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Doppel-Matinee mit mongolischer Musik und Film im Jungen Theater

"Das weinende Kamel" Doppel-Matinee mit mongolischer Musik und Film im Jungen Theater

In ein rotes Kleid gehüllt betritt sie die Bühne, strahlt ihr Publikum an. Nach einer Weile beginnt Urna Chabar-Tugchi (46), die mongolischen Lieder ihrer Heimat zu singen. Diese Musik bewegt die Herzen der Menschen – und die der Kamele, erfahren Gäste einer Doppel-Matinee im Jungen Theater.

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Sängerin Urna Chabar-Tugchi ist in einer Nomadenfamilie, die Pferde züchtet, aufgewachsen.

Quelle: Heller

Göttingen. Dort gab bei einer Veranstaltung der Filmkunstfreunde Göttingen neben Urnas Konzert den deutschen Dokumentarfilm „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ (2003) von Byambasuren Davaa und Luigi Falorni zu sehen. Er erzählt von mongolischen Nomaden in der Wüste Gobi. Ein zottiges, braunes Kamel will sein weißes Junges nicht annehmen. Herzzerreißend klingen die Klagerufe des Fohlens. Am Himmel kreisen Raubvögel.

Die Hirtenfamilie versucht vergebens, Mutter und Kind zusammenzuführen. Am Ende schickt sie ihre zwei Jungen in die eine Tagesreise entfernt liegende Stadt, um einen Pferdekopfgeiger zu holen. Das Instrument wird vom Musiker um einen der Höcker der Stute gehängt. Der Wind streicht über die Saiten. Dann beginnt der Geiger zu spielen. Eine Frau singt. Und tatsächlich: Nun erhört das Tier ihr Junges.

In einer Nomadenfamilie, die Pferde züchtet, ist Sängerin Urna aufgewachsen. „Ich stamme aus dem Ordos-Distrikt im Südwesten der Inneren Mongolei“ berichtet sie. Das Gebiet gehört zur Volksrepublik China. Mit zehn Jahren muss sie zur Schule. Weil der Weg so lang ist, reitet sie die Strecke. Nach der Mittelschule setzt sie sich das erste Mal in ihrem Leben in einen Zug. Das Bauernmädchen, das zu diesem Zeitpunkt kein Wort Chinesisch spricht, will in Shanghai Musik studieren. 1990 wird die 21-Jährige aufgenommen. Zwei Jahre später beginnt sie, weltweit Konzerte zu geben. Heute lebt sie in Berlin.

„Als Meer der Lieder ist meine Heimat bekannt“, erzählt sie. Zahllose Volkslieder hat sie als Kind gelernt. Weitere Stücke hat sie selbst geschaffen. In Göttingen besingt sie Mutter Erde, verzichtet dabei auf das Mikro und füllt mit ihrer kräftigen Stimme den Raum. Sehr schnell und voller Kraft ist ein Lied, dass die Mongolen nach einem harten Arbeitstag singen. „Da vergessen wir die Müdigkeit“, sagt sie lachend. Sie bekommt viel Applaus.

 Von Michael Caspar

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