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Die vielen Gesichter von Otto von Bismarck

Literaturherbst Die vielen Gesichter von Otto von Bismarck

Es kommt nicht oft vor, dass ein Historiker einen Bestseller schreibt. Dem US-Amerikaner Jonathan Steinberg ist es gelungen. „Bismarck. A Life“ heißt seine Biographie, die international viel Lob erfahren hat. Jetzt ist sie auf Deutsch erschienen: „Bismarck. Magier der Macht“ lautet der Titel. Am Sonnabend stellte der Autor das Buch in der Paulinerkirche vor.

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Bestseller-Autor: Der Historiker Jonathan Steinberg.

Quelle: Heller

Viele Zeitgenossen und Bismarck selbst lässt Steinberg darin zu Wort kommen. Die Zitate decken auf, dass Otto von Bismarck wohl ein Mann mit vielen Gesichtern war.

„Bismarck war schwach und stark zugleich“, sagt der Autor etwa. Seine Schwäche sei vor allem im Verhältnis zum König Wilhelm I. zutage getreten. Für Bismarck, meint der Historiker, war er eine Vaterfigur. Gab es Kritik vom König, dann  habe Bismarck sich in sein Bett gelegt, „wie ein kleines Kind, das gerügt worden ist“. In Auseinandersetzungen habe es immer wieder Tränen auf beiden Seiten gegeben. Auf dem Gebiet der Außenpolitik dagegen habe Bismarck keine Unsicherheit gekannt. 

In Uniform und mit Pickelhaube habe er sich zwar gezeigt. Den Militärdienst habe er aber versucht, zu umgehen, wie ein Brief Bismarcks enthüllt, in dem er erzählt, einen Muskelschmerz vortäuschen zu wollen. Aufrichtig sei er gewesen, gleichzeitig manipulativ und falsch. Er besaß „Witz und literarischen Charme“, habe Gäste gern empfangen, sei aber gegenüber seinen Feinden voller „Hass und Hohn“ gewesen, so Steinberg. „Ein komplizierter Charakter“. „Was er wirklich gefühlt hat“, so der Autor, „weiß niemand.“

Jonathan Steinberg: „Bismarck. Magier der Macht“. Propyläen, 752 Seiten. 29,99 Euro.

tw

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