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„Du hast kein Format, aber dafür ein Profil“

Kabarett „Du hast kein Format, aber dafür ein Profil“

„Wie der frühe Polt. Nur weiblich halt ... und hübscher!“ Dieses schöne Kompliment eines Fans kann Mia Pittroff für sich verbuchen. Am Freitag hat die Kabarettistin und Mundartpoetin ihr Programm „Ganz schön viel Landschaft hier“ im Göttinger Apex vorgestellt.

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Quelle: HW

Göttingen. Der Franke an sich hat es bekanntermaßen ja nicht so leicht. Für seinen Dialekt wird er oft und gerne belächelt. Bei Mia Pittroff ist das anders. Die gebürtige Oberfränkin parliert dermaßen charmant, unterhaltsam und lakonisch in „fränggischa“ Mundart, dass sie dafür Anlächeln, Schmunzeln und fröhliche Lacher erntet.

Auf dem Weg von Berlin nach Bayreuth zum 65. Geburtstag der Mutter unterwegs, sei sie auf Durchreise in Göttingen, erzählt Pittroff. Aus diesem familiären Rahmen heraus, und zwischendurch an einem Gedicht für die „Mudda“ schreibend, erklärt die 35-Jährige ihren Blick auf das Leben. „Ich bin ja ein nettes Kind“, gibt die studierte Germanistin die Unbedarfte, die staunend die Welt reflektiert. Ganz überschaubar, schlüssig und entwaffnend.

„Aber wie würde ich mich verhalten, wenn ich Ich wäre?“, sinniert sie. „Früher hat man auf der Bank vor dem Haus gesessen und gewartet, auf den Briefträger, auf den Tod. Das hatte Würde.“ Aber mit einem Vater, der „Sport-Rentner“ mit E-Bike ist, und technisch total hoch gerüsteten Eltern ist das Alter und das Altern eben nicht mehr das, was es einmal war. 

„Worüber ich nichts posten kann, darüber soll ich schweigen“, rechnet die 35-Jährige à la Wittgenstein mit der Kommunikationselektronik ab. Die sozialen Netzwerk schreddert sie in ihrem Chanson „Du hast kein Format, aber dafür ein Profil“. Und Lifestyle-Cafés lässt sie vergnüglich auf die gemächliche Retro-Variante mit Schreibblock, Stift und Bargeld prallen. 

Lange als Poetry Slammerin auf deutschen Bühnen unterwegs bezieht die Wahl-Berlinerin eloquent im Plauderton Position zwischen tätowierten Menschen, kryptischen QR-Codes und gepflegter Prokrastination mit To-do-Listen. Sie plaudert, liest, singt, schauspielert und sie tanzt rührend unbeholfen. Mitunter wähnt man sich fast in einer Theatervorstellung.

„Ich bin eher so der freundliche Typ“, sagt Pittroff. Im Kabarett sei das eher problematisch, weil man eine gewisse Grundaggression und „ein Bühnen-Böse“ erwarte. Die Welt zu hinterfragen und bei sich selbst nicht Halt zu machen ist einfach konsequent. Ebenso wie die wunderbar schräge Zugabe des Helene-Fischer-Hits „Atemlos“ auf der Blockflöte.

Von Karola Hoffmann

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