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Goldts Betrachtungen über Vielerlei

Literaturherbst Goldts Betrachtungen über Vielerlei

Und nun hat Max Goldt aus seinen gesammelten Werken ausgewählt: Sein neues Buch "Lippen abwischen und lächeln" bietet auf mehr als 500 Seiten "die prachtvollsten Texte 2003 bis 2014". Einige von diesen und aus anderen Werken las der Schriftsteller beim Göttinger Literaturherbst am Sonnabend vor.

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Max Goldt im Deutschen Theater in Göttingen.

Quelle: Heller

Göttingen. Im Deutschen Theater hat Goldt in diesem Jahr schon einmal gelesen, als er mit dem Satirepreis Göttinger Elch ausgezeichnet worden ist. Und seit der gebürtige Göttinger, der seit Jahrzehnten ein Berliner ist, 1989 mit dem genauen Beobachten und dem gewitzten Formulieren begonnen hat, stellt er seine Texte gerne auf Lesereisen vor - einige Male auch schon in Göttingen. Mit einer Lesung von Max Goldt begann am 21. Oktober 1992 der erste Göttinger Literaturherbst.

Lippen abwischen und lächeln

Lippen abwischen und lächeln

Quelle: r

Max Goldt: "Lippen abwischen und lächeln". Rowohlt-Berlin, 512 Seiten, 24,95 Euro

Seitdem hat Goldt in zahlreichen Texten Geschehnisse und Befindlichkeiten so neu drapiert, mit etlichen Exkursen arrangiert, dass am Ende die "Kunst der Abschweifung" beeindruckt.

"Dank Bügelhilfe fühlt man sich wie ein geisteskranker König", heißt ein 1993 verfasster Text. Goldt schlüpft stimmlich in die verschiedenen Rollen, die seine Analyse eines Stadtviertels mit vielen handelnden Personen zu bieten hat. Über was sich Leute so aufregen können, mag sein Ziel der Darstellung gewesen sein. Milieustudien sind es irgendwie ja auch. Dagegen besteht sein "Performance Piece" aus Kommentaren, die Goldt auf Hotel-Internetportalen entdeckte.

Sein 2008 entstandenes Stück "Ein Querulant hört was knarren" klinge so, als beziehe es sich auf Pegida. Zeitlich nicht möglich, "aber die Leute gab's ja damals schon", meint Goldt und liest los. Zugfahrgeräusche, Online-Journalismus, Kindheitsschrecknisse, Spazierstöcke und Armes Deutschland im Zug und im Internet. Goldt macht daraus eine Zeitreise durchs Querulantentum zu seinen Lebzeiten.

Entschlossen zum Büchertisch

Im fast ausverkauften Deutschen Theater waren im Publikum nicht nur Goldt-Kenner. Aber alle freuten sich über die Zugabe, die Goldt gestattet wurde. Dass er regelmäßig auf die Uhr schaue, habe damit zu tun, dass er pünktlich enden müsse, entschuldigte sich der Autor.

"Ich wusste ja gar nicht, was der so macht", meinte eine Dame. Und strebte entschlossen, sich mit weiteren Goldt-Stücken zu befassen, zum Büchertisch der Buchhandlung Vaternahm. Die hatte etliche Werke des Autors im Angebot. Das neue, "Lippen abwischen und lächeln", ist eine feine Werkschau; sie hat auch ein paar Texte aus den Neunzigern zu bieten. Auf jeden Fall sind es Texte, "die ich noch gut finde", meinte Goldt zur Auswahl. Wenn das keine Empfehlung ist.

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