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Feuchtgebiete im Familienzeltlager

Lesung Feuchtgebiete im Familienzeltlager

Drei Bücher hat Heinz Strunk geschrieben. Sein erstes undbekanntestes, „Fleisch ist mein Gemüse“ wurde verfilmt, mit seinem jüngsten, „Fleckenteufel“ ist er derzeit auf Lesetour. Im gut gefüllten Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen hat er es jetzt vorgestellt.

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Der Autor spielt einen Jugendlichen aus seinem Buch: Heinz Strunk.

Quelle: Heller

Er sieht leicht angewidert aus. Mit lässiger Geste der linken Hand, der mit dem großen Klunker am Finger, dem fetten Goldarmband und der Uhr Marke Zuhälter am Gelenk, wirft er ein Buch auf den Fußboden. Sein Buch, sein „Fleckenteufel“. Heinz Strunk gibt sich zerknirscht und erklärt auch, warum. „Es erinnert fatal an ein anderes Buch.“ Das ist auch von hinteren Reihen aus zu erkennen. Der Umschlag des jüngsten Strunk-Werks ähnelt überdeutlich an Charlotte Roches „Feuchtgebiete“, einem Machwerk, das Strunk offenbar wenig schätzt.

Jetzt also liegt das Buch auf dem Fußboden des Podiums, auf dem Lesetisch hat der Autor eine Loseblatt-Sammlung abgelegt – und eine Querflöte. Später spielt er darauf einige Male wie einst Ian Anderson von „Jethro Tull“, der in das Instrument blies und gleichzeitig sang. Akrobatisch und scheußlich. Manchmal singt er auch, doch meistens liest Strunk an diesem Abend mit breitem Hamburger Dialekt, das heißt, Strunk nuschelt viel. 

Pubertäre Flecken

„Fleckenteufel“ heißt das Buch, und jeder denkt bei diesem Titel an pubertäre Flecken, verursacht durch feuchte Träume. Eine naheliegende Assoziation, denn Strunk nennt sein Werk selbst „ein Jugendbuch“. Es geht um den 16-jährigen Thorsten Bruhn und seine Erlebnisse bei einem Zeltlager in Scharbeutz, einem Örtchen an der Ostsee.  Der junge Mann ist schwer gebeutelt von Samenstau, Verdauungsstörungen und 161 Zentimetern Körpergröße. Seine erste Erfahrung mit Alkohol enden desaströs, und so beschreibt Strunk auch die Ausscheidungsfolgen des Gelages. An diesen Stellen ist er nicht so weit entfernt von Rocheschen „Feuchtgebieten“. Doch eigentlich wollte er einen universellen Jugendroman schreiben. Vielleicht schwebte ihm dabei Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ vor, wahrscheinlich aber nicht. Denn statt der Wedekindschen Ernsthaftigkeit treibt ihn selbst der Schabernack. Strunk will Spaß und Unterhaltung. Den hatten an diesem Abend die meisten der Besucher und Strunk offenbar auch. Immer wieder musste er über seine eigene Geschichte kichern. Ein zeitweise amüsanter Abend ohne Spätfolgen.

                                                                                                                Von Peter Krüger-Lenz

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