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Ehepaar Gwisdek stellt Thriller vor

Lesung in Göttingen Ehepaar Gwisdek stellt Thriller vor

Es ist in gewisser Weise eine Premiere beim Göttinger Kultursommer, denn die Autorin liest selbst: Zusammen mit ihrem Mann Michael präsentiert Gabriela Gwisdek am Sonntagabend ihren Thriller „Nachts kommt die Angst“.

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Gabriela Gwisdek stellt ihren Thriller „Nachts kommt die Angst“ vor – und ihr Mann macht eine Comedynummer daraus.

Quelle: Heller

Göttingen.  Eine Lesung der etwas anderen Art erwartete das Publikum am Sonntagabend im Alten Rathaus. In „Nachts kommt die Angst“ zieht es die Hauptfigur Alexandra Fischer wegen einer gescheiterten Beziehung in ein einsames, verlassenes Haus im Wald. Dort in der Nähe treibt sich ein Serienkiller herum, der sechs Frauen auf dem Gewissen hat – die alle rothaarig sind. Im Haus gehen plötzlich merkwürdige Dinge vor sich. Doch davon soll am Sonntagabend erst einmal nicht die Rede sein.

Unter großem Applaus stolpern die Autorin und ihr Ehemann auf die Bühne. Es sollte noch 30 Minuten dauern, bis das Publikum den ersten Zeilen aus dem Thriller lauschen konnte: Vorweg entertainte Michael Gwisdek mit Anekdoten aus seiner Kindheit und Ehe, Diskussionen mit dem Publikum darüber, ob erst die Frau oder der Mann die Bühne betritt und der Frage, ob der Berliner Akzent stören würde – das Publikum verneint und antwortet mit großem Beifall.

„Der Roman ist sowieso nicht so interessant“, sagt Michael Gwisdek, und seine Frau lacht. „Rothaarige Frauen werden ermordet und einer ist der Mörder – das ist der Inhalt“, fasst er zusammen. Großes Gelächter im Publikum und eine Atmosphäre wie bei einer Comedyshow.

Nach 30 Minuten nimmt Gabriela Gwisdek das Ruder selbst in die Hand. Routiniert und mit unaufgeregter Stimme liest die Autorin aus ihrem Buch und versetzt den Zuhörer direkt an den Ort des Geschehens: Ein Bahnsteig irgendwo in Brandenburg ist die Szene, in der die Protagonistin ihren neuen Wohnort erreicht. Es fällt schwer, sich auf die Ernsthaftigkeit einzulassen, wo man nun doch die ganze Zeit auf einen bissigen Kommentar von Michael Gwisdek wartet. Dieser liest laut, betont die einzelnen Figuren und bringt die nötige Spannung in die Geschichte. „Wir machen immer Sprünge wenn Blut kommt oder so“, unterbricht er sich selbst. Gelächter aus dem Publikum. 

Zwischen den gelesenen Passagen erfährt das Publikum durch Erzählungen vieles über den Entstehungshintergrund der Geschichte, der auf eigenen Erfahrungen beruht: Nachdem Michael Gwisdek ein Waldhaus seiner Tante geerbt hatte, musste seine Frau dort alleine übernachten. Geräusche auf dem Dachboden, die auch ihre Romanfigur in Angst versetzen, sondern auch sie selbst, entpuppten sich in Wirklichkeit allerdings als ein harmloser Marder.

Von dem Abend bleiben überwiegend Anekdoten aus dem Leben des Ehepaars – weniger der Inhalt des Buches. So äußert es auch jemand aus dem Publikum: Es fehlte die Spannung. Es war durchaus mal eine andere Form der Lesung. Ob die der Seriosität des Thrillers gut tut, bleibt offen.

Mit der Musik-Kabarettistin und Trägerin des Deutschen Kleinkunstpreises, Nessi Tausendschön, wird der Göttinger Kultursommer am Sonntag, 24. Juli, fortgesetzt. Ihr Programm „Die wunderbare Welt der Amnesie“ beginnt um 20 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9. Karten gibt es zum Preis von  17 und 14 Euro (ermäßigt)  in der Tourist-Information im Alten Rathaus und an der Abendkasse.

Von Tomke Aljets 

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