Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Die schönste Puppe der Truppe

Die Stillen Hunde zeigen Adaption von Shakespears „Othello" Die schönste Puppe der Truppe

Die Theaterformation „Stille Hunde" präsentierte am Freitagabend ihre moderne Adaption von Shakespears Drama „Othello" im Schloss Rittmarshausen. Christoph Huber , Stefan Dehler und Maja Müller-Bula spinnen ein enges Netz aus Intrigen, Lügen und Verdächtigungen, aus dem es am Ende kein Entrinnen gibt.

Voriger Artikel
Lichtblicke in Nebelschwaden
Nächster Artikel
Musikalisches Naturwunder

Schaffen intensive Spannung: Christoph Huber, Maja Müller-Bult und Stefan Dehler.

Quelle: r

Rittmarshausen. Das Drama um Vertrauen und Eifersucht spielt sich auf Zypern ab, wo sich Othello, Heerführer der Venetianer, im Gefecht mit den Türken befindet. Seine frisch Vermählte ist in einem Haus abseits der Front untergebracht und bekommt zu ihrer Zerstreuung einen Leutnant zur Seite gestellt. Ein Nachmittag am Strand ist der Ausgangspunkt der unheilvollen Entwicklungen.

Die „Stillen Hunde" geben Shakespears Werk einen frischen und unterhaltsamen Anstrich. An die Stelle von langen Monologen treten Soldatenjargon und einige herzhafte Flüche. „Knallen Sie sie in den Büschen, ruinieren Sie ihnen das Kleid", rät Othello seinem Fähnrich, der sich auf seiner Hochzeit von den frustrierten Ehefrauen fernhalten will. Das Publikum lacht Tränen über den wimmernden Rodrigo, den Huber mit Schirmmütze und Jackett  in seiner zweiten Rolle spielt.

Mühelos vom loyalen Untergebenen zum rachsüchtigen Kriminellen

Die zentrale Figur ist Othellos Fähnrich Jago, der sich um seine Beförderungen zum Leutnant betrogen sieht. Er hat zu jedem Zeitpunkt die Fäden in der Hand, lenkt geschickt die Entscheidungen aller Beteiligten, und sät in Othello die Eifersucht. „Sie ist Venetianerin, die lernen das Fremdgehen schon von ihren Müttern", fachsimpelt er in dessen Beisein über Desdemona. Dehler springt mühelos vom loyalen Untergebenen zum rachsüchtigen Kriminellen, und verleiht jeder Facette seiner Rolle Glaubwürdigkeit.

Die Darsteller machen sich die Kulisse in der Beletage im Rittmarshäuser Schloss zu Nutze. Da hört man verzweifelte Rufe aus dem hallenden Treppenhaus, und der Klang von schweren Schritten auf dem Parkett kündigt Unheil an. Das Publikum sitzt so nah am Geschehen, dass Othellos ohnmächtiges Flüstern seine Wirkung genauso entfaltet wie sein Gebrüll.

Im Verlauf der Geschichte verliert der anfangs nüchtern kalkulierende General mehr und mehr die Beherrschung. Er schreit, flucht und schlägt auf die im Sofa zusammengekauerte Desdemona ein wie ein Berserker. Huber gelingt es, die latente Bedrohung von Szene zu Szene zu steigern. Im letzten Auftritt liegt sein Gesicht im Schatten, Desdemonas Unschuldsbeteuerungen erreichen ihn schon nicht mehr. Die Tragödie ist unausweichlich.

Die „Stillen Hunde" schaffen eine intensive Spannung, der sich das Publikum nicht entziehen kann, und halten dabei die Balance zwischen lockeren Sprüchen, intimen Liebesszenen und den hitzigen Auseinandersetzungen der Charaktere.

Von Jana Probst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2 Soundcheck in Göttingen: Musikszene Deutschland