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Ein Weltstar an der Violine

Göttinger Symphonie-Orchester Ein Weltstar an der Violine

Ein Weltstar der Violine war am Freitag zu Gast im Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO): der Geiger Frank Peter Zimmermann. Er spielte den Solopart im zweiten Violinkonzert von Béla Bartók – das Publikum in der ausverkauften Stadthalle raste vor Begeisterung.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. „(R)Evolution“ hieß das Motto des Abend, das allen drei vorgestellten Werken auf unterschiedliche Weise gerecht wurde. Die Ouvertüre zu Haydns „Schöpfung“ steht gewissermaßen ganz am Anfang der Evolution, die sich auch im deutlichen Traditionsbezug des Bartókschen Violinkonzerts dokumentiert. Und Beethovens „Eroica“ hat etwas mit der Begeisterung des Komponisten für den (zeitweiligen) Revolutionär Napoleon Bonaparte zu tun, das geht aus dem Titelblatt des Manuskripts hervor.

Dass Haydns „Vorstellung des Chaos“, der eröffnende Instrumentalsatz der „Schöpfung“, dem GSO-Chefdirigenten Christoph-Mathias Mueller am Herzen liegt, war vom ersten Takt an zu spüren. Fein ausgehorcht waren die Farbwechsel der Klänge, der Weg vom Einklang zu tastend sich fortentwickelnden Klängen und Formen war hochpräzise nachgezeichnet. Ein faszinierendes Vorspiel zum Bartók-Konzert.

Zimmermann präsentierte seinen Solopart mit einer Souveränität, die durch keine technische Schwierigkeit zu erschüttern ist. Man sieht diesem bravourösen Geiger keinerlei Anstrengung an. Beinahe lässig ist sein Spiel. Er kombiniert lupenreine Exaktheit mit frei sich entfaltender Leidenschaft. Die seligen Glücksmomente der Bartókschen Kantilenen in seinem Spiel bewirken geradezu eine Euphorie beim Zuhören. Das erlebt man nicht alle Tage. Und die rhythmisch kniffligen Passagen im Finale dieses Konzerts bewältigt er mit jugendlichem Temperament, mit hell lodernder Spielfreude. Den begeistert brausenden Applaus belohnte Zimmermann mit einer hochvirtuosen Violinfassung des g-Moll-Klavierpréludes von Sergej Rachmaninow.

Für das perfekt ausgewogene Zusammenspiel zwischen dem Solisten und dem Orchester sorgte Mueller mit hellwacher Umsicht. Das symphonische Finale nach diesem konzertanten Feuer hatte er klug gewählt: Beethovens „Eroica“ hat eine derartige Größe, dass sie gegen ein solches Erlebnis souverän bestehen kann. Vor allem dann, wenn sie derart spannungsreich, brillant, dynamisch kontrastreich musiziert wird, wie es die GSO-Musiker unter dem hochkonzentrierten, leidenschaftlichen Dirigat ihres Chefdirigenten vorführten. Keine Frage, dieser Abend war ein Höhepunkt der Konzertsaison.

Die nächsten Konzerte des Göttinger Symphonieorchesters

•„Kulturelle Begegnung – Perspektive China“ am Sonntag, 7. Februar, um 19.45 Uhr im Deutschen Theater,

• Konzert „Tauwetter“ (Zyklus I) am Freitag, 19. Februar, um 19.45 Uhr in der Stadthalle, Albaniplatz 2,

• Sonderkonzert Stiftung „Jugend musiziert“ Niedersachsen Sonntag, 21. Februar, um 18 Uhr in der Stadthalle.

Frank Peter Zimmermann: Ein Weltstar zu Gast in Göttingen

Göttingen. Frank Peter Zimmermann ist ein weltweit gefragter Geiger. Dass er zum vergleichsweise kleinen Göttingen eine derart enge Beziehung pflegt, dass er dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) die Treue hält, hat verschiedene Gründe. Der erste: ein Konzert am 8. Dezember 1977 um 19 Uhr in der Stadthalle unter der Leitung von Volker Schmidt-Gertenbach präsentierte einen gerade mal zwölfjährigen Solisten, der in seiner Heimatstadt Duisburg Geigenunterricht nahm und zwei Jahre zuvor schon seinen ersten öffentlichen Auftritt gehabt hatte. Dieses Konzert vor nunmehr gut 38 Jahren – Zimmermann spielte Mozarts Violinkonzert KV 216 – war der Start seiner engen Beziehung zum GSO.

Nie hat es dabei Streit gegeben. Und auch der Wechsel der Chefdirigenten konnte diese Freundschaft nicht verändern. Ob unter Schmidt-Gertenbach, später unter Christian Simonis und nun unter Christoph-Mathias Mueller – Zimmermann stand so gut wie in jeder Saison auf dem Podium der Göttinger Stadthalle. Bisweilen waren diese Konzerte für ihn die Generalprobe für ein neues Werk in seinem Repertoire, mit dem er dann international auf Tournee ging.

Das GSO hat diese jahrzehntelange Freundschaft mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Zimmermann aktenkundig gemacht. Die Beziehung dokumentiert sich aber nicht nur auf dem Papier: Die Orchestermusiker applaudierten am Freitag ihrem Solisten ebenso hell begeistert wie das Publikum. Und Zimmermann revanchierte sich, indem er seinen Mitmusikern ebenfalls sehr deutlich Beifall spendete. Die GSO-Bratscherin Erika Benacka dürfte ihren GSO-Kolleginnen und -Kollegen aus der Seele gesprochen haben, als sie in der Pause glücklich lächelnd sagte: „Das war der Höhepunkt der Saison.“

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Von Redakteur Michael Schäfer

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