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Elvis Presley, der King of Rock’n’Roll, wäre 80 Jahre alt geworden

Der ewige König Elvis Presley, der King of Rock’n’Roll, wäre 80 Jahre alt geworden

„Mann, ich war zahm im Vergleich zu dem, was sie heute machen.“ Elvis Presley hat diesen Satz 1972 gesagt. Er trat seinerzeit bereits in Las Vegas auf, war aus der Realität ausgestiegen, hinein in weiße, glitzernde, raumanzugartige Overalls. Er war mal ein Teenager-Idol. Doch die Pop-Welt hatte sich weitergedreht.

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Idol der Massen: die Musikerlegende Elvis Presley.

Quelle: dpa

Drei Jahre schon lag „From Elvis in Memphis“, sein starkes, aber rückwärtsgewandtes Comeback, zurück. Er fühlte sich wohl überholt und abgehängt, von den ungenierten Stones etwa oder auch von Jimi Hendrix, der in Woodstock mit schmerzverzerrter Gitarre die amerikanische Nationalhymne zerfetzte, um Vietnam-Kritik zu üben. Bald schon sollte Punk explodieren. Der King selbst und sein Mythos wurden derweil immer fetter.

Elvis, der heute (8. Januar) vor 80 Jahren in Tupelo, Mississippi, geboren wurde, war das erste globale Pop-Phänomen, global geliebt und unter anderem über schnell gedrehte, seichte Filme global vermarktet. Erstmals hatte auch ein Sound die Kraft, um unzufriedene junge Leute zum Protest gegen die Bevormundung durch die Eltern-Generation und als gestrig empfundene gesellschaftliche Regeln zu ermuntern. „Elvis zum ersten Mal zu hören, war wie aus einem Gefängnis auszubrechen“, schwärmte etwa Bob Dylan. „Da wusste ich, niemand würde je mein Boss sein.“

„Elvis gab den Weißen ihren Körper zurück“

Das weltweite hysterische Kreischen setzte am 28. Januar 1956 in der Tommy & Jimmy Dorsey Stage Show ein, die in den USA von Küste zu Küste ausgestrahlt wurde. Der junge King sang „Heartbreak Hotel“, seine erste Single bei seiner neuen Plattenfirma RCA. Es war nicht nur der Song, der die jungen Zuschauer aufwühlte und viele ältere gegen den Sänger aufbrachte, sondern auch dessen Körpersprache: Erst schien nur sein rechtes Knie zu nicken, er grinste – mehr als selbstbewusst –, er senkte seine Augenlider, er lächelte aus dem linken Mundwinkel.

Schließlich schlotterten seine Beine, und die Hüfte, die zuckte. Bewegungen, die den Geschlechtsakt andeuteten. Eine derartige sexuelle Provokation hatte ein Fernsehpublikum noch nie gesehen. „Elvis gab den Weißen ihren Körper zurück“, befand Black-Panther-Mitbegründer Eldridge Cleaver. Jahrzehnte später sollte über Wackel-Elvisse gelacht werden. 1956 war man noch lange nicht so weit.

Zu dem Elvis, den wir alle kennen, wurde der Lastwagenfahrer anderthalb Jahre vor diesem denkwürdigen TV-Auftritt. Das Sun Studio in der Union Avenue von Memphis, in dem er seine ersten Aufnahmen machte, ist heute ein begehbares Denkmal. Seit den Fünfzigern hat man an dem Backsteinbau nicht viel verändert.

Vieles wirkt wie schockgefroren. Die Jalousien waren wohl schon damals ständig heruntergelassen. Über dem Eingang leuchtet noch immer das „Sun“-Logo, so wie in der Nacht des 5. Juli 1954, als der 19-Jährige dort „That’s All Right“ aufnahm.

Der junge Elvis wird als scheuer, höflicher Teenager beschrieben, der seine Eltern liebte und die von Weißen verschmähten schwarzen Radiosender hörte. Er war mit seiner Billiggitarre bei Studiobetreiber Sam Phillips das erste Mal im Sommer 1953 aufgekreuzt, um für seine Mutter Gladys den damaligen Pop-Hit „My Happiness“ als Geburtstagsgruß aufzunehmen. Phillips hielt Elvis für einen ganz passablen Balladensänger. Er suchte aber jemand anderen: einen Weißen, wie er sagte, der mit dem Feeling eines Schwarzen singen kann. „Würde ich ihn finden, wäre ich bald Millionär.“

