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Erster Göttinger Orgel-Slam in der Johanniskirche

Auf sehr hohem Niveau Erster Göttinger Orgel-Slam in der Johanniskirche

Organist Matthias Steinmetz mag es auf der Orgel symphonisch. Sein Konkurrent Julius Ruben Napp schätzt das dramatische Spiel mit Klangfarben. Beide Musiker improvisierten bei der 1. Göttinger Orgel-Slam um die Wette – und um Gunst des Publikums. Denn wie beim Poetry-Slam entschieden die Zuhörer am Sonntagabend in St. Johannis, wer Sieger dieses freundschaftlichen Organisten-Wettstreits wurde.

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Julius Ruben Napp (l.) und Matthias Steinmetz.

Quelle: PH

Göttingen. Die Idee kam der Katholischen Hochschulgemeinde als Veranstalter durch den Film „Schlafes Bruder“ nach einem Roman von Robert Schneider. Hier treten Musiker an der Orgel gegeneinander um die Gunst des Publikums an. Einen kurzen Filmausschnitt bekam das Publikum in St. Johannis zu sehen.

Dann begann der von Peter-Paul König moderierte Wettbewerb: Die beiden Organisten hatten über den Choral „Komm o Tod du Schlafes Bruder“ zu improvisieren. Der 23-jährige Matthias Steinmetz improvisierte erhebend, voller Harmonien und majestätisch. Der 19-jährige Julius Ruben Napp spielte über denselben Choral mehr mit Melodien, Klängen und Rhythmen – und gestaltete seine Improvisation so sehr abwechslungsreich.

Der Slam bot dabei ein ganz neues Erlebnis von Orgelmusik an der großen Ott-Orgel: Die Performance der Organisten war per Live-Bild auf einer Leinwand vor dem Altarraum zu verfolgen. Bunte Strahler und farbige Laser färbten das Kirchenschiff futuristisch.

Die zweite Aufgabe an die Organisten: die Interpretation eines Werkes aus der Orgel-Literatur. Napp meisterte die „Fanfare – Allegro non troppo“ des Romantikers Jacques-Nicolas Lemmens kraftvoll und feierlich. Matthias Steinmetz hauchte dem komplexen „Präludium und Fuge a-Moll“ Johann Sebastian Bachs bravourös mit virtuosen Läufen sehr viel Leben ein.

Den Schluss bestimmte das Publikum: Die Zuhörer schlugen vor, welches Kirchenlied die Organisten begleiten sollten. Steinmetz führte das Lied „Von guten Mächten“ mit einem kurz geratenen Vorspiel ein und begleitete dann den Gesang der Gemeinde sehr dienlich. Ganz anders Napp: Die Begleitung von „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ begann er mit einem längeren Vorspiel und steigerte bei der Gesangsbegleitung geschickt die Dramatik – wurde aber etwas zu dominant gegenüber der singenden Gemeinde.

Per Abstimmungszettel urteilte das Publikum und entschied den Wettbewerb. Der Moderator beglückwünschte zum Schluss zwei Sieger: Napp gewann bei der Improvisation und der Gesangsbegleitung. Steinmetz belegte den ersten Platz im Literaturspiel. Eines war allen Anwesenden bewusst: Die jungen Organisten spielten beide auf einem sehr hohen Niveau. Nach diesem spannenden und unterhaltsamen Debüt eines Orgel-Slams dürfen sich hiesige Orgel-Fans auf eine angekündigte Neuauflage des Slams freuen. Das Konzept überzeugt!

Von Udo Hinz

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