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Ewig und drei Tage

„Bertha, stirb endlich!“ im Jungen Theater Göttingen Ewig und drei Tage

Das Gastspiel „Bertha, stirb endlich!“ haben Mitarbeiter des Hospiz Schöneberg-Steglitz und die Gruppe Spätzünder vom Theater der Erfahrungen Berlin am Mittwoch im ausverkauften Jungen Theater Göttingen gezeigt. Zu sehen gab es ein humorvolles Theaterstück von der Sterblichkeit und dem ewigen Leben.

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Eine besondere Erfahrung für alle Beteiligten: Berthas Leben im Hospiz.  

Quelle: Farys

Göttingen. Die einen wollen nicht sterben, und die anderen können es nicht. Die Einsicht in die eigene Endlichkeit und der Wunsch nach Unsterblichkeit sind thematisch eine echte Herausforderung. Wenn man allerdings die Welt der Menschen und die fiktive Sphäre von Vampiren aufeinanderprallen lässt, ist ein Culture Clash programmiert.

Die Spieler vom Theater der Erfahrungen und Mitarbeiter des Hospiz Schöneberg-Steglitz zeigen den fantasievollen Zusammenprall der so unterschiedlichen Kulturen mit viel Augenzwinkern. Für die Inszenierung unter Regie von Eva Bittner und Stefan Schütz gab es 2014 den Deutschen Amateurtheaterpreis „amarena“.

Unter den Vampiren auf Burg Schreckenstein ist alles wie immer. Die Clan-Mitglieder stänkern und feiern, lästern und langweilen sich – ewig und drei Tage. Doch als plötzlich Bertha mit ihren blutjungen 564 Vampirjahren sterbenskrank wird, sehen sich die Unsterblichen mit dem Tod konfrontiert.

Die blutsaugenden Verwandten schieben Bertha ins Hospiz ab. Ganz glücklich ist man dort allerdings nicht über den ungewöhnlichen und nachtaktiven Zuwachs. Denn so schnell geht das mit dem Sterben im Hospiz auch nicht. Die Jahre gehen ins Land. Berthas Leben im Hospiz wird eine besondere Erfahrung für alle Beteiligten.

Die 14 Berliner Theaterspieler, von denen viele im Seniorenalter sind, machen es ihrem Publikum einfach, sich auf das tabubesetzte Thema einzulassen. In stimmungsvollen Bildern und mit viel Charme und Spielfreude entführen sie in eine märchenhafte Welt, die ganz andere und humorvolle Perspektiven zulässt beim Blick auf den letzten Weg.

Die vielen Abschiede im Hospiz, die Totengräber und die Trauer, hohe Pflegekosten und desinteressierte Angehörige, die Überforderung im Umgang mit dem Sterben und das Verdrängen des Unumgänglichen – die Koordinaten sind ernüchternd, aber mit dem richtigen Maß an Feingefühl in Szene gesetzt.

Die Inszenierung dreht die Dinge auf den Kopf. Fantasie trifft auf Realität, Humor auf Traurigkeit. Und selbst wenn man berührt schlucken muss, ist die Ergriffenheit schnell wieder weggefegt von der nächsten komischen Idee und Konstellation. „Ich habe lange nicht so gelacht – und das bei dem Thema“, sagte eine Besucherin nach der Vorstellung für die es großen Beifall gab.

Organisiert wurde das Gastspiel vom Hospiz an der Lutter und dem Palliativzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.

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