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Die Wiener Sängerknaben in Göttingen

Klarheit und Frische Die Wiener Sängerknaben in Göttingen

Matrosenkragen sind nicht mehr ganz aktuell. Doch für die traditionsbewussten Wiener Sängerknaben sind sie immer eine Selbstverständlichkeit. Am Donnerstag haben sie auf ihrer Weihnachtstournee in der Stadthalle Station gemacht. Ihr Programm reichte von der Gregorianik bis „Feliz Navidad“.

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Wiener Sängerknaben

Quelle: Heller

Göttingen. Rund hundert Sängerknaben zwischen neun und 14 Jahren umfasst der Chor, der seine Geschichte bis zum Jahr 1498 zurückverfolgen kann. Für Konzerttourneen teilt er sich in vier nach Komponisten benannte Teil-Ensembles auf (was die Zahl der möglichen Auftritte vervierfacht). In der nur mäßig besetzten Göttinger Stadthalle gastierte der 25-köpfige „Haydn-Chor“ unter der Leitung von Jimmy Chiang.

Mit dem einstimmigen „Salve Regina“ zogen sie an den Zuhörern vorbei durch den Saal auf die Bühne und präsentierten in der ersten Hälfte des Abends ein sehr buntes, vorwiegend geistliches, in erster Linie a cappella gesungenes Programm. Dabei stellten sich einige Sänger auch als Solisten mit beachtlichen Fähigkeiten vor – etwa in Schuberts „Ave Maria“. Den Schluss dieses Teils bildeten zwei ausgesprochen unterhaltsame Nummern: die mit zwei Solisten und Chor besetzte Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach und der Strauß-Walzer „Tausendundeine Nacht“ mit einer (nachträglichen) Textierung.

Der Stimmklang dieses Chors besitzt eine ansprechende Klarheit und Frische, die Intonationssicherheit der Sänger ist bemerkenswert. Ein paar kleine Trübungen dieses positiven Grundeindrucks betreffen vor allem Fragen des Ausdrucks: Offenbar im Bestreben, den Saal stimmlich zu füllen, setzte Dirigent Chiang ein wenig zu oft auf ein druckvolles Forte im Chor-Tutti. Gern hätte man auch einen Piano-Zauber als Kontrast dazu erlebt.

In der zweiten Hälfte wurde es dann weihnachtlich mit bekannten Liedern wie „Kommet, ihr Hirten“ oder „Leise rieselt der Schnee“. Besonders hübsch waren zwei Dialekt-Weihnachtslieder aus Tirol und dem Pongau und das flotte rotnasige Rentier Rudolph, mit dem der offizielle Teil des Programms endete. Für den begeisterten Beifall bedankten sich die Wiener Sing-Matrosen mit „Stille Nacht“ und „Feliz Navidad“, in dem Chiang besonders lockere Klavierkünste im Latin-Stil demonstrieren konnte.

Von Michael Schäfer

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