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Fernsehkoch Horst Lichter mit „Herzenssache“ in Göttinger Stadthalle

Lachen mit Lichter Fernsehkoch Horst Lichter mit „Herzenssache“ in Göttinger Stadthalle

Seinen Wurzeln ist Horst Lichter treu geblieben. Nicht nur sein rheinischer Akzent zeigt das. Auch seinem Kindheitstraum, Koch zu werden, ist er gefolgt. „Früher ging man in unserem Dorf nicht ins Restaurant. Man ging zum Lutz. Und wenn man zu einem Menschen geht, dann ist es ein schöner Abend“, schildert Lichter. Auch er selber wirkt auf der Bühne sehr menschlich.

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Rheinische Frohnatur: der Fernsehkoch Horst Lichter.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Rhythmisches Pochen erfüllt den Saal. Ein Herz auf einem Bildschirm und rote Lampen blinken im Takt, als Lichter am Donnerstagabend auf die Bühne der Stadthalle rennt. „Herzenssache“, so nennt er sein neues Programm. Darin erzählt der Koch über sein Leben – und den beschwerlichen Weg zu seiner Herzenssache, einem eigenen Restaurant. Schicksalsschläge, Gesundheitsprobleme, Geldmangel und vor allem der Kampf mit Ämtern konnten ihn nicht von seinem Ziel abbringen.

Mit viel Humor bringt der 52-Jährige seine Geschichte unter die Leute. Sympathisch und authentisch wirkt er dabei. An einigen Stellen kichert er gemeinsam mit dem Publikum über seine eigenen Scherze, auch über den einen oder anderen schlüpfrigen Witz. Aber ohne den wäre es auch nicht Lichter.

Der Fernsehkoch erzählt, wie er damals eine Scheune zum Restaurant umbaute. 300 Quadratmeter groß – Lehmboden, kein Strom, ein defektes Dach, kein Geld. „Ich habe einen Freund nach dem Rezept für Beton gefragt“, erzählt Lichter. Schließlich habe alles im Leben Zutaten und ein zugehöriges Rezept. Lichter erzeugt lebendige Bilder in den Köpfen, als er beschreibt, wie er mit geliehener Schubkarre, einer ebensolchen Mischmaschine und einer gekauften Schaufel die ganze Halle selber betonierte.

Als Lichter anfängt zu kochen, stellt er einen Ventilator an, damit das Publikum auch wirklich den guten Speck riecht. „So habe ich damals Leute in mein Restaurant gelockt“, sagt er. „Da haben sogar die Vegetarier gebetet: Lieber Gott, lass’ es Blumenkohl sein!“ Fleischfrei, das gibt es bei Lichter nicht. „Alles unter 400 Gramm, das ist für mich Carpaccio!“, sagt er. So bekommen einige Besucher an diesem Abend auch ein großes Steak serviert. Lichter verfeinert all seine Gerichte. Spricht er von einer Messerspitze Butter, so meint er ein ganzes Päckchen.  Gerührt erzählt der Koch, wie er mehrmals im Leben dachte: „Mehr geht nicht mehr“. Und dann kam damals die Lokalzeitung, um zu berichten. Stolz zeigt er dem Publikum den Artikel. Doch dies blieb nicht sein letzter großer Auftritt. Was er erst für einen Scherz-Anruf eines Freundes hielt, war der WDR: Zunächst ein Bericht, später dann eine eigene Kochshow.

Seine Geschichte klingt wie aus dem Bilderbuch. Lichter weiß sie zu erzählen und das Publikum zugleich zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen. Und er überzeugt mit seinen cholesterinreichen Rezepten. „Orient-Platte“ nennt er sein Dessert, das vor allem aus Butter, Baileys und Eierlikör sowie ein wenig Obst besteht. „Wer das Gesunde nicht mag, kann das rausfischen“, erklärt er und grinst.

Von Theresa Hellwig

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