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"Don Karlos" im Deutschen Theater

Premiere "Don Karlos" im Deutschen Theater

Viel Besuch vom Staatstheater Kassel war am Sonnabend im Deutschen Theater. Schillers „Don Karlos“ hatte Premiere, inszeniert von Maik Priebe. Er hat auch dort schon gearbeitet und sich offenbar viele Freunde gemacht. Das Göttinger Publikum bedachte „Don Karlos“ mit sehr viel Beifall.

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Zerlegte Figuren

Zwei starke Charaktere: König Philipp II. (Paul Wenning) und Elisabeth von Valois (Marie Seiser).       

Quelle: Lefebvre

Göttingen. Der Raum ist mächtig, die Türen riesig. Susanne Maier-Staufen hat eine Bühne entworfen, die eines Königs würdig ist. Allerdings: Der kahlen Raum bietet den Schauspielern nur einige Stühle. Ansonsten sind sie auf sich allein gestellt. Hier residiert Philipp II. Hier treffen sich sein ungeliebter Sohn Don Karlos und der rebellische Idealist Marquis von Posa.

Erniedrigt und ermordet

Hier lebt Elisabeth von Valois, die Gemahlin des Königs, die der Kronprinz so sehr liebt. Am spanischen Hofe regieren Intrigen und Ränkespiele. Menschen werden erniedrigt und ermordet, das Schicksal von tausenden Untertanen wird hier verhandelt.

„Don Karlos“ ist das Werk, an dem Schiller am längsten arbeitete. Im Zeitraum von rund 20 Jahre schrieb er eine ganze Reihe von Versionen des Stoffs, und es verschoben sich Inhalte und Figuren­tableaus. Zu spüren ist der Sturm und Drang aus Schillers jungen Jahren, aber auch sein Interesse an Weltpolitik aus späterer Zeit. Die Jungen rebellieren gegen die Alten und wollen sie vom Thron stoßen.

Don Karlos verheddert sich hier in den Liebesbanden, während der Marquis von Posa idealistisch gegen den Machtmenschen Philipp antritt. Am Ende setzt sich der absolutistische Herrscher gegen den aufstrebenden Idealisten durch, die Rebellion wird mit einem einzigen Schuss beendet. Doch der Preis, den der König dafür zahlt, ist hoch. Letztlich triumphiert die Inquisition.

Starkes Ebsemble

Schon Schiller war klar, dass er vielleicht zu lange an dem Stoff gearbeitet hat. Ein Ergebnis ist die sehr verdichtete Sprache, die jetzt von den Theaterbesuchern ein hohes Maß an Konzentration fordert, vor allem, wenn die Tore des Bühnenraums geöffnet sind und die gesprochenen Wörter in den hinteren Bühnenraum verhallen. In diesem Palast wird zudem vor allem gesprochen und wenig gehandelt. Doch wer sich darauf einlassen kann, wird belohnt mit einer sehr konzentrierten und punktgenauen Inszenierung Priebes – und einem starken Ensemble.

Nächste Vorstellung

Die nächsten Vorstellungen: am 1., 9. und 27. Dezember um 19.45 Uhr im Großen Haus des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

Paul Wenning ist der Meister der kleinen Geste, seine Bühnenpräsenz enorm. Bemerkenswert, dass Marie Seiser als seine Ehefrau Elisabeth von Valois ihm ganz stark Paroli bieten kann. Moritz Schulze ist ein zutiefst verwirrter romantischer Don Karlos, der aber auch aufbrausen kann. Gabriel von Berlepsch zeigt einen stürmenden und drängenden Idealisten, der zudem über einiges machtpolitische Geschick verfügt, sich aber verkalkuliert.

Und Katharina Uhland verstrickt sich als Prinzessin von Eboli ausweglos in ihre Liebesintrigen. Das Quartett setzt die Glanzlichter einer starken Ensembleleistung. Bemerkenswert am Rande: Bühnenbildnerin Susanne Maier-Staufen, die auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, lässt die Männer in eher legerer Alltagskleidung auftreten, die Frauen hingegen in höfischen Gewändern. Die einen handeln, die anderen repräsentieren. So war das wohl in Schillers Welt.

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