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Doppel-Klavierabend im Clavier-Salon Göttingen

Caroline Oltmanns und Christoph Müller Doppel-Klavierabend im Clavier-Salon Göttingen

Was für eine Tragik: Der an Schizophrenie erkrankte Robert Schumann schrieb in den wenigen Stunden zwischen seinem missglückten Selbstmord und der Einweisung in eine geschlossene Anstalt seine „Geistervariationen“. Dieses erst 1994 veröffentliche und selten gespielte Werk war das Zentrum beim Doppel-Klavierabend am Mittwoch im ausverkauften Clavier Salon mit Caroline Oltmanns und Christoph Müller. Konzept des Abends: Schumann trifft Ravel.

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Zwei Pianisten an einem Abend: Christoph Müller und Caroline Oltmanns.

Quelle: SPF

Göttingen. Schumanns „Geistervariationen“ wirken bei Oltmanns wie ein Lichtstrahl, der aus düsteren Wolken leuchtet. Hingebungsvoll spielt sie das hymnische Thema und verleiht ihm Glanz und Größe. Die darauf folgenden Variationen umspielen das Thema und werden immer komplexer. Das Werk endet im Original aufgewühlt und unvollendet. Die 53-jährige aus Fürth stammende und in den USA lebende Pianistin rundet es dagegen ab und wiederholt das schöne Eingangsthema. Damit verändert sie die Wirkung des Werkes entscheidend, doch der Schluss erscheint wie ein herzlicher Abschiedsgruß an den Komponisten.

 
Müller – Neffe der Pianistin – stellt dem Romantiker Schumann den Impressionisten Maurice Ravel gegenüber. Meisterhaft interpretiert der 23-Jährige dessen atmosphärisches Werk „Miroirs“. Mystisch lässt er Töne ineinander verschwimmen, spielt mit der Stille und brilliert fingerfertig bei den hellklingenden Ton-Wellen. Ravels Harmonik und Klangschichten wirken wie ein klingender Tagtraum, die Schönheit dieser geheimnisvollen Musik muss unterbewusst erspürt werden. Der typische warme Klang des Bösendorfer-Flügels kommt dem Spiel Müllers entgegen. Als weiteres Werk von Ravel wählt er „Le Tombeau de Couperin“ – also eine Hommage an den französischen Barockkomponisten Francois Couperin. Dieses Werk geht der junge Pianist zurückhaltend an, um es final furios zu steigern.

 
Oltmanns beendet das großartige und vom Publikum gefeierte Konzert mit dem berühmten Carnaval Opus 9 von Schumann. Die zwanzig Miniaturen sollten pausen- und atemlos durchgespielt werden. Die Pianistin bündelt sie dagegen zu fünf Gruppen, was hilfreich ist, um den Zyklus besser zu verfolgen. Die Interpretin moderiert das Werk als „riesengroße Party“ an und geht es entsprechend schwungvoll an. Sie betont die verspielten Facetten, intoniert mal hart und scharf oder introvertiert. So gibt sie jeder Szene einen eigenen Charakter. Innovativ geht sie mit dem Satz „Sphinxes“ um: Wo der Komponist „Stumme Notation“ vorgibt, füllt sie die Stille überzeugend mit einer dafür geschriebenen modernen Komposition.

 
Mit „Carnaval“ schloss Oltmanns einen tragischen, ja mysteriösen Kreis zu den „Geistervariationen“: Der versuchte Selbstmord Schumanns geschah in Düsseldorf an einem Rosenmontag inmitten des rheinischen Karnevals.
Das nächste Konzert im Clavier-Salon, Stumpfebiel 4, Göttingen: ein Duoabend am Samstag, 29. August ab 19.45 Uhr mit Chulmin Lee und Kangho Kim.

 

Von Udo Hinz

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