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Ein bisschen Space muss sein

Kinostarts der Woche Ein bisschen Space muss sein

Der Konsens-Komiker: Michael „Bully“ Herbig zappt sich im Kino noch einmal durch seine Fernsehshow „Bullyparade“. Ein Wiedersehen mit Mister Spuck, Abahachi und seinem Zwillingsbruder Winnetouch steht bevor. Kann Herbig mit „Bullyparade: Der Film“ (Kinostart: 17. August) an seine Erfolge „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ anknüpfen?

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Nein, das ist nicht der Schuh des Manitu: Schrotty (Rick Kavanian, v. l.), Mr. Spuck (Michael Herbig) und Captain Kork (Christian Tramitz) bei einer Weltraum-Räuberleiter.

Quelle: Warner

Manche Regisseure halten das Filmemachen für eine eher martialische Angelegenheit. Sich selbst sehen sie dabei in der Rolle eines Feldherren, der einsame Entscheidungen über Wohl und Wehe der Kunst trifft: „Ein Film ist wie ein Kriegsschauplatz: Liebe, Hass, Action, Gewalt, Tod“, hat US-Regisseur Sam Fuller mal gesagt. Also ein ziemlich extremes Unterfangen. Es gibt aber auch Kollegen, die Kino als reine Spaßveranstaltung betrachten. Ganz oben auf der Liste der Spaßvögel steht Michael „Bully“ Herbig. Bei ihm handelt es sich sozusagen um einen Kino-Pazifisten, der niemandem wehtun möchte. Hauptsache freundlich: So lautet die Devise für die Filme mit seinen Kumpels Rick Kavanian und Christian Tramitz.

Demokratischer Filmemacher Herbig

Herbig ist aber nicht nur ein friedliebender, sondern auch ein demokratischer Filmemacher. Nach seinem Sensationserfolg „Der Schuh des Manitu“ ließ er im Internet darüber abstimmen, ob er einen zweiten Teil nachlegen soll – dann folgte nach einer Mehrheitsentscheidung „(T)Raumschiff Surprise“. Für „Wickie“ castete er seine Schauspieler in einer Fernsehshow. Und nun hat er für die „Bullyparade“ vorab über Facebook abgefragt, welche Figuren aus seiner legendären Fernseh-Comedy die Zuschauer am liebsten wiedersehen würden. So etwas nennt man wohl einen Konsens-Komiker. Man kann aber auch sagen: Es ist herzlich egal, was da am Ende seinen Weg auf die Leinwand findet.

Der Regisseur arrangiert ein Familientreffen

Entscheiden konnte sich Herbig trotzdem nicht, wem er denn nun den Vortritt lassen soll. Vielleicht wollte er auch keine Zuschauerminderheit enttäuschen. Deshalb hat er nun ziemlich viele Charaktere reaktiviert – und dann einen Episodenfilm gedreht. Das geht immer, zumal man sich nicht die Mühe machen und lange über einer abendfüllenden Geschichte brüten muss. Herbig hat ganz einfach ein Familientreffen arrangiert: Winnetou auf Freiersfüßen, Kaiser Franz und seine Sissi im Spukschloss, Captain Kork mit Spuck und Schrotty auf dem Planet der Frauen („PDF“), Dauerstudent Lutz an der Wall Street und die sächsischen Brüder Kasirske auf Zeitreise zurück ins Jahr 1989 – sie alle tun mit bei dem geballten Blödsinn.

Nur der arme Wickie darf nicht mitspielen. Die anderen bekommen ihr Viertelstündchen Zuneigung und verschwinden dann auf Nimmerwiedersehen. Eine Verlinkung der Geschichten hat Herbig erst gar nicht angestrebt, das wäre dann ja womöglich ein richtiger Kinofilm geworden und keine Abfolge von Sketchen. Und dann beginnen die Verkleidungsalbernheiten mit Perücken, falschen Bärten und Schlafanzug-Kostümen.

Mit seinen Parodien hat Herbig das Schmarotzer-Prinzip zur Perfektion entwickelt. Er borgt sich die Bekanntheit von Originalfiguren aus und macht sie zu liebenswerten Idioten. Als Neuzugang darf zum Beispiel der Zahnarzt aus Quentin Tarantinos Western „Django Unchained“ mitmachen. Auf der Kutsche von Dr. King Schultz schaukelt jetzt aber nicht mehr nur ein einzelner riesiger Zahn, sondern ein ganzes Gebiss. Es handelt sich eher um eine Hommage als eine Attacke auf den einst von Christoph Waltz verkörperten Kopfgeldjäger. Man will ja nichts Böses.

