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Ellingtons „Sacred Concerts“ in Northeimer Kirche

Niedersächsische Musiktage Ellingtons „Sacred Concerts“ in Northeimer Kirche

Jazz kann auch religiös jubilieren und Gott preisen. Bei den Niedersächsischen Musiktagen gab es am Sonntag in St. Sixti in Northeim ein weiteres Meisterwerk eines Jazz-Glaubensbekenntnisses: Duke Ellingtons „Sacred Concerts“ – ein selten zu erlebendes aber überragendes Spätwerk.

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Quelle: Heller

Northeim. Die Hannoveraner Bigband „Fette Hupe“ unter dem Dirigat von Jörn Marcussen-Wulff und das 40-köpfige „Junge Vokalensemble Hannover“ unter Leitung von Klaus-Jürgen Etzold wählten 14 Titel aus den drei „Sacred Concerts“ von Duke Ellington (1899-1974). Vom ersten Ton an ist die Musik gewohnt kraftvoll-mitreißend aber auch zugleich sakral-heilig. Man spürt: Ellington ist hier über sich selbst hinausgewachsen.

Duke Ellington (1899-1974) kennt man als einen der wichtigsten Bigband-Leiter der Swingära und als Komponisten wunderbarer Balladen, die zu  Jazzstandards wurden. Der christliche Glaube durchzog dabei sein Leben. Kein Wunder, dass er als Erfüllung seines Lebens große sakrale Kompositionen schuf: drei „Sacred Concerts“ für Bigband und Chor schrieb er zwischen 1965 und 1973. Nach seinem Tod waren diese Werke kaum zu hören, da sie schwierig zu spielen und durch die vielen Mitwirkenden schwer zu finanzieren sind. Die Musiktage holten jetzt das Werk aus der Vergessenheit. Eine äußerst lohnende Entdeckung!

Der Komponist agiert bei seinem Werk auf verschiedenen Ebenen: So erreicht ein rezitierter Text über die Fehler von uns Menschen den Kopf; das parallel dazu flehend gesungene und immer wiederholte „Father Forgive - Vater vergib“ berührt dagegen direkt die Seele. Das vertonte Glaubensbekenntnis „The Lord’s Prayer“ ist ein vor Energie sprühender Bigband-Swing. Der Titel "Come Sunday" fasziniert als hinreißend gesungene und ruhige Ballade.

Die Jazz-Bigband und der klassisch geschulte  Chor musizieren auf Augenhöhe – vom Können, von der Leidenschaft wie auch von swingenden Rhythmus. Hinreißend die Solisten: zum einen die Sänger Joachim Rust, Claudia Burghard und Franziska Kirchhoff, zum anderen Instrumentalisten wie Gary Winters mit seinem ekstatischen Trompetensolo oder Felix Petry mit einem achtminütigen Stepptanz-Solo.

Doch erst die vertonten Texte lassen Ellingtons tiefen Glauben und seine schier endlose Liebe zu Gott sichtbar werden – von Jesus ist hier nie die Rede. Die gesungenen Verse gehen weit über die eher abstrakte Gottesverehrung in den Gesangsbüchern hinaus. Sie knüpfen an den Alltag an und sind auch mal gesellschaftskritisch. Erschreckend aktuell wirkt beispielsweise der gesungene Satz „Vater vergib den Hass, der Nation von Nation trennt, Rasse von Rasse, Klasse von Klasse ... die Gier, die die Arbeitskräfte ausbeutet und die Umwelt verschmutzt.“ Hier zeigt sich Ellington als politischer Mensch.

Die Aufführung steigert sich im letzten Titel „Praise God and Dance“ und lässt den christlichen Glauben als Kraftquelle erstrahlen. Der Chor singt entrückt, die Bigband swingt voller Lebensfreude und das Publikum in der voll besetzten Kirche feiert die Künstler mit Standing Ovation. Ja, Jazz kann religiös jubilieren und Gott feiern.

Von Udo Hinz

„Hörabenteuer bei Kerzenschein“
In der Region Südniedersachsen folgt das nächste Konzert der Niedersächsischen Musiktage am Donnerstag, 24. September, in Hann. Münden: Im Welfenschloss beginnt um 20 Uhr das „Hörabenteuer bei Kerzenschein“ mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn und dem Solisten Felix Klieser (Horn). Weitere Infos im Netz unter: www.musiktage.de
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