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Festival für Freie Theater: Theaterwerkstatt Göttingen mit „Schmetterlingsfänger“

Zuviel gewollt Festival für Freie Theater: Theaterwerkstatt Göttingen mit „Schmetterlingsfänger“

Mit „Schmetterlingsfänger“, der neuen Produktion der Theaterwerkstatt Göttingen, ist das II. Festival der Freien Theater am Mittwoch im Jungen Theater eröffnet worden. Ein Theaterstück, das auf weltweites Artensterben und Kinderarmut in fernen Lebenswelten hinweist.

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Zwei Kinder, zwei Kulturen: Samnang (Mona Louisa-Melinka Hampel) und Leon (Sasha Bornemann).

Quelle: Heise

Göttingen. Kleine Ursache, große Wirkung. Der sogenannte „Schmetterlingseffekt“ besagt, dass kleine Abweichungen langfristig ein ganzes System vollständig und unvorhersagbar verändern können. Welche Folgen eine Verkettung von Einflüssen auf eine Region und eine ganze Gesellschaft haben kann, liegt hingegen ganz offensichtlich auf der Hand.

Samnang lebt in Südostasien. Sie fängt Schmetterlinge, um zum Überleben ihrer Familie beizutragen. Die Schmetterlinge verkauft sie an ein Restaurant, wo sie als Touristenattraktion herumfliegen. Hier begegnet ihr Leon (souverän: Sasha Bornemann) aus Deutschland. Der Zwölfjährige ist Schmetterlingsfan und lässt ohne Vorwarnung einfach ihre Schmetterlinge frei. Samnang (strahlend und leichtfüßig: Mona Louisa-Melinka Hampel) stellt Leon wütend zur Rede. Seine Tante Corinna (sorgenvoll: Brit Hennig), die wegen einer berühmten Tempelanlage in das ferne Land gereist ist, verlangt, dass er den Schaden ersetzt.

Leon nutzt die Chance, über das fremde Mädchen einen Weg zu den exotischen Schmetterlingen zu finden. Als sie sich wieder begegnen, beginnt für beide ein Abenteuer. Die Begegnung mit dem fremden Mädchen und der fremden Kultur hilft Leon auch dabei, über den Tod seiner Mutter hinwegzukommen.

Eingebettet in fantasievolle Bilder treffen in dem 90-minütigen Theaterstück für Kinder ab neun Jahren unter der Regie von Dorothea Derben zwei Kulturen und ganz unterschiedliche Lebenswelten aufeinander. Tanz, Musik, Videoinstallation und englischsprachige Dialoge unterstreichen dabei die Exotik des Ortes und das kindliche Miteinander über die Grenzen der Kulturen hinweg.

Allerdings sehen sich die Zuschauer schon bald mit einer Gemengelage konfrontiert, in der allerhand Probleme und Krisen komprimiert miteinander vermengt sind. Kinderarbeit, Armut und Hunger, Umweltgifte, Abholzung des Regenwaldes und Zerstörung von Weltkulturerbe, weltweites Artensterben, Bürgerkriegsfolgen und Massentourismus, Tod der Mutter und Angst vor Überforderung und Verantwortung. Äußere Konflikte prallen hier zudem auf innere Konflikte. Statt sich klar auf wenige Punkte zu konzentrieren, verfängt sich das Theaterstück letztlich in seinem Anspruch an sich selbst.

Von Karola Hoffmann

Weitere Vorstellungen: am 26. November um 18 Uhr und am 29. November um 16 Uhr in der Passage im Cheltenham-Haus, Friedrichstraße 1. Kartentelefon: 05 51/59 544.

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