Am Abend des 5. Juli probte Elvis mit dem Gitarristen Scotty Moore und Bill Black am Kontrabass. Die beiden Musiker waren genervt. Sie waren sich sicher: Elvis bringt es nicht. Doch dann, in einer Pause, es war bereits nach Mitternacht, geschah das Magische. Vielleicht aus Albernheit. Vielleicht war es ein göttlicher Impuls, vielleicht aber auch der Teufel, der ihn fernsteuerte: Elvis drehte seinen Gitarren-Amp bis zum Anschlag auf, twistete los und begann, in doppeltem Tempo die Rhythm-and-Blues-Nummer „That’s All Right, Mama“ von Arthur „Big Boy“ Crudup zu singen.

Moore und Black stiegen mit ein in diese wilde, unerhörte Version. Phillips schnitt sie beim zweiten Durchgang mit. Er hatte gefunden, wonach er suchte. „Verdammt. Wenn das im Radio läuft, jagen sie uns aus der Stadt“, sagte der Bassist. Heute wirkt Blacks Befürchtung nur noch niedlich. Man ist Krasseres gewohnt.

Bei Studioführungen wird die Story vom Rock’n’Roll-Urknall, der eigentlich ein Unfall war, wie ein Märchen gepflegt. 14 Mal nacheinander musste Dewey Phillips, ein bekannter Rundfunk-DJ in Memphis, den Song bei der Radiopremiere auflegen. 40 Hörer riefen während der Sendung an, weil sie ihn wieder und wieder hören wollten. Elvis, unfassbar nervös, versteckte sich derweil im Kino.

Doch nicht alle himmelten ihn an. Nicht wenige aus der weißen Mittelschicht projizierten ihre Ängste vor der schwarzen Kultur und vor sexueller Offenheit auf ihn. Die moderne Bürgerrechtsbewegung stand noch am Anfang. Manche Radiostationen weigerten sich solche „Negermusik“ zu spielen. Rassisten zerbrachen seine Schallplatten.

Heute ist Memphis für die weiße Mittelschicht ein Massenwallfahrtsort. Angeblich wollen pro Jahr 600 000 Menschen Graceland, das Anwesen ihres Idols, sehen. Die Villa ist nach dem Weißen Haus das meistbesichtigte Gebäude der USA. Der Sound der Massenabfertigung übertönt jedoch vieles. In Ruhe kann man dort nicht gedenken. Man wird vom gigantischen Andrang gewissermaßen durch die Villa, die Racquetball-Halle und die Garage gedrückt. Man sieht die Overalls, die Autos, die Flugzeuge, den Erfolg, den Größenwahn, das Grab.

Das Badezimmer, in dem der King am 16. August 1977 als 250 Pfund schwerer Mann tot von der Toilette kippte, kann nicht besichtigt werden – als spiele Pietät in Graceland eine besondere Rolle. Der erste Stock des Hauses ist für Besucher tabu. Auch seine Fresssucht und den Medikamentenmissbrauch, die Verschnulzung seines Talents, Einsamkeit und Erfolgsdruck muss man sich selbst dazudenken.

Man staunt nicht schlecht über die ziemlich hohen Eintrittspreise und die Dichte an Souvenirshops. Laut dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ verdiente Elvis 2014 – also 37 Jahre nachdem er starb – noch immer 55 Millionen Dollar. Als toter Topverdiener übertraf ihn nur Michael Jackson.

Diese Vermarktung über den Tod hinaus wirkt brutal. Man ahnt dort, wo Elvis starb, wie sehr er zu Lebzeiten unter all den Erwartungen von Fans, Musikindustrie und dem eigenen gerissenen Manager gelitten haben muss. Er hatte eine große Stimme und ein großes Herz, das es am Ende wohl einfach nicht mehr aushielt, der King zu sein. Er wurde nur 42 Jahre alt.

„Elvis ist prägend“

Zusammen mit den Beatles gehörte Elvis Presley zu den größten Idolen für Michael Schluff, Leiter des Göttinger Rockbüros. Zumindest als er zehn Jahre alt war. Das Blaue Album der Beatles und ein Best-of-Album vom King, das waren seine Schätze. „Beide habe ich übrigens immer noch“, erzählt Schluff, „genauso wie den Plattenspieler, den ich zur Konfirmation bekommen habe.“

Als Musiker habe er sich dann in eine andere Richtung entwickelt, aber manche Elemente der Presley-Songs haben ihn beeinflusst. Und mit seiner Band God Five habe er auch mal einen Elvis Song gecovert: „Suspicious minds“. Und er erinnert sich an eine schöne Fassung des Hits „In the Ghetto“ von den Drei Amigos mit Sascha Münnich.

