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Dramatische Hochspannung

Premiere im Staatstheater Kassel: Elektra von Richard Strauss Dramatische Hochspannung

Spontane Bravorufe nach Opernpremieren sind häufig. Meistens hört man dazwischen aber auch lautstarke Buhs. Nicht so nach der „Elektra“-Premiere am Sonnabend in Kassel: Das Publikum war einhellig begeistert und feierte das Ensemble mit minutenlangem, lautstark prasselndem Applaus.

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Ingela Brimberg als Elektra.

Quelle: Klinger

Kassel. Eindreiviertel Stunden lang herrschte dramatische Hochspannung, ohne dass einmal der Bogen brach. Das war sicher das Resultat der nervös-erregten Musik von Richard Strauss, aber das verdankte sich ebenso der darstellerischen Kunst des Ensembles wie dem stimmigen Konzept des Regisseurs Markus Dietz.

Bühnenbilderin Ines Nadler hat die Hinterwand mit weißem Papier bespannt, das immer wieder von den Personen der Handlung durchstoßen wird. Hinter der Wand liegt der Palast des mörderischen Paares Aegisth/Klytämnestra. Und eine solche Wand kann vor dem abgrundtiefen Hass Elektras, die den Mord an ihrem Vater Agamemnon rächen will, keinesfalls schützen. Das Weiß der Wand wird sehr bald mit blutroten Flecken beschmutzt.

Dafür hat Dietz hat eine sehr kluge Idee: Gleich zu Beginn tauchen vier Kinder ihre Hände in rote Farbe und beschmieren die Wand. Sie stellen den Sohn und die Töchter Agamemnons in dem Alter dar, als der Mord an ihrem Vater geschah. Das macht zum einen die traumatische Verletzung sinnfällig, die ihnen damals zugefügt wurde, zum anderen erhöht die sichtbare kindliche Unschuld den Kontrast zum lodernden, todbringenden Hass Elektras.

Brimberg mit enormer musikalischer Intensität

Diese Gefühle setzt die schwedische Sopranistin Ingela Brimberg – in Kürze als Senta an der Deutschen Oper Berlin zu erleben – mit enormer musikalischer wie darstellerischer Intensität um. Ihre Stimmkraft, die sie ohne jede Schärfe im Timbre einsetzt, ist umwerfend, mit ihrer Präsenz zieht sie alle Blicke auf sich. Ihre litauische Kollegin Vida Mikneviciute ist ein ebensolches vokales Kraftpaket. Sie kann ohne irgendwelche Ermüdungserscheinungen auch über ein Tutti-Fortissimo noch strahlende Spitzentöne leuchten lassen.

Nicht minder eindringlich gestaltet Ulrike Schneider aus dem hauseigenen Ensemble die Partie der Klytämnestra. Ihr Mezzosopran reicht bis in rabenschwarze Tiefen. Young Doo Park ist ein eindrucksvoller Orest, Johannes An ein angemessen unsympathischer Aegisth. Das brillant besetzte Quintett der Mägde und die zahlreichen weiteren kleineren Partien sind fast durchweg auf demselben hohen Niveau.

Der scheidende Generalmusikdirektor Patrik Ringborg sorgt am Dirigentenpult für einen nie nachlassenden Strom glühender, peitschender, erregender Klänge, die sein Orchester spannungsreich und mit hoher Konzentration präsentiert. Ein fesselnder Opernabend, der sich tief in die Erinnerung einbrennen wird.
Termine: 22. Februar, 4., 15. und 24. März, 13. Mai und 8. Juni um 19.30 Uhr. Karten unter staatstheater-kassel.de, telefonisch unter 05 61/10 94-222

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