Das Beste, was man über diese Sketchparade sagen kann: Herbig geht immer noch mit viel Sprachwitz und einer erfrischenden Unbekümmertheit zur Sache. Keinen Moment schert er sich um die Sinnhaftigkeit des ganzen Unterfangens. Gags werden im Eiltempo nachgeladen, so schnell, dass man auf keinen Fall an einem einzelnen hängen bleibt. Der Nonsens hat Methode und ist handwerklich mit viel Gespür gemacht, die Schauwerte sind deutlich besser als in einer TV-Show. Über jeden vierten bis fünften Witz kann man sogar schmunzeln.

Facebook, zwei Follower und die amerikanische Prärie

Gelegentlich spießt Herbig Hirnrissigkeiten unseres Alltags auf und amüsiert sich etwa über nervige Telefon-Warteschleifen; in solchen Momenten ist der Wiedererkennungswert hoch. Aber so subversiv ist es wohl gar nicht gemeint, wenn hier ein Facebock mit zwei Followern durch die amerikanische Prärie trabt oder nach „Zurück in die Zukunft“-Manier Günter Schabowski in der berüchtigten Pressekonferenz der Zettel weggeschnappt wird, bevor er die Öffnung der DDR-Grenze verkünden kann.

Im Abspann, das ist ja schon beinahe eine Manie, werden einige Versprecher von den Dreharbeiten nachgereicht. Manche hätte Herbig genauso im eigentlichen Film belassen können, wäre gar nicht groß aufgefallen. Es geht eben um gar nichts in der „Bullyparade“, die nach Herbigs Worten der Schlusspunkt für diese Art der Parodie sein soll. Hoffentlich meint er wenigstens diese Ankündigung ernst.

„Bullyparade“, Regie: Michael Bully Herbig, Länge 100 Minuten, FSK 6, Cinemaxx Göttingen, Schiller Lichtspiele Hann. Münden, Neue Schauburg Northeim, Filmcenter Feilenfabrik Duderstadt, Central-Lichtspiele Herzberg am Harz

Von Stefan Stosch / RND

„Tigermilch“: Rebellinnen im Berliner Sommer

Freundinnen unterwegs in der Hauptstadt: In „Tigermilch“ (Kinostart: 17. August) folgt Regisseurin Ute Wieland zwei Mädchen aus dem Sozialwohnungsblock, die zwischen erwachender Sexualität und Abschiebung stehen. Ihren Darstellerinnen Emily Kusche und Flora Li Thiemann sieht man gerne zu.

„Manchmal kann die Musik gar nicht laut genug sein, damit man das Leben nicht hört“, heißt es zu Beginn dieser Geschichte von zwei Mädchen, zwischen die kein Blatt Papier passt: Nini (Flora Li Thiemann) und Jameelah (Emily Kusche) sind beste Freundinnen seit Kindesbeinen. Die eine ist Deutsche, die andere hat einen irakischen Pass und den Wunsch, Deutsche zu werden. Die beiden streunen durch Berlin, es ist Sommer, in der Luft liegt ein Hauch von Freiheit und Abenteuer. Das Projekt „Defloration“ steht auf der Agenda, zwei tolle Jungs aus dem Freibad sind bereit. Nur klappt der erste Versuch nicht so richtig, zu viel Alkohol, zu viel Schüchternheit. Aber es eröffnen sich bald noch andere Möglichkeiten.

In der Zeit der Grenzüberschreitungen

Nach dem Jugendroman „Tigermilch“ von Stefanie de Velasco folgt Regisseurin Ute Wieland („Freche Mädchen“) den beiden durch die Hauptstadt. Es geht nicht nur um Spaß und Party, sondern auch um Ernstes und Verstörendes in dieser Zeit der Grenzüberschreitungen. Die Regisseurin kommt ohne pädagogischen Zeigefinger aus, das anfänglich stürmische Tempo beruhigt sich.

Die Handlung springt von Romantik zu Drama

Filmklammer sind drei dominierende Themen: die erwachende Sexualität, die drohende Abschiebung von Jameelah und ihrer Mutter in den Irak und der Clash der Kulturen im Sozialwohnungsblock. Die Handlung springt von Romantik zu Drama und zurück. Da tanzen die 14-Jährigen und veranstalten einen Liebeszauber mit Rosenblättern. Sie beobachten entsetzt den „Ehrenmord“ an einer Bosnierin, weil deren Liebe zu einem Serben angeblich die Familienehre beschmutzte, gehen mit Fremden ins Hotel, klauen ihnen Geld, und sie erleben die Härte der deutschen Bürokratie in der Ausländerpolitik.

Ziemlich viel wird in den Film gepackt, weniger wäre mehr gewesen, obgleich die Regisseurin schon einige Erzählstränge der literarischen Vorlage weggestrichen hat. Ute Wieland, die seit Jahren erstmals wieder einen eigenen Stoff umsetzt, sagt, es sei schwierig gewesen, dem Buch gerecht zu werden. Nun erzählt sie aus dem Blickwinkel der Jugendlichen vom Ende der Kindheit und vom Aufbruch in die Erwachsenenwelt, die mit ihren Lebenslügen nur marginal vorkommt.

