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Esther Horn in der Göttinger Galerie Oliver Ahlers

Finster-erzählerische Bildwelten Esther Horn in der Göttinger Galerie Oliver Ahlers

Wenn sich Dunkel um Dunkel aufeinander legt, wird es Nacht. Sie überzieht den Wald, Bäume, Straßenränder mit schummrigen Tönen, wirft lange Schatten in ohnehin lichtlose Ecken und umfängt die Gestalten, die noch unterwegs sind, mit undurchsichtiger Düsternis, schwarze Partien verändern ihre Gesichter bis zur Unkenntlichkeit. Ein Auto parkt am Straßenrand, der Asphalt in dem Waldstück glänzt schimmernd.

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Steidls Arbeit in Film und Ausstellung dokumentiert

Mal programmatisch, mal surreal, mal plakativ: Esther Horns düstere Malerei.

Quelle: Pförtner

Dieses Bild aus Esther Horns Ausstellung „splendid isolation – neue Bilder“ springt den Betrachter sofort an, wenn er die Galerie Ahlers besucht. Von weitem vermittelt sich die zwielichtige Atmosphäre zwischen den Waldsäumen – eine Panne, ein Unfall, ein Verbrechen? – beim Näherkommen teilt sich vor allem das Medium mit: Farbinseln schwimmen auf der Straße, Lichtflecken bohren sich senkrecht in den Straßenbelag, verdünnte Farbe rinnt herab und gibt dem Bild eine räumlich schichtende Komponente, die Malerei als Malerei thematisiert. Diese Geste und die Dunkelheit sind allen Bildern, mal programmatisch, mal surreal, mal plakativ, inne, sie sind Nachtstücke.

Rembrandts Nachtwache, als eines der bekanntesten, der sich vom 15. bis 17., aber auch am Übergang zum 20. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuender Bilder von der Dunkelheit, in der doch je noch so viel Helles, gelblich Lichtes liegt, weist fast zwangsläufig seine Referenz auf. In der Aufbruchstimmung nach dem Marschbefehl des Hauptmanns an die Büchsenschützen lebt es von dem Moment der „Spannung zwischen dem ‚schon jetzt‘ und dem ‚noch nicht‘“, wie der Kunsthistoriker Christian Tümpel belegte. Soll dieses Moment der Spannung auch den Betrachter der Gemälde Horns gefangen nehmen? Ist der Ausgang der gebannten Situationen ungewiss, noch ungeordnet und voller untergründiger Möglichkeiten?

Das gemalte Porträt einer Frau, das bei Ahlers zu sehen ist, zeigt ein Standbild aus dem Film „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ von David Lynch. Eine Wunde über der rechten Schläfe lässt Blut die Stirn hinunter laufen, hinter ihr ist es dunkel. Gerettet vor einem Gewaltverbrechen und zugleich doch verletztes, verwirrtes Unfallopfer ist Rita (Laura Elena Harring) von Horn in dem Moment gezeigt, eingefroren, in dem sich alles ändert, alles ändern könnte. Im Film stimmt der Moment mit seinen Möglichkeiten überein, zieht seine Kraft aus dem elektrisierenden Befremden des Geschehens. Und dieser Augenblick flackert hier und dort auch in den Bildern auf.

Die Ausstellung ist in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21 in Göttingen, bis zum 13. November dienstags bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr zu sehen, sonnabends von 10 bis 13 Uhr.

Von Tina Lüers

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