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Eisler- und Chagall-Quartett im Göttinger Aulakonzert

Klassik Eisler- und Chagall-Quartett im Göttinger Aulakonzert

Gleich zwei Kammermusik-Ensembles waren am Sonntag im Saisonschlusskonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft zu Gast: das Eisler- und das Chagall-Quartett, die sich beide an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin zusammengefunden haben. 

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Zum Oktett vereint: das Eisler- und Chagall-Quartett zu Gast in der Aula der Göttinger Universität mit Elisabeth Weber, Sonja Starke, Stefan Hempel, Holger Wangerin, Pauline Sachse und Max Schmitz(von links).

Quelle: Schäfer

Nein, konventionell war dieser Abend wahrlich nicht, auch wenn mit einem Haydn-Quartett, dem „Lerchenquartett“, eröffnet wurde. Das ist seit Generationen (gute) Sitte – wie allerdings das Eisler-Quartett mit dieser Musik umging, war keineswegs betulich, im Gegenteil. 

Wohl durfte im Kopfsatz die titelgebende Lerche hingebungsvoll in höchsten Tönen tirilieren, was die Primaria Elisabeth Weber mit klarer Intonation und singendem Ton nachzeichnete. Doch schon hier war die Kommunikation der vier Musiker – Sonja Starke an der zweiten Violine, Pauline Sachse an der Viola und Mischa Meyer am Violoncello – überraschend lebendig, temperamentvoll und gleichsam sprechend. Das bestimmte auch den langsamen Satz und das Menuett. Und im Finale dann offenbarte das Eisler-Quartett geradezu überschäumende Lebensfreude, ging bis ans Limit des technisch Möglichen ohne Angst vor dem Risiko.

Ferne Klangwelten

Kontrastprogramm: das ungeheuer klangsinnliche Streichquartett „Ainsi la Nuit“ von Henri Dutilleux, mit dem sich anschließend das Chagall-Quartett vorstellte. Die vier jungen Musiker – Stefan Hempel und Holger Wangerin (Violine), Max Schmitz (Viola) und Jan Ickert (Violoncello) – schienen in diesem Kosmos ferner Klangwelten ausgesprochen heimisch zu sein und bereiteten dem gespannt und gebannt lauschenden (nun kaum noch hustenden) Publikum bewegende, erregende, faszinierende Hörerlebnisse. Hinreißend.

Zum guten Schluss vereinten sich beide Quartette in Mendelssohns Oktett op. 20. Diese geniale Musik war bei den acht hingebungsvoll und hochvirtuos spielenden Streichern in allerbesten Händen, das Scherzo ein leichtfüßiger Elfenspuk, das Finale ein wild schäumender Gebirgsbach, dessen erfrischende Wirkung niemanden ausließ. Dementsprechend wild klatschten die Zuhörer – und wurden mit einer Rarität belohnt, einem Satz aus dem Oktett op. 15 von Woldemar Bargiel, Halbbruder von Clara Schumann und Brahms-Freund: eine zarte, wohltönende Musik, die diesen außergewöhnlichen Abend sanft abrundete.

Von Michael Schäfer

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