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„Ein Sommernachtstraum“ am Deutschen Theater Göttingen

Heidenspaß mit Glamour „Ein Sommernachtstraum“ am Deutschen Theater Göttingen

Der Sommernachtstraum von William Shakespeare ist eine großartige Komödie und zählt zu den meistgespielten Stücken des Dichters. 2014 wird der 450. Geburtstag des großen Engländers gefeiert und viele Bühnen haben den Sommernachtstraum auf den Spielplan gesetzt. Im Deutschen Theater hatte am Sonnabend in der Inszenierung von Matthias Kaschig eine Fassung Premiere, die dem Text vertraut und relativ dicht am Original  bleibt.

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Geben die Handwerker: Benedikt Kauff, Nikolaus Kühn, Andreas Jeßing, Vanessa Czapla und Lutz Gebhardt (von links).

Quelle: Aurin

Göttingen. In einem Wald bei Athen herrscht in dieser einen Nacht ein schreckliches Durcheinander.  Oberon und Titania, ein Feenkönigspaar, haben Streit miteinander.

Um sich zu rächen und Titania gefügig zu machen, stellt Oberon mithilfe seines Kobolds Puck einen Zaubertrank her. Wer im Schlaf diesen Saft auf die Lider bekommt, verliebt sich unweigerlich in den ersten, den er beim Aufwachen sieht.

Im Wald sind aber auch vier unglücklich verliebte Athener unterwegs. Demetrios liebt Hermia, die ihn auf Befehl ihres Vaters auch heiraten soll. Sie aber liebt Lysander und will mit ihm durchbrennen. Helena ist unglücklich in Demetrios verliebt. Oberon will Helena helfen, stiftet mit seinem Zaubertrank aber nur weiteres Unheil.

Für eine Hochzeitsfeier

Und dann stolpert da noch eine Laienspieltruppe durch den Wald, die ein Stück für eine Hochzeit probt. Ihren besten Mann Zettel (herrlich: Gerd Zinck) verwandelt Puck in einen Esel. Und in diesen Esel verliebt sich Titania, als sie aus dem Schlaf erwacht. Zum guten Schluss bringt ein Gegenzauber alles wieder einigermaßen ins Lot. Ein schaler Geschmack bleibt bei den beteiligten Menschen allerdings.

Shakespeare hat den Sommernachtstraum wohl als Auftragsarbeit für eine Hochzeitsfeier geschrieben. Ob es sich bei seinem Stück lediglich um eine Liebesgeschichte in einer Zauberwelt handelt, oder diese Nacht für eine Reise ins Unterbewusstsein, in die Welt der unerfüllten Sehnsüchte steht, ob Shakespeare die Ehe und die Abhängigkeit der Frauen von den Männern kritisieren wollte, darüber gibt es viele kluge Kommentare.

Kaschigs Inszenierung gibt diesen Möglichkeiten Raum. Neben all dem Spaß, den er dem Publikum mit den Elfen, dem Kobold Puck und der Laienspielgruppe bereitet, lässt Kaschig die jungen Athener doch sehr ernsthaft spielen, wenn etwa Hermia (Katharina Uhland) ihre Zweifel an Lysanders (Bardo  Böhlefeld) Treue, ihre Furcht vor neuer Abhängigkeit äußert. Oder Helena (Rahel Weiss) verzweifelt an ihrer nicht erwiderten Liebe zu Demetrios (Emre Aksizoglu).

Cleveres Bühnenbild

Ein schlichtes, aber cleveres Bühnenbild von Michael Böhler: Lediglich eine Wand  aus luftig-flauschigen Stoffen, einer Höhle und verschiedenen verborgenen Durchgängen. Kaschig, neuer Hausregisseur am DT, lässt Karl Miller als Titania antreten – ein wunderbarer Einfall.

Genau richtig dosiert Miller seine Auftritte im langen Glitzerkleid, ein bisschen Glamour, ein bisschen Eigensinn, viel Selbstvertrauen. Herrlich. Schön auch, dass Miller, in England geboren und aufgewachsen, eine Passage Shakespeares im englischen Original spricht. Gaby Dey spielt den Oberon und bleibt dabei  blass.

Wut und Machthunger des Königs sind kaum spürbar. Benedikt Kauf gibt einen überzeugend lässigen Puck, manchmal genervt und mit diebischem Spaß an den Irrungen und Wirrungen der Menschen.

Die vier jungen Athener sind ein starkes Quartett, ein wenig ragt Rahel Weiss dabei heraus.  Wunderbar die Laienschauspieltruppe, allen voran Zettel und Lutz Gebhardt als Thispe. Nur zum Schluss vielleicht haben da Regisseur und Schauspieler, für die es natürlich ein Heidenspaß ist, die Laiendarsteller zu geben,  ein bisschen überzogen. Benjamin  Krüger im Schlumpfkostüm als Mond ist dann doch hart an der Grenze zum Klamauk.

Insgesamt ein schöner  Theaterabend, an dem das Premierenpublikum viel Freude hatte.

Die nächsten Vorstellungen im Deutschen Theater, Theaterplatz 11, im DT-1 um 19.45 Uhr am 22. und 30. Oktober sowie am 2., 8., 11., 21. und 28. November (Kartentelefon 0551 / 4969-11).

Von Christiane Böhm

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