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Diese Filme kommen in Göttigens Kinos

Die Kinostarts der Woche Diese Filme kommen in Göttigens Kinos

Über die Liebe zum Pott in "Radio Heimat" bis zur gnadenlosen NS-Abrechnung in "Jeder stirbt für sich allein": Diese Filme starten ab Donnerstag in Göttigens Kinos.

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Brendan Gleeson (r) als Otto und Daniel Brühl als Escherich in einer Szene aus "Jeder stirbt für sich allein".

Quelle: dpa

Abrakadabra in Manhattan

Zauberer mit Zoo im Koffer: Eddie Redmayne in „Phantastische Tierwelten und wo sie zu finden sind“

Von Matthias Halbig

„Accio!“ So lautet der Spruch, den man in der Zauberschule Hogwarts lernt, wenn man entfernte Dinge herbeirufen möchte. Im magischen Alphabet des Internats Hogwarts steht er an zweiter Stelle gleich nach „Abschwelltrank“. Fünf Jahre ist es nun her, seit der letzte „Harry Potter“-Film im Kino lief. Millionen trugen damals Trauer, weil Joanne K. Rowling, Potters literarische Mutter, Endgültigkeit spüren ließ.

Zunächst schien sie sich mit kleineren Geschichten zufriedenzugeben. Sie schrieb einen schwarzhumorigen Roman über die Enge in Englands Provinz („Ein plötzlicher Todesfall“), dann – unter dem Pseudonym Robert Galbraith – drei wunderbar altmodische Krimis über den bräsigen Privatdetektiv Cormoran Strike. Das verkaufte sich alles ordentlich, und Strikes Fälle werden derzeit auch verfilmt – für den noblen TV-Sender BBC One. Aber wonach es die Rowling-Gemeinde wirklich verlangte, das waren Hexenbesen und Zauberstäbe, Hippogreife und knallrümpfige Kröter, kurzum. Es wurde Zeit, dass irgendwer „Accio!“ rief.

So läuft nun in London ein Harry-Potter-ist-erwachsen-Theaterstück, das bis zum Nimmerleinstag ausverkauft ist, das zugehörige Buch „Harry Potter und das verwunschene Kind“ verkauft sich wie „Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung“. Und ab heute hext nun ein Vorfahr Potters auf der Leinwand: Newton Artemis Fido Lurch Scamander aus dem Hause Hufflepuff.

Der ist ein Magizoologe, also ein Wissenschaftsmagier, der sich um den Erhalt der zauberischen Fauna auf Erden kümmert. Auf dem Rückweg nach England macht er Station in New York. In Ägypten hat er gerade einen Donnervogel aus seinen Ketten befreit, nun will er das Prachttier in seiner Heimat Arizona auswildern. Scamanders schlichter brauner Reisekoffer ist im Inneren ein tragbarer Zoo, der sich für neugierige Zollbeamte in ein Standardbehältnis für Pyjama und Reiselektüre verwandeln kann. Leider ist das Schloss des Gepäckstücks ausgeleiert. Ein Niffler entkommt als Erstes, ein Schnabeltier mit elsterhaftem Drang nach Glitzerdingen. Zu allem Unglück folgt noch eine Kofferverwechslung mit dem Hobbykonditor Jacob Kowalski (Dan Fogler). Der findet zu Hause statt seiner Kollektion der Köstlichkeiten fantastische Tierwesen vor, die sich bei ihrer Flucht wie lebende Abrissbirnen verhalten. Vor dem Zugriff des New York Police Department werden Newt und Jacob von den Hexenschwestern Tina (Katherine Waterston) und Queenie Goldstein (Popstar Alison Sudol) gerettet. Jetzt müssen die vier nur noch die ausgebüxten Viecher einpferchen. Warum das nicht mit simplem Simsalabim möglich ist? Nicht fragen, nur wundern.

