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Eine Art Brief an die deutschen Leser

Sammelband „Syrien“ Eine Art Brief an die deutschen Leser

Im Frühjahr erzählte die syrische Schriftstellerin Samar Yazbek in Köln mit Furor von der Zerstörung ihres Landes durch das Regime und dem trotzdem ungebrochenen Willen der demonstrierenden Frauen, Kinder und Männer. Dann fragte sie unvermittelt: „Warum tun die Deutschen nichts?“

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Autorin und Frauenrechtlerin: Rosa Yassin Hassan.

Quelle: Alawi

Damit meinte sie eher unsere Solidarität und Aufmerksamkeit als ein militärisches Eingreifen. Ein Grund: mangelndes Wissen. Wissen ist eine Voraussetzung für Empathie. Das weiß die Übersetzerin und Journalistin Larissa Bender und hat ihren Sammelband „Syrien. Der schwierige Weg in die Freiheit“ als eine Art Brief an die deutschen Leser angelegt, verfasst von neunzehn syrischen und deutschen Autoren.

Einige von ihnen leben noch in Syrien wie die Aktivistin Khawla Dunia, andere mussten wie Yazbek fliehen, wieder andere hatten berufliche Beziehungen zum Land wie Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik. In kurzen Essays berichten sie, wie die Gesellschaft ihr „verlorenes politisches Leben“ wiederentdeckt hat, erläutern die Rolle der Alawiten, Kurden, Muslimbrüder und Christen, sie erzählen von den erfinderischen, ebenso witzigen wie bitteren Provokationen der Demonstranten, die sich etwa für ihre Zwecke das Spiel „Angry Birds“ aneignen.

Angesichts des Blutbads und der Folterungen, die Oppositionellen drohen, scheint der Ruf nach Freiheit von fast übermenschlicher Kraft zu zeugen. Die Schriftstellerin Rosa Yassin Hassan, die am Montag, 1. Oktober, im Literarischen Zentrum zu Gast ist, staunt selbst, wie Kinder und Jugendliche die Angst ihrer Eltern abgeschüttelt haben. Der 26jährige Journalist Amer Matter schrieb aus dem Gefängnis an seinen Vater: „Wer vom Geist der Revolution gepackt wurde, der bleibt ein ungebrochenes Lied.“

Für den Unbewanderten ist es zum Teil schwierig, die Standpunkte einzelner Autoren einzuordnen. Aber Bender hat ihren Band auch als Einladung konzipiert, sich mit Syrien zu beschäftigen. Und das geht gerade durch die zum Teil sehr subjektive Ausrichtung auf. Klar ist nach der Lektüre eines: Die Zeit des Assad-Regimes ist abgelaufen. Man wünscht den Syrern, es möge eintreten, was Volker Perthes als eines von vier Zukunftsszenarien skizziert: „Rasches Ende, geordneter Übergang.

Syrien. Der schwierige Weg in die Freiheit, hrsg. v. Larissa Bender. Dietz, 201 Seiten, 14,90 Euro.

Von Insa Wilke

Lesung
Die syrische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Rosa Yassin Hassan ist am Montag, 1. Oktober, zu Gast im Literarischen Zentrum Göttingen, Düstere Straße 21. Um 20 Uhr stellt sie ihre Romane „Ebenholz“ und „Wächter der Lüfte“ vor.
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