilder in Rostrot, vom Himmel ist nie etwas zu sehen.

Als sich herausstellt, woran die Tote starb, entspinnt sich eine Rachegeschichte, die es in sich hat. Özge gelingt ein überraschendes Finale, das viel von den Mechanismen der Macht erzählt.  
„Auf einmal“, Regie: Asil Özge, 112 Minuten, FSK 12

Risse zwischen Freunden: „Meine Zeit mit Cézanne"

Von Margret Köhler
Die beiden sind Ikonen der französischen Kulturgeschichte: der spät zu Ruhm gekommene Maler Paul Cézanne und der Schriftsteller Émile Zola. Regisseurin Danièle Thompson interessiert sich in „Meine Zeit mit Cézanne“ vor allem für ihre Freundschaft und Entfremdung.

Der Bankierssohn Cézanne (Guillaume Gallienne) und der bei seiner verwitweten Mutter lebende Zola (Guillaume Canet) kannten sich seit Kindesbeinen, der eine wuchs ohne materielle Sorgen auf, der andere wollte raus aus der Armut. Felsenfest glauben sie, nichts könne sie jemals trennen. Bis der inzwischen erfolgreiche Zola 1886 den Roman „Das Werk“ veröffentlicht und von einem gescheiterten Maler schreibt – unverkennbar Cézanne. Dieser Bruch wird nie mehr zu kitten sein.

Guillaume Canet  und Guillaume Gallienne verleihen ihren Figuren starke Präsenz (trotz angeklebt wirkender Bärte). In Erinnerung bleibt vor allem diese einzigartige Stimmung in der Provence, kein typisches „Cézanne-Licht“, sondern ein betörendes Licht, das die sanft hügelige Landschaft wie ein hingetupftes Gemälde erscheinen lässt.   
„Meine Zeit mit Cézanne“, Regie: Danièle Thompson, 113 Minuten, FSK 0

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