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Ganz großes Tennis

Die Kinostarts ab dem 19. Oktober Ganz großes Tennis

Ein großer Moment Tennisgeschichte im Drama „Borg/McEnroe“, Michael Fassbenders neuer Nordic-Noir-Thriller „Schneemann“ und die Zerstörung Dubais in "Geostorm": Das sind die neuen Kinostarts in Göttingen und der Region ab Donnerstag, 19. Oktober.

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Die Schauspieler Shia LaBeouf als John McEnroe und Sverrir Gudnason als Bjoern Borg in dem Film "Borg/McEnroe"

Quelle: epd

Kühler Blonder versus Heißsporn

Mit elf Grand-Slam-Titeln gehörte der schwedische Tennisspieler Björn Borg zu den erfolgreichsten Athleten seiner Zeit. Darüber hinaus war er aber auch der erste Popstar im Tennis. Mit dem langen, blonden Haar und seiner nordisch kühlen Aura brachte er die Fans zum Kreischen. Durch das Borg-Phänomen wurde Tennis aus der Ecke des Reichensports herausgeholt und auf die Bühne der Massenunterhaltung gehoben. In „Borg/McEnroe“ stellt der Schwede Janus Metz einen zentralen Moment in der Karriere des Sportlers ins Zentrum: Im Juni 1980 will Borg (Sverrir Gudnason) als erster Spieler zum fünften Mal in Folge das Turnier in Wimbledon gewinnen.

Zwei Filmszenen erzählen dabei viel über Borgs Gemütszustand: Zu Beginn tritt Borg auf den Balkon seines Luxusapartments in Monte Carlo, greift nach dem Geländer und bringt seinen Körper in eine schwebende Liegestützposition. Kraft, Konzentration, aber auch suizidale Tendenzen werden in diesem fabelhaft komponierten Bild sichtbar. Borg ist zum Verfolgten seines Erfolges geworden. Später muss Borg vor Fans in eine Bar flüchten. Weil er kein Geld dabei hat und der Barkeeper ihn nicht zu kennen scheint, muss er die Zeche an der Spüle abarbeiten: Dieser Moment gehört zu den seltsam glücklichsten in Borgs Alltag.

Die Sportnachrichten schüren den Hype auf das bevorstehende Turnier, in dem der US-Amerikaner John McEnroe (Shia LaBeouf) als kühner Herausforderer des Champions gehandelt wird. Ähnlich wie im Boxsport werden die Spieler zu gegensätzlichen Antagonisten stilisiert. Hier Borg, der besonnene Grundlinienspieler. Dort McEnroe, der aggressive Hitzkopf, der wegen seiner Ausfälle vom Publikum regelmäßig ausgebuht wird. Gentleman versus Enfant terrible –  eine solche Polarisierung macht sich in den Medien gut.

In Rückblenden wird an Borgs Kindheit erinnert, in der er als Junge manisch den Ball gegen das Garagentor drischt. Der Ehrgeiz des Jungen wird von der Unfähigkeit ausgebremst, mit Niederlagen umgehen zu können. Erst seinem Trainer Lennart Bergelin (Stellan Skarsgård) gelingt es, die Energien des Jugendlichen zu kanalisieren.

So ist es für Borg auch nicht schwer, sich in den Allüren McEnroes wiederzuerkennen. Sich selbst in den Gegner zu projizieren ist eine produktive Fähigkeit, die der Film auch als Allegorie über den Sport hinaus begreift und überzeugend anhand der beiden Rivalen exemplifiziert.

Während Shia LaBeouf an sein Rollenmuster in „American Sweethearts“ anknüpft, liefert der Schwede Sverrir Gudnason eine fabelhaft fokussierte Performance ab. Über die doppelte Charakterstudie hinaus gelingt es Metz im Finale, dem Tennissport mithilfe eines hochdynamischen Schnittkonzepts echte Thrillerqualitäten abzuringen.
Ach so, gewonnen hat das Finale übrigens Björn Borg.  

Von Martin Schwickert
„Borg/McEnroe“, Regie: Janus Metz, 107 Minuten, FSK 0, Cinemaxx

Mörderjagd in Norwegens Bergen

„Tut mir leid, dass die Mordrate in Oslo so niedrig ist, aber Sie müssen trotzdem zur Arbeit erscheinen“, sagt der Dezernatschef zu Harry Hole (Michael Fassbender). Wie es sich für einen Kommissar in einem skandinavischen Krimi gehört, ist Hole ein Wrack von einem Mann. Eine Mordserie holt Hole aus seiner Lethargie. Die Opfer sind Mütter oder werdende Mütter unehelicher Kinder, vor dem Haus hinterlässt der Täter einen Schneemann.

