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Die Kunst mit Worten

Drittes Poetree-Lyrikfestival im "Dots" Die Kunst mit Worten

Einen Einblick in ihre Kunst mit Worten haben am Sonnabend sechs deutschsprachige Lyriker rund 350 Besuchern während des Poetree-Lyrikfestivals im Börnerviertel in Göttingen geboten. Dabei präsentierten sie Kunstformen wie Poetry-Slam, Song- und Sound-Poesie sowie Graphic Poetry.

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Quelle: Madita Oeming

Göttingen. Die Vielfalt der Poesie stand während des dritten Poetree-Lyrikfestivals, das vom Literarischen Zentrum Göttingen, dem Dots und dem privaten Institut für angewandte Unterhaltung organisiert wurde, im Vordergrund. So bot die Veranstaltung einen Auftritt der Sieger des Teamwettbewerbs der deutschen Poetry-Slam-Meisterschaften 2016 Volker Strübing und Michael Ebeling und Sound-Poesie von der schwedisch-finnischen Autorin Cia Rinne. Etwa 40 Minuten lang trug Rinne ihre mehrsprachigen Gedichte vor und legte dabei den Fokus auf den Klang der Worte.

Lyrik werde immer politischer, sagte der in Göttingen geborene Dichter Tristan Marquardt auf der Bühne. "Literatur bekommt immer mehr soziale Praxis. Politik in der Literatur bedeutet ja nicht, parteipolitische Inhalte in Texte umzuwandeln", führte er weiter aus und ergänzte, dass politische Themen heutzutage zwanglos auf ganz unterschiedliche Weise und mehreren Ebenen in der Lyrik behandelt werden. Politische Themen in der Lyrik befürworte er, "weil das die Gegenwart widerspiegelt".

Graphic Poetry, auf Deutsch konkrete Poesie, aus ihrem 2014 erschienen Gedichtband "Rose und Nachtigall" präsentierte Safiye Can während des Lyrischen Speed-Datings, bei dem die Besucher die Dichter und ihre Werke an unterschiedlichen Stationen kennenlernen konnten. Das Erscheinungsbild und die aüßere Form des Textes zeichnen Cans Gedichte aus.

"Weniger ist Nichts" war eines ihrer Gedichte, das sie einigen Besuchern vorstellte. "Wir sind im Bereich der destruktiven Gedichte. Es geht um die Extreme der Liebe", erklärte sie und fügte an: "Das ist genau die Situation in der Liebe, in der man sich selbst nicht wiedererkennt."

Eine Symbiose aus Lyrik und Gitarrenmusik boten der schweiz Dichter Michael Fehr und der Musiker Manuel Troller. Mit blueslastigen Gitarrenklängen vertonte Troller Fehrs Gedichte. Mit seiner rauchigen Stimme und einer Mischung aus Sprechen und Gesang begeisterte Fehr das Publikum, das ihn mit lautstarkem Applaus belohnte. Gezielt setzte Fehr dabei Betonung, Pausen, seine Körpersprache und die Lautstärke seiner Stimme ein, um seine Worte bildhaft zu machen. So schrie der Schriftsteller, der auch der "Berner Tom Waits" genannt wird, einige Male auf, während er sein Gedicht "Der Teufel und das Grauen" performte. Einige Zuschauer erschraken sich, andere freuten sich sichtlich über Fehrs Hingabe.

Der schweizer Künstler zeigte am Ende seines Konzerts musikalisch eine andere Seite von sich. "Das nächste Lied ist vom Text her recht simpel. Es ist ein bisschen Schlager aber auch Soul-Musik und Uptime enthalten", sagte er und spielte sein Liebeslied "Mädchen". Für ihre Performance ernteten Fehr und Troller sehr viel Applaus.

"Wie Michael Fehr mit der Sprache umgeht, ist wunderbar und sehr raffiniert", sagte die Studentin Hanna Schmidt, die zum ersten Mal das Festival besuchte. Besonders beeindruckend fand sie seine ungewöhnliche Wortwahl. aa

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