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Eine Rarität im Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters

Philharmonischer Zyklus II Eine Rarität im Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters

Eine Oboe als Soloinstrument in einem Symphoniekonzert ist eine Rarität. Am Freitag war im ersten Saisonkonzert des Philharmonischen Zyklus II des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) die aus Russland stammende Oboistin Maria Sournatcheva zu Gast: eine Musikerin mit atemberaubenden Fähigkeiten.

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Das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) mit Christoph Mathias Mueller und Maria Sournatcheva in der Stadthalle Göttingen.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Sie spielte zwei aus Osteuropa stammende Solokonzerte. Obwohl vor noch nicht einmal 40 Jahren komponiert, sind diese Konzerte keineswegs avantgardistisch, sondern eingängig. Beiden gemeinsam ist der Reichtum an ungewöhnlichen Klangfarben und eine nicht etwa dick aufgetragene, sondern angenehm zurückhaltende Nähe zur Folklore.

Der Ukrainer Valeri Kikta ist der Komponist des 1991 entstandenen Oboenkonzerts, das Sournatcheva zuerst spielte. Gleich in den eröffnenden Passagen dialogisiert die Solo-Oboe überraschenderweise mit einzelnen Schlaginstrumenten – ein feiner Effekt. Und schon in diesen ersten Abschnitten betörte die Solistin ihr gebannt lauschendes Publikum mit makellos reinem Ton und mit einer unglaublichen dynamischen Spannweite, die von einem beinahe unhörbaren Pianissimo bis zu kraftvollem, aber nirgends brutalem Forte reicht. Welch große Anstrengung das Oboenspiel erfordert, war ihr nirgends anzumerken.

Das reich besetzte GSO zeigte eine ideale Partnerschaft mit der Solistin. Für klangliche Ausgewogenheit, ebenso für passgenaues Zusammenspiel auch bei den kleinen Tempo­veränderungen, die die Musik besonders lebendig machen, sorgte Christoph-Mathias Mueller am Dirigentenpult mit großer Umsicht und viel Temperament.

Mit brausendem Applaus dankte das begeisterte Publikum. Sichtlich glücklich kam auch der Komponist mit aufs Podium, der ebenfalls mit viel Beifall belohnt wurde. Der Solistin eine Zugabe abzuverlangen war nicht nötig – nach der Pause folgte ja noch das zweite Oboenkonzert.

Das hob gleich mit einer kleinen Solokadenz an, die in einen Solo-Tutti-Dialog mit jazzigen Rhythmen mündete: ein sehr wirkungsvolles Werk, das der 1925 geborene Russe Andrej Eshpaj 1982 komponiert hat und das auch Anklänge an Filmmusik aufweist. Im Orchester setzt sogar ein Cembalo farbige Akzente. Sournatcheva sorgte mit ihrem virtuosen, ausdrucksstarken Spiel für solistische Glanzpunkte, spannte weite melodische Bögen bis hin zum unpompös-leisen Schluss dieses Konzerts.

Umrahmt waren diese beiden oboistischen Meisterstücke von zwei Symphonien. Haydns Es-Dur-Symphonie Nr. 84 stand am Anfang, in der Mueller die Streicher zu federleichtem Spiel ohne jeden Druck verpflichtet hatte – das verleiht diesem wunderbar runden, geistreichen Werk eine besondere Spritzigkeit. Den Schluss bildete Beethovens Achte, in der dank der hochengagierten GSO-Musiker das Motto des Abends „Voll Leben und Humor“ auf bezwingende Weise hörbar wurde.

Am Freitag, 6. November, spielt das GSO Werke von Haydn, Debussy und Franck. Beginn ist um 19.45 Uhr in der Stadthalle am Albaniplatz. Solistin ist Julia Bartha (Klavier), Gastdirigent ist Christoph Gedschold.

Von Michael Schäfer

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