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„Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“

Eröffnung der 2. Nikolausberger Musiktage „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“

Mit einem Bach-Konzert sind am Freitag die 2. Nikolausberger Musiktage eröffnet worden. Zu Gast waren der Bariton Henryk Böhm und das Göttinger Barockorchester unter der Leitung von Antonius Adamske. Inhaltlich ging es um Tod und Jenseitshoffnung im barocken Zeitalter.

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Bach-Kantaten in der Nikolausberger Klosterkirche

Quelle: CH

Nikolausberg. Drei Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs mit Solo-Bass hatte Adamske ausgewählt: „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“, „Ich habe genug“ und „Der Friede sei mit dir“. Einzig zwei Schlusschoräle sind eigentlich chorisch besetzt. Die solistische Fassung, die sie Adamske wählte, ist aber ebenfalls möglich.

Das irdische Leben ist ein Jammertal, Mühe und Elend: Davon war man im Barockzeitalter nicht ohne Grund überzeugt. Dagegen setzte das Christentum die Hoffnung auf ein seliges Leben nach dem Tod. „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“ beginnt der Schlusschoral der Kreuzstabkantate. Er endet: „Denn durch dich komm ich herein zu dem schönsten Jesulein.“

Wie Bach die Aussage der Texte musikalisch vertieft, wie er etwa das Kreuzsymbol umsetzt, mit Wellenfiguren beschreibt, dass der „Wandel auf der Welt … einer Schifffahrt gleich“ ist, das ist ausgesprochen anrührend. Dafür sorgten in der Aufführung in der voll besetzten Nikolausberger Klosterkirche Solist, Orchester und Dirigent gleichermaßen. Sehr ausdrucksstark gestalteten die Instrumentalisten die musikalischen Linien in historischer Aufführungspraxis, wunderschön – bis auf wenige kleine Instabilitäten – waren die Soli von Oboe (Martin Jelev) und Violine (Henning Vater).

Böhm sang seinen Solopart mit sehr klarer Artikulation, warm im Timbre, bestechend sicher in der Stimmführung. Für die Vierstimmigkeit in den Chorälen sorgten Monika Mauch, Anna Bineta Diouf und Lothar Odinus zuverlässig. Komplettiert war das Programm mit zwei kurzen Instrumentalsätzen aus anderen Bach-Kantaten sowie dem Schlusschoral der Johannespassion. Ein sehr bewegender Abend, zu dem die Vokabel „fulminant“, mit der Adamske in seinem Schlusswort seinen eigenen Eindruck beschrieb, nicht ganz passen wollte.

 

Die weiteren Veranstaltungen der 2. Nikolausberger Musiktage

Sonnabend, 10. September: 14 Uhr Theatermatinee mit den „Stillen Hunden“, 17 Uhr Festkonzert mit dem Kammerchor „con anima“, 21 Uhr Nachtkonzert mit Choralkantaten von Max Reger.

Sonntag, 11. September: 10 Uhr Musikalischer Festgottesdienst, 11.30 Uhr Frühstückskonzert mit Florian Brauer (Tenor) und Andreas Düker (Laute), 17 Uhr Abschlusskonzert mit geistlichen Werken von Max Reger, gesungen vom Norddeutschen Figuralchor unter Jörg Straube. Veranstaltungsorte sind die Klosterkirche und das Gemeindehaus Nikolausberg.

Von Michael Schäfer

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