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„Erdbeerwaisen“ im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig

In der Walachei „Erdbeerwaisen“ im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig

Julia Roesler lebt in Göttingen und ist Regisseurin, eine sehr umtriebige. Mit ihrer freien Theatergruppe Werkgruppe 2 hat sie in der Saline Luisenhall inszeniert, später dann auch in Kooperation mit dem Deutschen Theater in dem Haus am Wall.

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Manchmal auch fröhlich: die Erdbeerwaisen (Gina Calinoiu und Sven Hönig).

Quelle: Beinhorn

Göttingen. „Rotlicht“ hieß die jüngste Produktion, die sie auch am Staatstheater Braunschweig zeigt. Ihre neues Projekt hat sie wieder mit dem Staatstheater auf den Weg gebracht. „Erdbeerwaisen“ heißt das Stück, dass sie mit ihrem Team und Akteuren von dem rumänischen „Teatru National Marin Sorescu Craiova“ entwickelte. Es geht um die Menschen in der Walachei, einer Region in Rumänien, die in Deutschland Erdbeeren ernten und Spargel stechen, ihre Kinder aber damit vielfach zu Saisonwaisen machen. Nach Vorstellungen in vier Städten Rumäniens und im Staatstheater Braunschweig lief die Produktion jetzt im Jungen Theater Göttingen.

Vier Schauspieler stehen auf der Bühne: die Rumäninnen Gabriela Baciu und Gina Calinoiu und die Deutschen Sven Hönig und Oliver Simon. Alle vier sind gestandene Mimen, doch sie sprechen unterschiedliche Sprachen. Eine Klippe, die das Quartett  mit großem Sprachgefühl umschifft. Man versteht sich auf der Bühne, das Publikum kann auch dem folgen, was dort passiert.

Denn sehr facettenreich und einfühlsam zeichnen die vier Schauspieler nach, was in der Walachei passiert. Sie zeigen Kinder, die sich selbst überlassen sind und manchmal auch verwahrlosen. Sie zeigen ältere Geschwister, die viel zu früh erwachsen werden. Sie zeigen Großeltern, die zwangsweise wieder zu direkten Erziehungsberechtigten werden und mit dieser Situation manchmal auch überfordert sind. Sie zeigen aber auch die Frauen, die ihre Familien verlassen müssen, um sie mit dem schwer erarbeiteten Geld aus dem Westen am Leben erhalten können. Sehr nah kommen uns diese Figuren. 

Roesler, Dramaturgin Silke Merzhäuser und Schauspielerin Calinoiu sprachen bei ihren Recherchen mit den Betroffenen in Rumänien. Schön, dass sie den Text, der daraus entstand, ohne moralische Keule formulierten. Auch wenn Kapitalismuskritik natürlich wie ein Schatten darüber liegt.  Mit wenige Requisiten und Live-Musik von dem Gitarristen Kim Efert schafft das Quartett viel Atmosphäre. Dafür erhielt das komplette Team sehr viel Beifall.

„Erdbeerwaisen“ läuft am Donnerstag, 6. November, um 20 Uhr in der „Hausbar“ im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig. Karten: tickets.staatstheater-braunschweig.de.
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