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Dieter Wedel inszeniert bei den Bad Hersfelder Festspielen die „Komödie der Irrungen“

Promidichte in der Stiftsruine Dieter Wedel inszeniert bei den Bad Hersfelder Festspielen die „Komödie der Irrungen“

Der Regisseur Dieter Wedel hat in diesem Jahr die Leitung der Bad Hersfelder Festspiele übernommen. Zum Auftakt seiner ersten Saison inszenierte er Shakespeares „Komödie der Irrungen“, ein eher selten gespieltes Stück, für das Wedel eine Neufassung schrieb. Premiere war am Sonnabendabend – mit großem Staraufgebot und rotem Teppich.

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Zwei prominente Randfiguren: Heinz Hoenig als Kaufmann Kamal (links) und Mathieu Carriére als Emir.

Quelle: Lefebvre

Bad Hersfeld. „Endlich ist mal was los in Bad Hersfeld.“ Dieser Satz war rund um den Spielort Stiftsruine häufig zu hören.

Doch die Menschen meinten nicht Wedels Theaterproduktion, sie meinten den Auftrieb mehr oder weniger prominenter Menschen vor Beginn der Vorstellung. Schauspieler wie der von Krankheit gezeichnete Ottfried Fischer, Emanuela von Frankenberg, Peter Weck und Judy Winter, Moderator Cherno Jobatey, der „Tagesschau“-Sprecher Jan Hofer und Politiker wie Wolfgang Bosbach (CDU) schritten an einer Beifall klatschenden Menge in Richtung VIP-Bereich, als letzte Dieter Wedel mit Lebensgefährtin und Hessens Landesvater Volker Bouffier (CDU) mit Ehefrau Ursula.

Auf der Bühne war dann allerdings auch einiges los. In der Shakespeare-Komödie geht es um einen jungen Mann, der sich aufmacht, im Orient seinen verschollenen Zwillingsbruder zu suchen. Er wird begleitet von seinem Diener, auch er hofft, seinen Zwilling zu finden. Sie landen in einem Städtchen, das vom Emir und seinen Milizen mit harter Hand regiert wird. Dort entwickelt sich eines dieser shakespearschen Verwirrspiele, und am Ende kriegen sich die, die sich auch wollen.

Wedel hat als Rahmen für diese Handlung eine Zirkusshow erdacht. Die Schauspieler tummeln sich in der Manege, das ganze Leben nur ein Spiel. Und der Zirkus bietet Wedel sogar noch die Möglichkeit, ein wenig politisch zu werden. Als der Zirkusdirektor die wilden Tiere ankündigt, stürmt der Emir mit seinen schwerbewaffneten Kämpfern die Manege. Ein wenig Tiefgang bringt Wedel schließlich auch noch unter. Denn das Verwirrspiel um die Zwillingspärchen wirft Fragen auf nach der eigenen Identität, nach dem anderen im Ich, nach dem, was wir im anderen lieben.

Temporeich und unterhaltsam hat Wedel mit Lust auf die große Geste und wenig Scheu vorm beiläufigen Kalauer inszeniert. Unterhaltung auf professionellem Niveau ist ein Markenzeichen des vor allem mit seinen Fernseh­arbeiten bekannt gewordenen Regisseurs, der durch seine Erfolge auch Weggefährten an sich binden konnte. So bescheiden sich die Schauspieler Heinz Hoenig und Mathieu Carriére mit Kurzauftritten. Cosma Shiva Hagen gibt eine verwirrte Ehefrau, deren Gatte plötzlich so anders ist. Christian Schmidt, kurzfristig für die Haupt-Doppelrolle des Antipholus eingesprungen, schlägt sich prächtig.

Die eigentlichen Stars des Abends allerdings sind Lars Rudolph in der anspruchsvollen Doppelrolle als Diener Dromio und Sonja Kirchberger, die die Köchin Emmelina lebensklug und liebeshungrig spielt.

Die Ruine übrigens, sonst häufig  so prägend für Theaterabende, muss diesmal auch mit einer Nebenrolle zufrieden sein. Die Bühnenbildner Jens Kilian und Eva-Maria Van Acker verdeckten sie vielfach, beispielsweise mit einem mächtigen Gestirn, das in verschiedenen Farben erstrahlt.

Ein Besucher erinnerte im Gespräch nach der Vorstellung an eine weitere Säule der Produktion: „Am besten haben mir die Musiker gefallen.“ Das Trio Matthias Trippner, Lukas Fröhlich, Christian Gerber brachte mit Klängen zwischen Zirkus und Balkan viel Schwung und Atmosphäre in den wunderschönen Sommerabend.

Bis 10. Juni und vom 22. Juli bis 2. August zahlreiche weitere Vorstellungen. Kartentelefon: 0 66 21 / 64 02 00.
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