Ein Klima der Paranoia herrscht im Amerika dieses Paralleluniversums. Wir schreiben das Jahr 1926, die Weltwirtschaftskrise hängt bereits wie eine Ahnung über dem Big Apple, und die magische Gemeinschaft ist durch das schwarzmagische Treiben des untergetauchten Gellert Grindelwald in Verruf geraten. Überall kleben Plakate auf den Ziegelwänden, die ein „zweites Salem“ fordern, also Hexenprozesse. Und ein undurchsichtiges Mitglied des Magischen Kongresses (Colin Farrell) macht sich auf die Suche nach einem mysteriösen Kind mit besonderen Gaben. All das vollzöge sich leise, wäre da nicht der Krach der Kreaturen Scamanders. In dem Getöse geschieht ein Mord an einem Präsidentschaftskandidaten. Und aus dem Tierfängerjux, dem Big-City-„Hatari“ mit Fantasie-Nashörnern, wird bitterer Ernst.

Um alle bisherigen Potter-Fans zu gewinnen, wird einiges getan. Immer wieder seufzt John Williams‘ berühmte Potter-Filmmusik in James Newton Howards pompöse neue Töne hinein. Vertraute Namen fallen: Hogwarts, Lestrange, Dumbledore. Und natürlich ist von „Muggeln“ die Rede, auch wenn nicht magische Menschen in New York „No-Mädschs“ genannt werden. Oscar-Preisträger Eddie Redmayne ist als unbekümmerter Rotschopf Scamander das größte Pfund des Films, der sonst sehr auf Schauwerte setzt. Die Stadt, die schon vor 90 Jahren nie schlief, sieht in ihrem Zwanzigerjahregepräge großartig aus. Und die putzigen Tierwesen erfüllen unsere Sehnsucht nach den Sensationen der Manege, die vom Zirkus seit Anbeginn des Kinos nicht mehr befriedigt werden kann. Den Schurken Grindelwald, den Voldemort jener Zeit, sieht man nur ein einziges Mal. Sein Sekundenauftritt ist indes eine besondere Überraschung.

Grindelwalds Zeit wird kommen. Der Film „Tierwesen 2“ kommt am 16. November 2018 ins Kino, der dritte Teil am 20. November 2020. Wetten werden abgeschlossen, dass man eines Tages auch Harry wieder im Kino treffen wird. Ist er doch eine Überfigur geworden wie Tarzan oder Sherlock Holmes, einer vom Schlag der Unsterblichen. Ob wir uns das wünschen sollten? Das würde hier zu weit führen. Lasst es uns heute Abend in der Winkelgasse diskutieren – bei einem Krug Butterbier.

Die Erfolgsgeschichte geht weiter

1998 hörte man unter Kinderbuchfans ein Raunen: Hast du schon diese beiden Romane gelesen, die eigentlich gar keine Kinderbücher sind? Der Geheimtipp war schnell keiner mehr: Groß und Klein las die Fantasy vom Waisenkind Harry Potter und seinen gemeinen Stiefeltern, von einer Zauberschule und ihrer Nemesis, einem wiederauferstandenen ultrabösen Magier namens Voldemort.

Mit dem dritten Buch wurde aus Harry 1999 ein Hype, der die Game-infizierten jüngeren Generationen wieder ans Lesen brachte. Hollywood sprang auf den Hogwarts-Express auf und drehte von 2001 an acht Harry-Potter-Filme (aus sieben Romanen), wobei der dritte, „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der 2004 von dem mexikanischen Regisseur Alfonso Cuarón gedreht wurde, für viele der Höhepunkt der Reihe war. Ein beispielloser Buch- und Kinoerfolg: 450 Millionen verkaufte Bände bis 2015, 7,7 Milliarden Dollar Einnahmen für die erfolgreichste Filmserie. Die Marke Harry Potter wird auf einen Wert von 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Mit einem Kassenknüller des Ablegers wird fest gerechnet. Ursprünglich als Trilogie konzipiert, soll jetzt sogar eine Pentalogie daraus werden. Ob mit den Abenteuern des Zauberers Newt Scamander auch die nächste Generation von Fans der Figuren von Joanne K. Rowling zu Leseratten erzogen wird, steht noch in den Sternen. Vorerst will Rowling nur die Drehbücher zu den fünf Filmen schreiben und keine „Tierwesen“-Romane. Scamander-Darsteller Eddie Redmayne, der die Rolle ohne Vorsprechen bekam, wäre beinahe schon früher in den Potter-Kino-Kosmos gelangt. Er hatte sich für die Rolle des Tom Riddle (des jungen Lord Voldemort) beworben, sei aber bereits nach dem ersten Satz abgelehnt worden. Big

