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Dingstad-Quartett gibt Benefizkonzert in der Göttinger Uni-Aula

Ausgereifte Kunst Dingstad-Quartett gibt Benefizkonzert in der Göttinger Uni-Aula

Ende des 18. Jahrhunderts vertieften sich die Beziehungen zwischen dem russischen Adel und der zentraleuropäischen Kultur. Haydn und Beethoven haben darauf unter anderem mit der Komposition von Streichquartetten reagiert. Zwei dieser Werke umrahmten am Sonntag die Matinee des Dingstad-Quartetts in der Universitätsaula, die vom Göttinger Lions-Club Bettina von Arnim als Benefizkonzert organisiert wurde.

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Mit federndem Schwung, Grazie und Brillanz: das Dingstad-Quartett.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Mit Haydns Es-Dur-Quartett op. 33 Nr. 2 eröffneten die Gäste Elisabeth Dingstad und Anna Kuhlmann (Violinen), Immo Schaar (Viola) und Hendrik Zwiener (Violoncello), Mitglieder des Leipziger Gewandhausorchesters, den anregenden Vormittag. Die Werkgruppe ist dem Großfürsten Paul von Russland gewidmet, der 1781 Wien einen Besuch abstattete. Haydn steht hier auf der Höhe seiner Kunst: Souverän lässt er vier gleichberechtigte Partner kultiviert Konversation betreiben, geistvoll, spritzig und – besonders am vergnüglichen Schluss des Quartetts – mit unverhohlener Freude daran, die Hörerwartungen seines Publikums zu täuschen.

Die kompositorische Souveränität spiegelte sich im Spiel der vier Streicher, die mit ihrer Freude an der Ausdrucksvielfalt dieser Musik das zahlreiche Publikum ansteckten. Sie musizierten mit federndem Schwung, mit Grazie und mit Brillanz. Nur hier und da hätte man sich von der zweiten Violine einen noch selbstbewussteren Ton gewünscht.

Hochkonzentriert und mit atemberaubender Expressivität gestalteten die Musiker anschließend die sechs Bagatellen op. 9 von Anton Webern. Diese nicht mehr der Tonalität verpflichtete, aufs Wesentliche konzentrierte, kompromisslos verknappte Musik ist eine Herausforderung für die Hörer. Mit einer klugen Programmerweiterung gaben die Musiker eine Hörhilfe. Sie spielten anschließend Weberns acht Jahre zuvor entstandenen, ganz spätromantischen langsamen Satz für Streichquartett, in dem sich der Gestus der späteren Bagatellen vielerorts schon andeutet, auch wenn die Musik noch ganz auf dem Boden der Tonalität steht.

Das Finale der Matinee bildete ein zweites „russisches“ Quartett, Beethovens e-Moll-Quartett op. 59 Nr. 2, das der Komponist dem Grafen Rasumowsky gewidmet hat, dem Gesandten des Zaren am Wiener Hof. Beethoven hat hier Haydns musikalische Errungenschaften meisterhaft fortentwickelt. Das Dingstad-Quartett bewies abermals seine ausgereifte Kunst des gleichberechtigten Zusammenspiels und der liebevollen Ausformung auch kleinster Details.

Mit der Wiederholung des Haydn-Scherzos bedankten sich die Musiker für den begeisterten Applaus. Der war nicht allein der Ertrag des Konzerts: Mit mehr als 3000 Euro kann der Lions-Club das Göttinger Kinder- und Jugendtelefon und den ambulanten Hospizdienst Kimbu (häusliche Kinderkrankenpflege) unterstützen.

Von Michael Schäfer

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