Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Fernöstliche Musik, Wein und Dichtung

Orient in Hardenberg Fernöstliche Musik, Wein und Dichtung

Holzfässer, Weinflaschen und gefüllte Rotweingläsern zieren die Bühne im Atrium auf dem Gräflichen Landsitz Hardenberg. Die sanften Melodien aus dem Alten und Neuen Orient des Ensembles Sarband tauchen den Saal in eine nahöstlichen Stimmung.

Voriger Artikel
Schwelgende Momente der Hörner-Fülle
Nächster Artikel
„Auch unterhaltsam – aber nicht nur“

Voller Enthusiasmus: der Schauspieler Dominique Horwitz zwischen Holzfässern, Weinflaschen und Gläsern.

Quelle: Heller

Im Wechsel zu der musikalischen Darbietung liest Schauspieler Dominique Horwitz voller Enthusiasmus Auszüge aus verschiedenen Dichtungen – von Baudelaire über Heine bis zu Werken aus Goethes Gedichtsammlung „West-östlicher Diwan“. An dem Abend mit dem Thema „Das Gelage“ im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage, geht es um Wein und Leidenschaft, Trunkenheit und Ekstase – doch eigentlich um Gott und Glauben.

Die musikalische Reise des Ensembles Sarband führt das Publikum mit einem Liebeslied in den Iran um 1400. Mit Instrumentalwerken von Sherif und Ali Ufki geht es weiter in das Osmanische Reich des 17. Jahrhunderts, um schließlich mit Weinliedern in der Türkei der vergangenen zwei Jahrhunderte anzukommen. Die musikalische Leitung hat Vladimir Ivanoff, der an den Percussion begeistert und für die Text- und Musikauswahl zuständig ist. Mustafa Dogan Dikmen verzaubert die Zuhörer an einer Längsflöte (Ney) und mit seinem Gesang. Celaleddin BiÇer, an Ney und Zither (Kanun), sowie Ahmet Kadri Rizeli an dem Streichinstrument Kemenge sorgen für den ganz besonderen Klang.

Die Musik wird ergänzt durch die einzigartige Rezitation von Horwitz, der mit Leidenschaft und gekonnter Mimik und Gestik, die Literatur zu einem besonderen Erlebnis macht: von Baudelaires „Segen“ und „Die Schlange, die tanzt“, über Heines „Ali Bei“ bis hin zu dem humoristisch vorgetragenen „Schenkenbuch“ aus Goethes Werk „West-östlicher Diwan“. Trotz der humorvollen Einlagen hat der Abend einen „immens religiösen Charakter“, sagt Horwitz im Anschluss an die Veranstaltung. „Der Wein hat eine große Bedeutung im Islam“, erklärt er. Allerdings ist damit nicht der echte Wein gemeint, sondern der „Seelenwein“, erläutert Ivanoff. Das habe auch Goethe in seinem „Schenkenbuch“ erkannt. Der Trunkene – köstlich angesäuselt dargestellt von Horwitz – sei der Gläubige, der Schenker sei Gott. Der Wein stehe für die Liebe Gottes, die Trunkenheit für den ekstatischen Glauben. Dieser Hintergrund mag nicht jedem an diesem Abend bewusst gewesen sein, das perfekte Zusammenspiel zwischen Dichtung und Musik hinterließ jedoch Eindruck.

Das Ensemble wurde 1986 von Ivanoff ins Leben gerufen und verbindet Musiker aus den verschiedenen Teilen der Welt. Die Zusammenarbeit des Ensembles mit Horwitz entstand auf Anfrage des Intendanten der Niedersächsischen Musiktage, Dr. Markus Fein. Dieser wollte schon länger mit dem Schauspieler zusammenarbeiten und kannte das Ensemble bereits von einem anderen Festival.

Horwitz, der in Paris geboren ist und seit 1971 in Berlin lebt, schaffte 1993 seinen Durchbruch mit der Hauptrolle in Josef Vilsmaiers „Stalingrad“. Bereits seit längerer Zeit ist er auch im musikalisch-literarischen Genre zu Hause. Auf die Anfrage von Fein sagte er sofort zu. Erst seit ein paar Tagen übt er mit dem Ensemble für diesen Auftritt. „Wenn die Einzelnen ein Gefühl füreinander haben, wächst man sehr schnell zusammen“, erklärt er. Auch eine weitere Zusammenarbeit könne er sich gut vorstellen, denn beim Publikum komme die gewagte Kombination von Dichtung und nahöstlicher Musik bisher sehr gut an.

  Weitere Konzerte in Der Region
 

Weitere Konzerte der Niedersächsischen Musiktage in der Region folgen in den kommenden Tagen. In der Alfelder Firma Fagus-GreCon steht „Ein Fest für dich, Woody Allen“ mir Sabine Meyer und dem Trio di Clarone am Sonntag, 25. September, um 20 Uhr auf dem Programm. Im Göttinger Club Savoy spielt der „Club der Saiten“ mit Fazil Say, Patricia Kopatchinskaja und Edin Karamazov am Dienstag, 28. September, um 20 Uhr. Karten gibt es unter www.musiktage.de oder unter Telefon 0  18     05   /    62   78   37.

el

Von Noreen Hirschfeld

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag