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Die Werke von Cimiotti

Ausstellung im Künstlerhaus Die Werke von Cimiotti

Er hat bei der Biennale und mehrfach bei der Documenta ausgestellt, und ungeachtet seines Alters ist der gebürtige Göttinger voller schöpferischer Kraft: Emil Cimiotti. Skulpturen und Papierreliefs des renommierten Künstlers sind bis 3. September in einer Ausstellung im Künstlerhaus zu sehen.

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Kunstobjekte aus Holz

Ein typisches Werk: Besucher vor einer Cimiotti-Skulptur.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Er hat bei der Biennale und mehrfach bei der Documenta ausgestellt, und ungeachtet seines Alters ist der gebürtige Göttinger voller schöpferischer Kraft: Emil Cimiotti. Skulpturen und Papierreliefs des renommierten Künstlers sind bis 3. September in einer Ausstellung im Künstlerhaus zu sehen.

„Diese wunderbare Ausstellung kam durch den Wunsch zustande, Emil Cimiotti mit einer Ausstellung seiner Arbeiten zum 90. zu ehren.“ Den Begrüßungsworten von Helmut Wenzel, Geschäftsführer des Kunstverein Göttingen, wie auch den kurzen Worten von Reinhard Irmscher, Vorsitzender des Künstlerhaus Göttingen, war anzumerken, wie sehr sie sich über die Schau freuen, die in Kooperation beider im Haus ansässigen Vereine, entstanden ist. Der Besucherandrang zur Ausstellungseröffnung war enorm.

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Kunstwerke von Emil Cimiotti zeigt das Künstlerhaus Göttingen bis zum 3. September 2017.

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Trotz umfangreicher gegenwärtiger Ausstellungstätigkeiten und einer Hommage, die am Tag seines 90. Geburtstages, am 19. August im Sprengelmuseum in Hannover eröffnet wird, hat Emil Cimiotti es sich nicht nehmen lassen, selbst zur Eröffnung der Schau in seine Heimatstadt zu kommen. Und so kann er mit hellwachem Blick und beeindruckend präsent in seiner Ausstrahlung der ebenso kundigen wie von Empathie getragenen Einführung von Prof. Christa Lichtenstern lauschen.

Mit elf Jahren Berufswunsch Künstler

Die sehr gelungene Ausstellung in der lichten Helligkeit und Weite der klassizistischen Räume sehen zu können, sei eine Kombination, die man gar nicht genug schätzen könne, betont die Kunsthistorikerin aus Berlin. Dann nimmt sie die Gäste mit durch verschiedene Stationen des Lebens von Emil Cimiotti, der einst in der Geismar Landstraße aufwuchs. „Cimiotti wusste schon mit elf, zwölf Jahren, dass er Künstler werden wollte.“ Eine „erste Kunstbegegnung“ habe er bei der Betrachtung von Aquarellen im Schaufenster einer Farbenhandlung in der Gotmarstraße erfahren.

Der lebenskluge Vater, die „imminente Verbindung zur Natur“ initiiert durch die aus Eddigehausen stammende Mutter, die Jahre des Studiums in Stuttgart, Berlin und Paris, die Kontakte zu Willi Baumeister, dem bedeutenden Künstler der Moderne, der in Cimiotti „schon früh den kommenden Kollegen erkannt“ habe, die Arbeitsweise aus den Mitteln heraus zu arbeiten und die frühe Entscheidung zum Wachs – die detailreichen Ausführungen eröffnen Einblicke in die frühen Jahre des künstlerischen Werdegangs.

Emil Cimiotti und Christa Lichtenstern

Emil Cimiotti und Christa Lichtenstern.

Quelle: Peter Heller

Zwischen 1952 und 1955 entstehe die Entscheidung: „Ich will anderes als die normalen Plastiken. Ich will weg von endlichen Stand- und Spielbeinproblemen.“ Der Werdeprozess, begleitet von einer enormen Unterstützung durch die aktuelle Kunstkritik und von Künstlern habe zu einer „auffälligen Selbstständigkeit“ geführt. Kunstpreise, Teilnahmen an der Biennale und der Documenta. Der junge Künstler sei den „vielen Ritterschlägen, die man eigentlich gar nicht verkraften kann“ mit „entwaffnender Bescheidenheit“ begegnet.

Mit Wachs zum Blühen

Dann geht Lichtenstern auf die Arbeiten der Ausstellung ein. Die „Nike“ zeige etwas vom Spätwerk und wie die Fläche mit Wachs zum Blühen kommt. Textile Abdrücke der in Wachs getränkten Gazetücher sind hier deutlich als grobe Stränge in der Oberfläche zu erkennen. Bei der Arbeit „Wendekreis des Krebses“ gehe es um die Verbindung an einer Achse, um die Begegnung an einem Punkt und das Wegstreben.

Züngelnde Formen erlaubten bei der Plastik „Bolide“ Einblicke in ein Inneres. Innen und Außen als Thema, „die ständige Suche nach Gleichgewicht ist eines der wesentlichen Themen, auch ein Thema aus den Mitteln heraus“, so Lichtenstern. „Die Mahlzeit ist zu Ende“ von 1976 zeige eine Annäherung zu gegenständlichen Motiven.

Ihren Höhepunkt finde die Ausstellung im Spätwerk, das 2014/15 umschlage, als Cimiotti aus Altersgründen nicht mehr plastisch arbeitet. Nun wendet er sich der Fläche, dem Papier zu. „Er nimmt diesen Abschied mit einer erstaunlichen Gelassenheit“, so Lichtenstern. In 2,5 Jahren seien an die 300 großformatigen Arbeiten entstanden. „Im aktuellen Werk blüht die Farbe mehr und mehr, immer kräftiger auf.“

So verwendet Cimiotti starke Transparentpapiere, die eingefärbt werden und die im Licht wie in Stufen auf die Fläche gesetzt durch die Durchsichtigkeit des Materials zusätzliche Farbeffekte und -nuancen entwickeln. Im Zusammenklang mit den Hauptfarben ermöglichen sie ein „reiches Farbenerleben“.

„Spätwerk – das ist immer etwas Besonderes“, schließt Lichtenstern. Und bei Cimiotti tauchten neue Farben und Formen auf. „Es geht immer weiter.“ Reduziert, ausdrucksstark, differenziert: Die Ausstellung im Künstlerhaus zeigt beeindruckende Arbeiten eines beeindruckenden Künstlers.

Die Ausstellung in der Oberen Galerie und im Weißen Saal läuft bis 3. September im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 16 Uhr. Am 13., 20. und 27. August, jeweils um 15 Uhr, finden kostenlose öffentliche Führungen durch die Ausstellung mit der Göttinger Kulturjournalistin Tina Fibiger statt. Darüber hinaus bietet sie während der Ausstellung jeweils mittwochs ab 15.30 Uhr Uhr Rundgänge zu den Orten großformatiger Skulpturen Cimiottis in Göttingen an. Anmeldung erforderlich unter Telefon 0551/44899.

Christa Lichtenstern: Emil Cimiotti – Papierreliefs. Kehrer Verlag 2016. Die Publikation ist auch in der Schau im Künstlerhaus erhältlich. Die Hommage „Emil Cimiotti. Zum 90.“ wird vom 19. August bis 19. November im Sprengel Museum Hannover gezeigt.

Von Karola Hoffmann

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