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„Elvis – Das Musical“ in Göttingen: Luft nach oben

Stadthalle mäßig besucht „Elvis – Das Musical“ in Göttingen: Luft nach oben

Elvis lebt. Noch immer soll es Menschen geben, die fest davon überzeugt sind. Und tatsächlich steht auf der Bühne der Stadthalle ein Sänger, der in Gesang und Tanzstil dem leibhaftigem „King of Rock’n’Roll“ sehr nahe kommt. Aber nur fast. Denn auch wenn Klang und Bewegung stimmen, lässt das Bühnengeschehen um ihn herum den vermeintlichen King nicht wie den erfolgreichsten Musiker aller Zeiten, sondern nur wie dessen glanzlose Parodie aussehen.

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Dicht am Original: der Elvis-Darsteller Grahame Patrick, hier mit Gitarre.

Quelle: Vetter

Göttingen. „Elvis – Das Musical“ ist nur mittelmäßig besucht. Ganze Stuhlreihen bleiben frei. Das Publikum ist bunt gemischt. Hier sitzen Menschen, die den Aufstieg von Elvis Presley in ihrer Jugend miterlebt haben. Aber das Musical lockt auch viele Jüngere an; Zuhörer, die selbst noch nicht geboren waren, als Elvis 1977 starb. So scheint die Musik von Elvis generationsübergreifend seine Anhänger zu finden. Umso bedauernswerter, dass „Elvis – Das Musical“ nicht hält, was der Name verspricht. Ein Musical ist die Veranstaltung nämlich leider nicht. Eher eine verkümmerte Abart davon.

Was fehlt, ist eine durchdachte Story. Nur an sehr wenigen Stellen im Stück wird überhaupt eine Geschichte erzählt. Und diese Spielszenen verkünden immer wieder dasselbe: Elvis ist großartig. Die Frage nach dem Warum bleibt man dem Publikum schuldig. Viel ärgerlicher ist aber, dass das Musical den Künstler selbst als Menschen gar nicht in den Blick nimmt. Was war ihm wichtig? Worüber hat er gelacht? Was für ein Mensch war er? All das erfahren die Besucher nicht. Stattdessen bekommen sie eine blutleere Aneinanderreihung von Superlativen serviert: Plattenverkäufe, Auszeichnungen, Massenpublikum. Das Ganze in einem kruden Mischmasch der Sprachen. Elvis-Darsteller Grahame Patrick spricht nur Englisch, alle anderen ein Wirrwarr aus Englisch und Deutsch.

Pausen für den Kostümwechsel, mehr sind diese Spielszenen nicht. Dabei wird die Inhaltsleere in Elvisstücken selbst thematisiert. Als der Manager des Kings, Colonel Parker, gespielt von Alexander Gregor, am Telefon gesagt bekommt, dass die Filme des Musikers weniger einbringen, wiegelt Parker ab. Ein Elvisfilm brauche nichts außer eine kleine Story, Musik und ein paar netten Mädels. Es wäre wünschenswert gewesen, hätten sich die Macher von „Elvis – Das Musical“ mehr Mühe gemacht.

Trotz all dieser Schwächen überzeugt das Musical jedoch auf einer wichtigen Ebene: bei der Musik. Patricks Gesang kommt dem des Originals sehr nahe. Seine Stimme ist weich, seine Performance solide. Mit ihm auf der Bühne steht der Gospelchor The Stamps Quartet, dessen Mitglied Ed Enoch auch als Backgroundsänger des echten Kings arbeitete.

Vor allem den Musikern und dem gesanglichen Können des Hauptdarstellers ist es zu verdanken, dass das Publikum das Stück am Ende mit stehendem Applaus würdigt. Luft nach oben bleibt aber allemal.

Von Daniela Lottmann

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