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Einen Himmel von Tönen aufgespannt

Göttinger Reihe Historischer Musik Einen Himmel von Tönen aufgespannt

Wer macht das Rennen? Das war die Frage am Donnerstagabend im Mercedes-Benz-Center. Als vierte und letzte Gruppe am Start, beschloss das Ensemble „La Prosperina“ die „Göttinger Reihe Historischer Musik“ mit einem beeindruckenden Konzert, das vom Können und von der Meisterschaft der Ausführenden zeugte.

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Das vierte Konzert und der Abschluss der Reihe: das Ensemble „La Prosperina“.

Quelle: Pförtner

Doch reichte es für den ersten Platz? Nein, entschied die Jury. Als diesjährigen Preisträger kürte das Gremium das Ensemble „Meridiana“, das nun ein Konzert bei den Händel-Festspielen 2011 geben wird. Mit Blick auf „La Prosperina“ sprach die Jury hingegen die dringende Empfehlung aus, dem Orchester ebenfalls einen Konzerttermin bei den Händel-Festspielen einzuräumen.

Bereits die Ouvertüre g-Moll von Jean-Marie Leclair ließ aufhorchen: Hier waren Musiker am Werk, die ihr Spiel exakt austarierten, genau aufeinander hörten, das einleitende Adagio als sanft fließenden Strom aus biegsamen Tönen gestalteten. In der „Aria“ standen sich Mathilde Helm und Hyeon Ho Jeon als Duopartner gegenüber, ließen ihre Blockflöten im gehaltenen Plauderton parlieren. „Altro“ und das Schluss-Allegro führten die vier jungen Musiker wieder zusammen: Hier zeigten sich Hyun Gun Cho (Cello) und Daniel Trumbull (Cembalo) als rhythmische Impulsgeber.

Werke von Georg Friedrich Händel (Sonaten F-Dur HWV 369 und A-Dur HWV 396), Georg Philipp Telemann und Antonio Vivaldi folgten, und immer phrasierten die Musiker flexibel und geschmeidig, reagierten hellhörig und sensibel aufeinander. Die Allegro-Sätze nahmen sie mit Temperament und Brillanz, jedoch ohne den virtuosen Funkenflug zu entfachen, der auch schon im Mercedes-Benz-Center zu erleben war. Am schönsten kam das Spiel des Quartetts in der noblen Triosonate B-Dur von Marin Marais zur Geltung: Hier schlossen Mathilde Helm und Hyeon Ho Jeon für Momente genüsslich die Augen, wie um zu sagen: Ja, die Kammermusik der Barockmeister ist ein Himmel an Tönen, den man inwendig in sich trägt – und auswendig spielt.

Begeisterter, lang anhaltender Applaus des abermals ausverkauften Hauses zuletzt für die stampfenden Variationen über Vivaldis „La Follia“, die als Zugabe wiederholt wurden. Als zeitgenössisches Werk präsentierte „La Prosperina“ übrigens die „Apotheose“ des Finnen Miika Hyytiäinen: Ein kleines Musik-Spiel, das die Ausführenden darstellerisch über-, musikalisch jedoch unterforderte.

Von Matthias Körber

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