Christiane Eiben von der Göttinger Formation Seven Up, tourt gerade als Background-Sängerin mit dem deutschen Elvis Presley, mit Peter Kraus. Es sei „die schönste Tour seit Jahren“, sagt Eiben, die häufig solche Engagements annimmt. Kraus, immerhin auch schon 75 Jahre alt, sei „ein toller Chef und total fit“. Von den Musikern der Kraus-Band habe sie sehr viel über Presley gelernt, der „zu Recht eine Legende“ ist.

Die Musik von Elvis sei die erste, die er bewusst gehört habe, sagt Lars Wätzold, Impro-Schauspieler der Göttinger Comedy Company. „Elvis ist prägend.“ Später dann nutze er das musikalische Werk des King of Rock’n’Roll. Für seine Göttinger Late-Show dichtete er vor einigen Jahren mit Christoph Dressler das Presley-Lied „In the Ghetto“ um. Sie nannten das Werk „In Grone“. Und Wätzold kann es noch immer auswendig vortragen.

Am Telefon singt er seine Lieblingszeile daraus: „Und so wächst er auf, sein Nährstoffmangel ist nicht zu übersehen. Er kriecht zur Schule statt zu gehen.“ Zu einem Elvis-Abend habe er später auch im Nörgelbuff vorgetragen, erinnert sich Wätzold.

Rarität aus Vinyl

Cover-Art nennt Hans Philipp Schubring die kleine Ausstellung von drei Schallplatten in ihren Hüllen an der Wand im Vinyl-Reservat, dem Göttinger Laden im Papendiek 23, in dem es ausschließlich  echte Schallplatten zu kaufen gibt. Alle drei zeigen das gleiche Design, doch das Album von Elvis Presley ist das älteste Werk, die anderen wie Clash haben die Optik kopiert. 175 Euro soll die Presley-Platte kosten, denn es ist ein Sammlerstück – die erste deutsche Pressung.

Eine andere Elvis-LP hat sich ein Plattenfreund zurücklegen lassen. Die kostet immerhin 90 Euro. Die Regel sind solche Käufe allerdings nicht, sagt Schu­bring: „Ab und zu verkauft man einen Elvis, vielleicht einmal im Monat. Dabei gebe es in der Region eine recht aktive Rock’n’Roll-Szene. Besser laufen im Vinyl-Reservat andere Größen der Musikgeschichte. Schubring zählt auf: Jimmi Hendrix, Led Zeppelin, Bob Dylan und Neil Young.

Mehr

Die offizielle amerikanische Elvis-Presley Webseite

Die offizielle deutsche Elvis Presley Webseite

Webseite der Elvis Presley Gesellschaft

Seite von Sun Records

Details zu "That's all right"

 
Die größten Hits   Daten und Fakten

• "Mystery Train" (1955)

• "Blue Suede Shoes" (1956)

• "Love me Tender" (1956)

• "Jailhouse Rock" (1957)

• "It's Now or Never" (1960)

• "Are You Lonesome Tonight" (1960)

• "Love Letters" (1966)

• "In the Ghetto" (1969)

• "Burning Love" (1972)

• "Promised Land" (1974)

 

• Mit 55 Millionen Dollar (rund 45 Millionen Euro) Einnahmen im Jahr

• Mehr als eine Milliarde Alben hat Elvis schätzungsweise weltweit

• Elvis spielte über 40 Studioalben und mehr als 700 verschiedene Songs ein.

• Nach Angaben der Elvis-Presley-Gesellschaft wurden seine Platten und Videos 72 mal mit Gold, 59 mal mit Platin und 43 mal mit Multiplatin ausgezeichnet.

• Elvis wirkte in 33 Kinofilmen mit, darunter zwei Konzertfilme.

• Sein per Satellit in rund 40 Länder übertragenes Live-Konzert "Aloha from Hawaii" am 14. Januar 1973 sahen schätzungsweise zwischen 1 und 1,5 Milliarden Menschen.

• 100 Millionen Dollar (damals etwa 76 Millionen Euro) bezahlte ein US-Unternehmer 2005 für die Namensrechte und das Management des berühmten Presley-Anwesens "Graceland" in Memphis.

• 1982 wurde "Graceland" zum Museum, seit 2006 gilt es als nationales Wahrzeichen.

     
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