Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
„Die Kunstmaschine“ im Theater im OP

Uraufführung „Die Kunstmaschine“ im Theater im OP

Was für ein Aufwand! Da schreibt Serdar Sezenoglu ein Theaterstück, inszeniert es, spielt selbst mit – und dann funktioniert es nicht wirklich. „Die Kunstmaschine“ heißt das Werk, das am Mittwoch, 9. März, im studentischen Theater im OP in Göttingen Uraufführung hatte.

Voriger Artikel
Sabine Schmitt zeigt „material talks“
Nächster Artikel
„Göttinger Händel-Gesellschaft“ begeht 80. Geburtstag

Dramatisch: Jasper (J. Bauer) und Theodor (D. Kalde).

Quelle: Opitz

Ins Zentrum des Geschehens hat Sezenoglu den berühmten und erfolgreichen Maler Jasper Dacks gestellt. Der befindet sich in einer Schaffenskrise. Seine Ehe hat er durch zahlreiche Seitensprünge ruiniert, die Menschen um sich behandelt er wie Dreck. Sein dauertelefonierender Manager müht sich unredlich, Dacks’ Marktwert zu pu­shen – und sich selbst mit Kokain. Dann taucht Theodor Bauser auf, ein Kunstterrorist, der Bilder aufschlitzt. Diesmal aber nimmt er Dacks in die Mangel. Zu künstlerischen Höhenflügen will er ihn treiben, das Neue soll er finden. Doch vorher muss das Alte zerstört werden. So weit, so Klischee.

Das alles hat Sezenoglu fürchterlich überfrachtet mit philosophischen Exkursen über die Kunst und das Menschsein. Er lässt seine Akteure schwadronieren und salbadern, dass es keine Freude ist. Ein Beispiel: „Zuerst war es ein Funke, dann wurde es zum Wasserfall.“ Über Verständnisprobleme plauderte der eine oder andere Besucher schon in der Pause des knapp zweistündigen Abends.

Jörg Bauer spielt diesen verzweifelten Künstler so verzweifelt, dass man ihm nur wenig Existenzkrise abnimmt. Übertheatralisch greint er ohne Körperspannung, und wenn er auf den Boden fällt, sieht es antrainiert aus. Überzeugender füllt Dennis Kalde die Rolle des Kunstterroristen Bauser aus. Er verfügt über Sprechkultur, zumindest akustisch ist er gut zu verstehen.

Mit einem wilden Finale endet dieses ambitionierte Stück, das so überladen ist mit versuchter Wortgewalt, verquaster (Kunst-)Philosophie und Bedeutungsschwere, das am Ende nicht viel nachhallt. Schade.

Weitere Vorstellungen: am heutigen Freitag sowie am 12., 15., 16., 18., 19., 22., 23., 25. und 26. März im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen. Karten gibt es unter Telefon 05 51 / 39 70 77.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag