Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
„Die Macht der Sprache“: Bilder des internationalen Fotowettbewerbs im Goethe-Institut Göttingen

Ausstellung „Die Macht der Sprache“: Bilder des internationalen Fotowettbewerbs im Goethe-Institut Göttingen

„Die Macht der Sprache“ heißt ein internationaler Fotowettbewerb, dessen Siegerbilder zurzeit in einer Ausstellung im Göttinger Goethe-Institut zu sehen sind. Dazu werden knapp 60 weitere Wettbewerbsbilder gezeigt.

Voriger Artikel
Alexander Riemenschneider inszeniert Fassbinders „Ehe der Maria Braun“
Nächster Artikel
Von Liebe und Heimweh

Siegerfoto im Wettbewerb „Die Macht der Sprache“: „Somewhere … Boys“ von Alaoui Moulay Youssef (Marokko). 

Quelle: Goethe-Institut

Fünf Jungen stehen ganz eng  nebeneinander im Kreis, ihre Arme liegen über den Schultern aufeinander. Die Köpfe stoßen beinahe zusammen, so dicht sind sie zusammengerückt. Sie besprechen etwas, teilen miteinander, was niemand sonst hören soll, etwas, das nur sie angeht. Ihre dunklen Haarschöpfe und die dunkle Haut heben sich vor dem hellen Himmel Marokkos ab, zu ihren bloßen Füßen liegen Steine und Sand. Ihre starke Verbundenheit vermittelt sich dem Betrachter sofort, ihr gemeinsames Sprechen macht sie unzertrennlich, unverwüstlich, eine körperhafte Festung, Zeit und Ort enthoben.  Die Fotografie „Somewhere … Boys“ des marokkanischen Dorfschullehrers Alaoui Moulay Youssef ist das Siegerbild des internationalen Fotowettbewerbs „Die Macht der Sprache“, den das Goethe-Institut innerhalb einer ganzen Veranstaltungsreihe zu Sprache und Macht vor fast vier Jahren ausgelobt hat. Die Kraft, Leidenschaft, Gewalt, Energie, die Macht der Sprache in einer universellen Sprache – den Bildern – darzustellen, war das Ziel der Konkurrenz. Erstmals wurden die drei von einer Fachjury prämierten Gewinnerbilder mit knapp 60 weiteren ausgewählten Arbeiten im Sommer 2007 in der Berliner Akademie der Künste gezeigt. Seitdem ist die Ausstellung weltweit auf Tournee – und das aus gutem Grund: Die 3247 eingesendeten Fotografien stammten aus 46 verschiedenen Ländern, die Motive wurden von Profi-, aber ebenso von Amateurfotografen aufgenommen. 

Rhetorik ohne Worte

Stephan Hoffmann, Leiter des Göttinger Goethe-Institutes, schilderte in seiner Einführung, dass es vor allem individuelle Situationen, private, zwischenmenschliche Begebenheiten zu sehen seien, deren Rhetorik ohne Worte überaus beredt von der Kraft der Sprache erzählt. Die Sprache, so Hoffmann, „ist weniger Werkzeug des Menschen als Teil seines Wesens.“ Den zweiten Platz belegt eine Fotografie, die die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau thematisiert. Auch wenn ihrer beider Gesichter nicht zu erkennen oder dem Betrachter  abgewandt sind, sprechen doch ihre Gesten und die Distanz zwischen ihnen für sich. Es folgen neben dem dritten Platz – einer bescheiden überdachten öffentlichen Telefonzelle mitten im grünen Dschungel – Bilder von Ein- und Ausschlüssen, produziert durch Sprache als Möglich- und Unmöglichkeit gesellschaftlicher Teilhabe, politisch motivierte Bilder, konzeptuelle Arrangements und Aufnahmen, die die Schrift ins Zentrum des Bildes rücken, gesprüht, gekratzt, als mahnendes oder performatives Element. Ob ein Bild mehr sagt als tausend Worte? Einmal mehr aber zeigt sich sicher, dass Sprache großartig vielfältig ist und dass Wort und Bild zumindest gleichrangig sind in der Darstellung von Welt.                                                                                                                                       Von Tina Lüers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Fotografie-Ausstellung „In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers