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"Drei Mal Leben" inszeniert von Christine Hofer am Jungen Theater Göttingen

Ausufernder Streit "Drei Mal Leben" inszeniert von Christine Hofer am Jungen Theater Göttingen

Als Karsten Zinser die Bühne vom Jungen Theater (JT) betritt, trägt er ein Fanshirt der US-amerikanischen Fernsehserie Breaking Bad. Darin geht es um einen Familienvater, der sich peu à peu zum skrupellosen Drogenboss entwickelt. Zinser präsentiert damit ein Detail, das man leicht übersieht.

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"Drei Mal Leben" inszeniert von Christine Hofer am Jungen Theater Göttingen

Quelle: Archiv

Göttingen. Aber eines, das mehr mit dem Stück zu tun hat, als man im ersten Moment vermuten mag. Denn sowohl in dem Theaterstück als auch in der Serie geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann.

Zinser spielt in dem Stück „Drei Mal Leben“, das im JT vor nahezu ausverkauftem Haus Premiere feierte, die Rolle des Astrophysikers Henri. Bislang hatte dieser nur mäßig Erfolg. Also fassen Henri und seine Ehefrau Sonja, gespielt von Linda Elsner, den Plan, seinen Kollegen Hubert Finidori nebst Ehefrau zum karriereförderlichen Stelldichein einzuladen. Doch das Paar Finidori, Jan Reinartz und Agnes Giese, steht einen Tag zu früh vor der Tür.

Kleinigkeiten, die alles aus den Fugen geraten lassen, sind das vorherrschende Thema des Stückes. Details, Bemerkungen, einzelne Worte werden von den Beteiligten immer wieder benutzt, um Machtverhältnisse zu verändern, Sympathien neu zu verteilen oder schlichtweg in Rage zu geraten. Drei Versionen des Besuchsablaufs werden gespielt, keine kommt ohne Streit aus.

Schauspielerisch überzeugt vor allem Zinser, der von einer Sekunde auf die nächste von zorniger Raserei in ulkig gespielte Trunkenheit wechseln kann. Dennoch gibt die Inszenierung von Christine Hofer inhaltlich oft Rätsel auf: Argumentationsketten bleiben undurchschaubar, Reaktionen sind nicht nachvollziehbar.

"Drei Mal Leben" hat die französische Autorin Yasmina Reza geschrieben, deren Stück "Der Gott des Gemetzels" 2011 von Roman Polański verfilmt wurde. Beide Geschichten ähneln sich. In beiden geht es um zwei Paare, die über eine Kleinigkeit in einen ausufernden Streit geraten. In der JT-Inszenierung wird die Szenerie mit schroffer Tölpelhaftigkeit überfrachtet.

Die Schauspieler spielen sehr körperlich. Auf der Bühne wird gesprungen, getobt und gewütet. Man rastet aus, schlägt oder umgarnt sich, allerdings zu intensiv, um noch glaubhaft zu erscheinen. Das ist schade, denn aus der geistvollen Komödie wird so eine bloße Aneinanderreihung plumper Slapsticks. Gelacht wird im Publikum trotzdem. Doch übertönt die Trottelhaftigkeit der Figuren jeden Versuch, die Intention, Charakterzüge oder Haltung der Handelnden zu erfassen. Ein Haufen nicht einschätzbarer Deppen, die den Zuschauer kaum berühren. So bleibt "Drei Mal Leben" hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ein Theaterabend, der sicherlich gut unterhält, aber ohne einprägsam zu sein.

Von Daniela Lottmann

Die nächsten Vorstellungen von "Drei Mal Leben" im Jungen Theater, Hospitalstraße 6, in Göttingen um 20 Uhr am Dienstag, 24. März, Sonnabend, 28. März, Donnerstag, 2. April, um am Freitag, 17. April (Kartentelefon 0551 / 495015;  junges-theater.de).
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