Mit Bulldogge Marvin auf ein Gute-Nacht-Bier

Lob der Routine: Jim Jarmusch preist in seinem entschleunigten Film „Paterson“ das Glück des Alltags

Von Stefan Stosch

Aufregend ist Patersons Leben wahrlich nicht. Tag für Tag sitzt er am Steuer seines Linienbusses und kurvt durch die Stadt in New Jersey, die genau so heißt wie er. Morgens klagt ihm der Kollege seine Familienprobleme – oder lässt es lieber bleiben, weil der schweigsame Paterson doch nichts dazu zu sagen weiß. Zwischendurch lauscht Paterson den Gesprächen seiner Fahrgäste, die über geplante amouröse Eroberungen oder über den Anarchismus im Laufe der Historie plaudern. Mehr als ein paar Satzfetzen kriegt er nicht mit, dann steigen die Passagiere wieder aus.

Kommt Paterson (Adam Driver) abends heim, warten auf ihn seine kreative Frau Laura (Golshifteh Farahani), die auf Wohnungs- und Kleidungsverschönerungen aller Art spezialisiert ist, sowie die Bulldogge Marvin. Von Marvin lässt sich Paterson täglich zu seiner Stammkneipe um die nächsten zwei Ecken ziehen und gönnt sich exakt ein Gute-Nacht-Bier. Das war’s. Am nächsten Morgen geht es für ihn wieder genauso los wie am Tag zuvor.

Mehr passiert nicht in Patersons Leben und auch nicht in Jim Jarmuschs Film. Der heißt ebenfalls „Paterson“ und ist in sieben Wochentage unterteilt, die in kleinen, aber feinen Variationen von immer derselben Routine künden – weshalb Jarmusch im Verlauf der Woche auch immer mehr Szenen auslassen kann. Andeutungen reichen. Wie wissen ja, was kommt.

Das heißt, eine entscheidende Nebenbeschäftigung Patersons muss unbedingt genannt werden. Ob er im Busdepot wartet, mittags in seiner Arbeitspause auf einer Bank am Fluss oder abends auf dem Sofa sitzt: Paterson schreibt Gedichte – so wie der berühmte Dichter William Carlos Williams (1883–1963), kurz: WCW, der große Lyrik über die Stadt Paterson verfasste und ebenso wie Regisseur Jarmusch als Lakoniker bekannt ist.

Die Gedichte, die Paterson in sein Notizbuch schreibt, dürfen wir lesen. Die Zeilen werden in Handschrift über die Bilder auf der Leinwand gelegt und sind von Alltagsimpressionen geprägt. Wovon auch sonst. Langweilig wird es mit dem Langweiler Paterson im Kino seltsamerweise nicht. Das könnte daran liegen, dass wir seinen Alltag beständig mit unserem vergleichen und erstaunliche Parallelen feststellen – oder eben auch nicht. Paterson scheint genau das Leben zu führen, von dem all die neunmalklugen Ratgeberbücher schwärmen. Egal ob nun Entschleunigung, Downshiften, Offline-Sein, die Konzentration auf sich selbst: Paterson macht’s vor.

