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„Ein Tag mehr ist ein Tag weniger“

Kabarettist Kai Magnus Sting im Apex „Ein Tag mehr ist ein Tag weniger“

„Kennen Sie das …?“ Kai Magnus Sting kommt aus dem Ruhrgebiet. Aber seine Geschichten sind universell. Am Freitag hat der Kabarettist im nahezu ausverkauften Göttinger Apex festgestellt: „Immer ist was, weil sonst wär' ja nix“. So auch der Titel seines Programms.

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Kai Magnus Sting

Quelle: EF

Göttingen. Sting redet wie ein Wasserfall. Und trifft in seiner sehr eigenwilligen Logik den Nagel auf den Kopf. „Man merkt das eigene Alter. Und was ich so schlimm finde am Alter: wie jung die anderen werden.“ Etwa sein Hausarzt, der jünger ist als er selbst, dazu braun gebrannt, dynamisch und durchtrainiert. Und so einer empfiehlt ihm, Sport zu treiben. Nichts für Sting: „Ich bin immer erst nach der dicken Susi ins Team gewählt worden.“

 
​Auch bei Starbucks kommt der Duisburger an seine Grenzen. Überall junge Leute, die „auf ihren ‚iPadPods‘ rumwischen und communicaten. Aber keiner redet mehr miteinander“. Dann doch lieber „Cron & Lanz. So'n Omma-und-Tanten-Café. Kennen Sie das?“ Da kann einer wie Sting noch richtige Gespräche miterleben. Dem Jugendwahn hinterher hetzen ist nichts für den 37-Jährigen.

 
​Seit mehr als 20 Jahren ist Sting auf Bühnen unterwegs. Er ist Kabarettist und hat eine wöchentliche Kolumne auf WDR. Als Autor hat er einen Kriminalroman und zwei Kriminalhörspiele auf den Markt gebracht. Auf Bühnen ist er unter anderem mit Bastian Pastewka, Inga Busch, Janina Sachau und Alexis Kara (ehemals Göttinger Comedy-Company) mit einem Krimi-Live-Hörspiel von Francis Durbridge zu sehen.

 
​Der Mann aus dem Ruhrgebiet ist ein genauer Beobachter. Einer, der den Leuten aufs Maul schaut. Er redet, gerne auch im Ruhrpott-Dialekt, in einem wahnsinnigen Tempo. Aber er nimmt sich dabei die Zeit, Geschichten zu erzählen. Geschichten aus dem Alltag, in ihren Feinheiten genau – und fast liebevoll – beobachtet, mal spöttisch, mal bissig auf den Punkt gebracht. „Es ist doch immer was. Selbst wenn nix is, is ja was. Nämlich nix.“

 
​Und so ist immer was. Ob mit der Familie, wie ein aberwitziges Telefonat mit Tante Frieda oder die Dekorationswut der Freundin zeigen, beim Bäcker („Rhabarber ist im Angebot“), in dusseligen Fernsehsendungen oder in der Nachbarschaft, wo nachts um halb drei lautstark Nudelsalat-Rezepte auf der Straße ausgetauscht werden. Das Publikum kommt kaum aus dem Lachen heraus, und viel Zustimmung ist zu vernehmen.

 
​Meist geht es in Stings Erzählungen um Kommunikationsschwierigkeiten. Etwa wenn die Oma ihre hoch philosophischen Weisheiten wie „Ein Tag mehr ist ein Tag weniger“ von sich gibt. „Watt will die Omma mir damit sagen?“ Darauf die Oma: „Ja, man weiß et nich.“ Sting: „Und das is Heidegger.“

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