Von der Kunst, einen Platz im Leben zu finden

Beim schmerzlichen Prozess, einen Platz im Leben zu finden, versinken die Mädchen nicht in Selbstmitleid, sondern entdecken die Lust an der eigenen Kraft. Man sieht ihnen gerne zu, wie sie trotz allem ihren Mut nicht verlieren. Dass die Story funktioniert, dafür sorgen die jungen Darstellerinnen als Teenie-Rebellinnen, die sich in der Pause auf dem Klo Tigermilch, ein Gesöff aus Milch, Maracujasaft und Weinbrand hineinschütten. Ihre Lebensfreude und ihr Lebenshunger sind mitreißend.

„Tigermilch“, Regie: Ute Wieland, Länge 106 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen

Von Margret Köhler / RND

„Bigfoot Junior“ – Papa ist ein Monster

Alle naslang suchen im Kino Kinder ihre verschwundenen Mütter oder Väter. In Ben Stassens sechstem Kinofilm „Bigfoot Junior“ (Kinostart am 17. August) wird der Sohn schnell fündig, muss aber erkennen, dass sein Erzeuger ein Monster ist. Ein nettes Monster freilich.

Der Bigfoot oder Sasquatch ist so etwas wie der amerikanische Yeti. Ein menschenähnliches Monstrum, das im Westen der USA und Kanadas gelegentlich Wanderer erschreckt, das aber bis heute so unbewiesen ist wie Einhorn, Werwolf oder der Mann im Mond. Im Kino war Bigfoot bislang meist in B- und C-Movies zu sehen, in seinem berühmtesten Filmauftritt, der Komödie, „Bigfoot und die Hendersons“ (1987), war er ein tapsiges, familienfreundliches Kuschelungeheuer.

Wenn der geliebte Daddy ein Monster ist

In diese Kerbe schlägt auch „Bigfoot Junior“, der sechste Film des belgischen Regisseurs Ben Stassen („Fly me to the Moon“). Der 13jährige Adam erfährt, dass sein verschollener Vater mehr ist als nur ein Naturfreund und Zivilisationsflüchter. Auf der Suche nach seinem Ursprung rettet ihm ein Wesen mit Ganzkörperbehaarung das Leben – voilà: Daddy ist der Bigfoot. Anfänglicher Schock („Werde ich auch so sein wie du?“), dann Begeisterung. „Du kannst mit Tieren reden“, verrät ihm sein haariger Erzeuger die coolste Begleiterscheinung der gemeinsamen DNA. Beide könnten nun eine herrliche unbeschwerte Vater-Sohn-Qualitätszeit genießen, wären da nicht die üblichen, ruchlosen Wissenschaftler. Wie bei allen besonderen Wesen, Mutanten und Aliens steht ihnen der Wissensgewinn vor dem Schutz der Persönlichkeit. Bigfoots Haare wachsen wie wahnsinnig, aus seinem Erbgut könnte man den ersten wirksamen Glatzenschutz gewinnen.

Tempo, Jux und Dollerei. Die Optik der Figuren dieses kurzweiligen Streifens für Kinder (und trickfilmaffine Eltern) erinnert dabei zuweilen an die deutsche Trickschmiede Ambient Entertainment („Urmel“), deren nächstes magisches Werk „Happy Family“ in der kommenden Woche anläuft. Warum sich die europäischen CGI-Label so harte Konkurrenz machen, weiß der Geier. Vielleicht auch der Bigfoot.

"Bigfoot Junior", Regie: Ben Stassen, Jérémie Degruson, Länge 92 Minuten, FSK 6, Cinemaxx Göttingen, Filmcenter Feilenfabrik Duderstadt

Von RND/big

Ein Chanson für dich

Liliane Cheverny arbeitet in einer Pasteten-Fabrik und trauert ihrer glanzvollen Vergangenheit nach. Vor 30 Jahren feierte sie als Chanson-Sängerin "Laure" große Erfolge, doch auf den Karriereknick folgte mit der Trennung von Komponist Tony Jones auch ein privates Tief und inzwischen ist Liliane einsam und verbittert. Das ändert sich, als sie den 22-jährigen Boxer Jean Leloup kennenlernt: Der junge Mann ist ein Fan von "Laure" und ermuntert die Liliane zu einem Comeback. Liliane traut sich zurück auf die Bühne und blüht auf, während sich zwischen ihr und Jean eine zarte Liaison entspinnt. Jean wird Lilianes Manager und meldet sie voller Zuversicht zum Eurovision Songcontest an. Doch in der Jury sitzt auch Tony Jones, und der macht es seiner Ex-Freundin und ihrem neuen Partner in gleich mehrfacher Hinsicht alles andere als einfach …

"Ein Chanson für dich" OMU, Regie: Bavo Defurne, Länge 90 Minuten, FSK 6, Lumière Göttingen

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