Ob der Dichter irgendwann einmal bekannt werden wird mit seinem Werk? Wir wissen es nicht, er weiß es ja selbst nicht. Paterson schafft es nicht einmal, seine Gedichte an einen Verlag zu schicken, obwohl Laura ihn wiederholt dazu ermuntert. Wer will, kann in Paterson einen traurigen Poeten sehen. Eines aber ist klar: Von einem einzigen Augenblick abgesehen, an dem die egozentrische Bulldogge Marvin schuld ist, wirkt Paterson wie ein ausgesprochen zufriedener, ja, glücklicher Zeitgenosse.

Der eigentliche Affront dieses Films aber liegt darin, dass es ihn überhaupt gibt: Independent-Regisseur Jarmusch, bekannt für seine skurrilen Geschichten („Down by Law“, „Dead Man“, „Only Lovers Left Alive“), verabreicht uns eine heilsame Schonkost im actiongetriebenen und von Schnitt- und Musikgewitter zugedröhnten Gegenwartskino. Hier kann man sich entspannt zurücklehnen und muss nichts Böses fürchten. Es wird Paterson, seiner Frau Laura und dem Hund Marvin schon nichts Schlimmes zustoßen. Erst wenn man das Kino schon lange wieder verlassen hat, wird einem klar, wie wohltuend die Begegnung mit diesem dichtenden Busfahrer ist. Oder handelt es sich um einen busfahrenden Dichter?

Rauswurf aus dem Paradies

McGregors Regiedebüt:„Amerikanisches Idyll“

Stefan Stosch

So ein Klassentreffen ist die perfekte Gelegenheit, sich in Erinnerungen zu verlieren. Der Filmerzähler blickt vier Jahrzehnte zurück: Der Zweite Weltkrieg ist beendet, die Japaner haben soeben kapituliert. Kollektive Trunkenheit hat Amerika ergriffen. Die Schüler lassen sich anstecken und küren einen Helden aus ihrer Mitte, genannt: der „Schwede“. Blonder Hüne, Baseballstar, Frauenschwarm, kurz: „unser Kennedy“.

So ruft der Erzähler, einst selbst Schüler an der Weequahic High School in New Jersey, die Bilder der Vergangenheit wach. So steht es im Roman „Amerikanisches Idyll“ von Philip Roth. Und so erzählt es nun auch Ewan McGregor in seiner Verfilmung des 1998 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Buchs. Inzwischen aber hat sich manches als Illusion entpuppt. Der Vietnamkrieg, die Watergate-Affäre, die Anschläge der „Weathermen“ hielten das Land in Atem. Und beim Klassentreffen stellt sich heraus: Der „Schwede“, der Vorzeigeamerikaner, ist tot. Wie konnte das geschehen? Und was ist mit Amerika passiert? Der Erzähler setzt sich auf die Spur des „Schweden“.

Einen echten Brocken US-Geschichte hat sich Schauspieler Ewan McGregor („Trainspotting“) in seinem Regiedebüt vorgeknöpft. Noch dazu übernimmt er auch noch die Hauptrolle von Seymour Levov, dem „Schweden“. Das hätte schiefgehen können. Doch sobald Seymour und seine geliebte Frau, die einstige Schönheitskönigin Dawn (Jennifer Connelly), ihr Landhaus bezogen haben, die Nähmaschinen in der Handschuhfabrik einträglich rattern und Tochter Merry (Dakota Fanning) geboren ist, nimmt das Unglück so selbstverständlich seinen Lauf, als sei jede andere Entwicklung ausgeschlossen.

Das Unglück im Hause des „Schweden“ hat einen Namen: Merry, die stotternde Tochter, hat der Hass auf das perfektionistische Amerika ihrer Eltern ergriffen. Merry sprengt das örtliche Postbüro mitsamt Betreiber in die Luft. Aus dem kleinen Engel ist eine Terroristin geworden. Von diesen Geschehnissen wird sich der „Schwede“ nie wieder erholen. Wir erleben die Zerstörung einer Bilderbuchfamilie. Ehefrau Dawn kappt die Verbindung zur Vergangenheit mittels Schönheitsoperation und Liebhaber. Ihr Mann verrennt sich ins Leid. Still und sanft bohrt sich der Schmerz in den Film.

