Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -4 ° sonnig

Navigation:
Dirigent Lorenz Nordmeyer verabschiedet sich von Akademischer Orchestervereinigung

Zum Schwelgen und Schmelzen Dirigent Lorenz Nordmeyer verabschiedet sich von Akademischer Orchestervereinigung

Nachdem er mehr als zehn Jahre an der Spitze der Akademischen Orchestervereinigung (AOV) gestanden hat, verlässt Dirigent Lorenz Nordmeyer diese Position, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Er verabschiedete sich am Wochenende mit zwei groß dimensionierten Sommerkonzerten in der gut gefüllten Aula der Universität.

Voriger Artikel
Julius von Bismarck zeigt seine Werke im Alten Rathaus Göttingen
Nächster Artikel
Zum Stöbern: Fundus-Verkauf im Lager des Deutschen Theaters Göttingen

Beifall für Komponist und Dirigent: Nasser Jahromi (links) und Lorenz Nordmeyer.

Quelle: Schäfer

Göttingen. Es war ein fulminantes Programm mit orientalischem Flair, das nicht an markanten, lautstarken Höhepunkten sparte. Verwunderlich der Beginn: Das war doch nicht die Ouvertüre zu Mozarts „Entführung“? Nordmeyer überraschte die Hörer zunächst mit einer ausgesprochen morgenländischen Musik, die nicht im Programmheft genannt war. Es handelte sich, wie in der Konzertpause von AOV-Musikern zu erfahren war, um den Satz „Marktplatz von Isfahan“ aus Carl Nielsens Suite „Aladdin“. Mozarts muntere Musik wirkte nach diesem Vorspiel sehr mitteleuropäisch, konnte aber dank der detailreichen Ausarbeitung durch die AOV-Musiker mit vielen Glanzpunkten aufwarten.

Im Mittelpunkt des Abends stand eine Uraufführung. „Rostam und Sohrab“ ist eine Episode aus Firdausis im 10. Jahrhundert gedichtetem Epos „Buch der Könige“, einem Meisterwerk der persischen Literatur. Zu dieser Geschichte hat der aus dem Iran stammende Musiker Nasser Khorremi Jahromi, Jahrgang 1958, eine 13-teilige Ballettsuite komponiert, von der sieben Sätze im AOV-Konzert aus der Taufe gehoben wurden. Jahromi hat schon lange seine iranische Heimat verlassen. Er wurde in Kassel ausgebildet und ist jetzt als Musikpädagoge in Göttingen und Alfeld tätig.

Die altpersische Geschichte, in ihren Grundzügen mit dem Hildebrandslied verwandt, ist ungemein kriegerisch. Entsprechend kampfbetont ist die Musik, die Jahromi dazu geschrieben hat – blechgepanzert, mit zahlreichen Schlagzeug-Attacken, wirkungsvoll rauschenden Beckenschlägen, nur selten von zurückhaltenden Passagen kontrastiert. Diese wiederum waren die musikalisch ergiebigsten Momente, etwa der düster-bedrohliche vorletzte Satz „Rostams Verdacht und Zweifel“. Es fällt nicht schwer, sich zu Jahromis Musik einen Monumentalfilm vorzustellen. Nur wären möglicherweise manche Dialoge dann vom Dröhnen der Posaunen übertönt.

Das musikalische Schwergewicht des Abends war das Finale: Rimski-Korsakows „Scheherazade“, eine zum Schwelgen und Dahinschmelzen schöne 1001-Nacht-Musik. Nordmeyer hatte seine Instrumentalisten auf die hochvirtuose Partitur sehr sorgfältig vorbereitet, die rhythmischen Finessen waren genauso präzise ausgearbeitet wie die fein differenzierten Klangfarben des groß besetzten Orchesters. Unter den zahlreichen schönen Einzelleistungen sei das betörend ausdrucksstarke Violinsolo von Katharina Diepold hervorgehoben, die virtuose Glanzlichter setzte. Der Beifall wollte kaum enden – zum Dank gab es den „Negertanz“ aus Nielsens „Aladdin“-Musik als Zugabe.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff