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„Festivals der Volxmusik“ in der Musa

Spritzendes Bier „Festivals der Volxmusik“ in der Musa

Dies war nie der Raum, wo man kultivierte Wortkunst und fein justierte Reime erwartet hätte. „Was wollen wir? Dosenbier!“ So scheint der Slogan des „Festivals der Volxmusik“ zu lauten.

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Ernsthaftigkeit und Humor: die Funpunk-Band Die Mimmis.

Quelle: Heller

Göttingen. Mehrmals schallt es so von der Bühne, was einige Konzertbesucher prompt dazu veranlasst, ihr Bier in spritzenden Fontänen quer über den Saal zu versprühen. Es ist dreckig, es ist laut, und es ist obszön – auch weil ein Großteil der Ansagen davon handelt, dass irgendjemand sich irgendetwas in den Arsch schieben soll. Muss das sein?, mag sich vielleicht mancher fragen. Die Antwort lautet: ja.

Die Bremer Band Die Mimmis und Abstürzende Brieftauben aus Hannover sind zu Gast in der Musa und spielen eine Auswahl aus neuen Songs und Klassikern. Schon 1990 tourten die beiden Fun-Punk-Bands unter dem gleichen Titel durch das frisch vereinigte Deutschland. Haben sich die Bandbesetzungen heute verändert, bleiben sie dem rotzigem Sound von damals treu.

Mit „Du bist Deutschland“ veräppeln etwa die Mimmis den bekannten Werbeslogen von 2005. „Einigkeit und Recht auf Dummheit, Einigkeit und Recht auf Stummheit“, heißt es da im Text. Kritik, darum geht es in ihren Songs. Und das ist auch der Grund, warum es sich lohnt genauer hinzuhören. Etwa wenn die Band ein Lied über die Korruption im Fußball vorträgt. „Wer hat euch bezahlt?“, fragt Sänger Fabsi und kritisiert Fifa-Chef Joseph Blatter. Ein Nischenthema, das in der Welt der Musik kaum Beachtung findet.

„Ich war nie Rock ’n’ Roll“

Trotz solcher ernsten Themen steht der Humor bei beiden Bands im Vordergrund. Mit einem Cover von Markus’ „Ich will Spaß“ thematisieren die Abstürzenden Brieftauben diese Verbindung von Ernst und Klamauk ganz direkt. Dabei feiern die Tauben nicht das bloße Vergnügen wie im Original. Ihr neuer Text richtet sich auch gegen Faschisten. „Ein Skinhead auf der Autobahn. Hui, da kann man prima drüber fahr’n. Ich geb’ Gas. Das macht Spaß, das macht Spaß“, singt Gitarrist und Gründungsmitglied Mirco Bogumil. Viele Konzertbesucher singen mit.

Mit dabei ist der Akustikgitarrist Grillmaster Flash aus Bremen. „Ich war nie Rock ’n’ Roll“ heißt ein Song, in dem der junge Musiker kurzerhand ein paar Zeilen umdichtet und auf die aktuelle Tour münzt: „Ich geb’ mir richtig Mühe, interessanter zu werden. Ich geh jetzt auf Tour, mit den Bands meiner Eltern.“ Seine Musik ist melodisch, seine Stimme ist klangvoll. Aber seine Ansagen sind frech: „Wenn ich einmal groß bin, könnt ihr sagen, ich habe ihn schon gesehen, als er noch gut war. Als er noch angeeckt ist.“ Letztlich ist das der Grund, warum manche Musik trotz ihrer Rohheit, dem Dreck und der Verdorbenheit, richtig gut sein kann. Weil sie aneckt.

Von Daniela Lottmann

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