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Facetten der Liebe

Leslie Malton und Felix von Manteuffel Facetten der Liebe

„Frauen“, sagt sie ohne Wertung. „Ach, die Frauen!“, meint er erst verständnislos, dann empört, dann lieblich säuselnd. Getrennt durch eine Parkbank stehen Leslie Malton und Felix von Manteuffel im Scheinwerferlicht der Bühne. Sie: mit rotem Rock, Pumps und feuerroten Lippen – zierlich, aber sich ihrer Wirkung bewusst. Er: mit weißem Vollbart, groß und stattlich.

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Malton (l.), von Manteuffel.

Quelle: CR

Göttingen. Die Vertrautheit der beiden deutschen Schauspieler – die im realen Leben verheiratet sind – verleiht der Lesung „Ach, die Frauen“ etwas Persönliches.

Denn die unterhaltsamen Erzählungen aus dem gleichnamigen Buch des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia handeln von der Liebe in all ihren Facetten. „Ach, wie sehr liebten wir uns damals und wussten es nicht“, liest von Manteuffel hervorragend intoniert aus einer Novelle, die von einem jungen Italiener erzählt, dem erst zu spät klar wird, dass er die Liebe seines Lebens bereits gefunden hatte.

Malton lauscht ihm ebenso gebannt wie das Publikum auf den restlos ausverkauften Rängen in der alten Scheune, die mit ihren rustikalen Holzbalken ein besonderes Ambiente schafft.

In „Das kreisrunde Monstrum“ geht es um die Suche nach der zweiten Hälfte, die nach Platon den Menschen erst zum kreisrunden Ganzen vervollständigt. Malton mimt eine Frau mittleren Alters, die die Demütigungen ihres jungen Liebhabers als Lust empfindet. Aber: „Kann denn ein Geschöpf vollständig sein, das in zwei Teile geteilt ist und von denen der eine den anderen demütigt?“

Besonders amüsiert die Zuschauer die Novelle „Jetzt ist nicht der richtige Augenblick“, in der ein junger Mann bei dem Versuch mit seiner Angebeteten zu reden, diesen Satz immer wieder zu hören bekommt. Die beiden Darsteller versüßen die Geschichte mit ihrem Charme, witziger Mimik und komischen Redestilen. So spricht von Manteuffel den neuen Liebhaber mit übertriebenem amerikanischen Akzent oder beide trällern den Satz in scheinbar volltrunkenem Zustand – das Publikum findet es köstlich: Gelungener Abschluss eines unterhaltsamen Abends.

Von Noreen Hirschfeld

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