Bisher elf Romane hat der Norweger Jo Nesbø dem trunksüchtig-genialen Kommissar Harry Hole gewidmet. Anders als bei den Stieg-Larsson-Verfilmungen wollte man nicht warten, bis die Skandinavier zur Kamera greifen, sondern legte den Stoff  gleich als englischsprachiges Projekt für den internationalen Markt an. Michael Fassbender genießt es, der Superhelden-Stigmatisierung der „X-Men“-Filme zu entkommen.  Tomas Alfredson  beschwört die herzkalte Finsternis, die sich hinter der sauber verschneiten Kulisse skandinavischer Gesellschaften verbirgt, doch gelingt es ihm nicht, jene nihilistische Atmosphäre zu kreieren, wie sie andere nordische Genrewerke prägte.

Von Martin Schwickert
„Schneemann“, Regie: Tomas Alfredson, 119 Minuten, FSK 16, Cinemaxx, Central-Lichtspiele Herzberg

Die neueste Zerstörung Dubais

Eine Monsterwelle aus dem Persischen Golf reißt panische Strandbesucher mit sich, rollt über das Zentrum von Dubai hinweg und erfasst das höchste Gebäude der Welt. Kinobesuchern ist es kaum zu verübeln, wenn ihnen die Bilder des neuen Weltuntergangs-Thrillers "Geostorm" bekannt vorkommen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass westliche Filmemacher die Handelshauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate ins Visier nehmen.

Die Emirate bieten ein attraktives, steuerfreies Setting mit der futuristischen, von Wolkenkratzern gesäumten Skyline von Dubai als Kulisse. Doch inmitten all der computergenerierten Zerstörung liefern die hier gedrehten Filme dem Zuschauer kaum Einblicke in das Leben der Einheimischen, das Land oder die Region.

„Es wirkt, als existiere diese futuristische Stadt nur, um auf sehr dramatische Weise zerstört zu werden“, sagt Dale Hudson, Professor für Film und Neue Medien an der New York University Abu Dhabi. „Für das an Hollywood gewöhnte Publikum in den USA ist es nur irgendeine weitere Stadt. Es ist nicht der Nahe Osten, in dem sie religiöse Konflikte vermuten oder die Unterdrückung von Frauen oder all die verschiedenen Stereotype, die sie im Kopf haben. Dadurch normalisiert es sich quasi.“

Im Mittelpunkt von "Geostorm" steht nun ein Satellitensystem, das alle Naturkatastrophen von der Erde fernhält. Doch dann geht etwas schief. Dubai wird offenbar vom Persischen Golf überschwemmt – trotz der Tatsache, dass das warme Wasser des Binnenmeers kaum tiefer ist als 90 Meter.

In Vorschauen für den Science-Fiction-Thriller mit Gerard Butler und Alexandra Maria Lara ist zu sehen, wie Großstädte weltweit zerstört werden. Die Film- und Fernsehkommission Dubais twitterte einen begeisterten Kommentar zu den Filmaufnahmen des Tsunamis. Diese zeigen im Hintergrund die Turmspitze des größten Gebäudes der Welt, des 828 Meter hohen Burdsch Chalifa.

Schon in der Vergangenheit war Dubai immer wieder in westlichen Blockbustern zu sehen. So baumelte Tom Cruise bereits im Jahr 2011 in „Mission Impossible 4: Phantom Protokoll“ vom neu erbauten Burdsch Chalifa herab. Diesen Film überstand der Wolkenkratzer unbeschadet, doch ganz Dubai wurde von einem am Computer erzeugten Sandsturm epischen Ausmaßes erfasst.

Fünf Jahre später war Dubai in „Star Trek Beyond“ als Raumstation Yorktown zu sehen und wurde von den reptilienartigen Truppen des Diktators Krall angegriffen. 2016 wurde die Stadt im Film „Independence Day: Wiederkehr“ erneut zum Ziel rachsüchtiger Außerirdischer. Hier gelang es den Aliens, das Burdsch Chalifa in die Höhe zu heben und auf London zu schleudern.

Die Produzenten des „Star Trek“-Films hatten sich für Dubai entschieden, weil das Aussehen der Stadt zum Weltraumzeitalter passt. „Wir haben nach der Zukunft gesucht und sie gefunden“, sagte einer der leitenden Produzenten, Jeffrey Chernov, 2015. Allerdings räumte das Filmteam später ein, dass es schwierig war, in Dubai einen Darsteller für die Rolle des schwulen Ehemanns Sulu zu finden.

Traditionell gekleidete Araber tauchen in solchen Filmen stets nur kurz auf. In dem Actionstreifen „Fast & Furious 7“ isst eine Familie gerade gemeinsam zu Abend, als ein libanesischer Sportwagen von einem Wolkenkratzer in Abu Dhabi hinabstürzt. In dem Thriller „Contagion“ aus dem Jahr 2011 wird Abu Dhabi kurz als Weltstadt auf einer Karte genannt.

Solche Momente unterscheiden die Emirate von den Klischees eines chaotischen Nahen Ostens, wie sie in anderen Filmen vermittelt werden, wie Experte Hudson sagt. „Es rückt (die Vereinigten Arabischen Emirate) auf die gleiche politische Seite wie London und New York“, erklärt er. „Es ist definitiv der Versuch, sie zu einem Global Player zu machen.“

dpa

"Geostorm", Regie: Dean Devlin, Cinemaxx, Neue Schauburg Northeim

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