Klug hat Drehbuchautor John Romano die Essenz aus der mäandernden Vorlage herausgelöst. Einige wenige Archivbilder von Unruhen und Kriegen bieten Zeitkolorit. Im Zentrum aber steht die Tragödie Seymours, in der sich diejenige Amerikas spiegelt. Mit erstaunlichem Gespür inszeniert Regietalent Ewan McGregor diesen Rauswurf aus dem Paradies. Ein seltener Kinofall ist dies: Der Film überzeugt mindestens so sehr wie das Buc

Land der Zecher: „Radio Heimat“

Für Ruhrpott-Nostalgiker: das Jugenddrama „Radio Heimat“

Von Margret Köhler

Den „Pott“ wie die Jugendlichen in „Radio Heimat“ das Ruhrgebiet liebevoll nennen, spüren selbst Weggezogene noch. Im „Pott“ redet man auch nicht um den heißen Brei herum, sondern Tacheles. So nehmen auch die vier Jungs im Bochum des Jahres 1983 kein Blatt vor den Mund, wenn es um Mädels, heiße Küsse und mehr geht.

Frank, der als erster aus der Familie aufs Gymnasium darf, schmachtet die Falsche an, der großmäulige Mücke und der Möchtegern-Popper Spüli sind sind auch keine großen Aufreißer, nur „Pommes“ mit den fettigen Haaren hat schon einschlägige Erfahrungen. Das Quartett kämpft gegen unkontrollierte Hormonschübe mit Pils, Klarem und der unvermeidlichen Bockwurst an. Und wenn die Ratlosigkeit im Umgang mit dem anderen Geschlecht überhand nimmt, erzählen die Eltern den Pubertierenden in schaurig-schönen Rückblenden von ihren eigenen Annäherungsversuchen bei Kaffee und Kuchen.

Die Liebeserklärung an das Land der Zechen und Zecher nach Frank Goosens Erzählungen verpackt Kameramann Gerhard Schirlo in prächtige Cinemascope-Bilder. Immer am Klischee entlang stürzen sich die jungen Darsteller David Hugo Schmitz, Maximilian Mundt, Jan Bülow und Hauke Petersen in ihre amourösen Möchtegernabenteuer.

Parolen auf Postkarten

Falladas NS-Abrechnung: „Jeder stirbt für sich allein“

Von Martin Schwickert

Hans Fallada hat seinen Roman „Jeder stirbt für sich allein“ nur ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und wenige Monate vor seinem Tod verfasst. Mit großer analytischer Schärfe und viel Alltagsnähe ging er zu Werke, so wie es wohl nur einem Autoren gelingen kann, der die Ereignisse aus der inneren Emigration heraus miterlebt hatte.

Die Verfilmung setzt 1940 ein. Werkmeister Otto Quangel (Brandan Gleeson) und seine Frau Anna (Emma Thompson) erfahren, dass ihr Sohn an der Front gefallen ist. Mit verstellter Handschrift beginnt Otto, regimekritische Parolen auf Postkarten zu schreiben, die er in öffentlichen Gebäuden ablegt. In Falladas Roman wird dieser Bewusstseinsprozess des Vorarbeiters von Trauer und Wut hin zu Mut und Widerstand minutiös als Ergebnis eines inneren Gefühlschaos beschrieben. In Vincent Perez’ Film greift Quangel einfach irgendwann zur Feder, und dieses Prinzip der Verflachung setzt sich in der gesamten Inszenierung fort. Der Adaption fehlt trotz teurer Ausstattung und Komparserie das notwendige Feingefühl fürs Atmosphärische. Im Kontext hiesiger, filmischer Aufarbeitungskultur ist der Film ein vertane Chance.

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